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Interview mit Martina Peters

 
Die deutsche Zeichnerin Martina Peters wird besonders durch ihre Werke „KAE“ und „Lilientod“ vielen Boy‘s Love-Liebhabern ein Begriff sein. Vor kurzem kam mit TEN die Fortsetzung zu KAE auf den deutschen Markt. In unserem Interview erzählt die disziplinierte Zeichnerin etwas über die Gründe zur Fortführung dieser Geschichte, die Arbeit als deutscher Mangaka und das Zeichnen allgemein.
Name: Martina Peters
Pseudonym: Soen / Soen Kai / Chiron
Geburtstag: 03.04.1985
Sternzeichen: Widder
Wohnort: Düsseldorf
Motto/Lieblingszitat: Talent without discipline is like an octopus on roller skates. There's plenty of movement, but you never know if it's going to be forward, backwards, or sideways.

bisherige Veröffentlichungen:
KAE (2 Bände, 2006 - 2008, Erstauflage: Fireangels, Neuauflage: Cursed Side)
E-Motional (Chibi-Manga, 2007, Carlsen)
Lilientod (3 Bände, 2009 - 2011, Carlsen)
TEN 1 (bisher ein Band, 2013 - , Cursed Side)



animePRO: Hallo Martina. Schön, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst. Hast du im Moment viel um die Ohren?
Martina Peters: Gerne doch. Ich habe allerdings momentan wirklich viel um die Ohren, und das nicht nur, weil die Connichi ansteht und neues Merchandise vorbereitet werden muss.

animePRO: Wir haben gehört, dass du ein Workaholic sein sollst. Stimmt das?
Martina Peters: Das kann man so unterschreiben, glaube ich.

animePRO: Seit wann zeichnest du eigentlich?
Martina Peters: Effektiv seit 2001.

animePRO: Hat es bei dir auch mit Sailor Moon angefangen oder was hat dich zum Manga gebracht?
Martina Peters: Tatsächlich war es auch bei mir – wie bei den meisten anderen aus meiner Generation – Sailor Moon.





animePRO: Was sagt deine Familie zu dem Manga-Stil, den du dir ausgesucht hast? Können sie etwas mit Manga anfangen oder ist das ein Medium, das sie eher weniger anspricht?
Martina Peters: Ich glaube, allgemein ist es meiner Familie relativ wuppe, in was für einem Stil ich zeichne und inzwischen ist es auch egal, dass Zeichnen mein Beruf ist. Sie sehen, dass ich davon leben kann und zufrieden bin. Das ist für sie das wichtigste.

animePRO: Welche anderen Anime/Manga-Serien interessieren dich noch?
Martina Peters: Das ist eine Frage, die ich so gar nicht wirklich beantworten kann. Es kommen ja dauernd neue Serien auf den Markt und da sind immer wieder welche dabei, die ich interessant finde. Momentan sind es zum Beispiel „Shingeki no Kyojin“ und „Free!“.

animePRO: Hast du auch eine/n Lieblingsmangaka oder Zeichner? Jemanden, der dich vielleicht bei deinen eigenen Zeichnungen inspiriert hat?
Martina Peters: Einen? Nein. Ich habe und werde viele Manga lesen und ganz sicher haben mich und werden mich viele Zeichner zeichnerisch oder erzählerisch inspirieren oder beeinflussen. Aber ein „Idol“ habe ich nicht.

animePRO: Welches Zeichenmaterial verwendest du vorwiegend und warum? Was sind, in deinen Augen, die Vorteile?
Martina Peters: Vorwiegend verwende ich wohl Tusche und Feder. Die Vorteile liegen in diesem Material einfach darin, dass ich damit am besten umgehen kann.
Ich habe zwar lange Zeit mit Rapidographen und Multilinern gearbeitet, aber schlussendlich kann ich damit nicht so gute Linienvariationen erzeugen, wie mit Feder. Die Linien werden zu gleichmäßig und langweilig. Außerdem reiben sich zumindest die Multiliner-Linien leicht ab beim radieren und werden dann grau. Das sieht nach dem Scannen nicht mehr so schön aus.

animePRO: Deine beiden Werke E-Motional und der Mehrteiler Lilientod wurden allesamt bei Carlsen veröffentlicht. Wie ist es dazu gekommen? Hat es gleich auf Anhieb geklappt?
Martina Peters: Bei Carlsen ja. Zugegeben habe ich mich Jahre davor schon mehrfach bei Tokyopop beworben und wurde immer abgelehnt, weil ich noch nicht gut genug war. Dafür habe ich jedes Mal ausführlich gesagt bekommen, woran ich noch arbeiten muss.
2006 habe ich mich dann auf der Leipziger Buchmesse bei den drei großen (aka Tokyopop, EMA und Carlsen) erneut vorgestellt und Carlsen hat schnell zugeschlagen, ehe die anderen es konnten. *lach*



animePRO: Aber trotz Carlsen-Veröffentlichung kann man von dem Job „Mangaka“ hierzulande noch nicht wirklich leben, oder?
Martina Peters: Ich lebe davon.

animePRO: Ich glaube das ist das erste Mal, dass ein Zeichner das so klar in einem unser Interviews sagt. Bist du der Meinung, dass die Erfolgschancen für das Berufsfeld Mangaka in Deutschland in den vergangenen Jahren (seit Beginn des Manga-Booms) besser geworden sind? Oder bleibt sich das gleich?
Martina Peters: Ich kann keine allgemeine Prognose abgeben, sondern nur von mir selbst sprechen. Für mich sieht es so aus, als wenn es aufwärts ginge - aber das basiert auf vielen Jahren harter Arbeit und weniger Erträge. Zudem bin ich so erzogen worden, dass ich mit einem Minimum an Geld klar komme und glücklich bin.

animePRO: Kommen wir zu deinen Werken zurück. Dein Manga KAE wurde ja zunächst bei Fireangels veröffentlicht und nun in einer überarbeiteten Neuauflage bei Cursed Side. Gab es einen bestimmten Grund für den Verlagswechsel?
Martina Peters: Es gab zu Beginn von TEN persönliche Differenzen, woraufhin ich den Verlag wechselte.

animePRO: Eigentlich wolltest du KAE nicht weiterführen. Warum hast du es schließlich doch getan?
Martina Peters: Das ist richtig, ich hatte eigentlich gesagt, dass ich KAE nicht weiterführen würde und das meinte ich auch so. Zum Ende meiner Arbeit an Lilientod allerdings drängten sich mir die Charaktere, die mich so lange begleitet haben, wieder auf. Außerdem wurde mir immer klarer, dass zu viele Fragen in KAE nicht geklärt wurden durch den etwas hastigen Abschluss. So entstand erst der Wunsch und dann das feste Vorhaben, eine Fortsetzung zu zeichnen.

animePRO: Deine Manga spiegeln ja sehr schön deine zeichnerische Entwicklung wider. Im Fall von KAE und TEN kann man sehr schöne Vergleiche ziehen, da mehrere Jahre zwischen beiden Serien liegen, es sich aber dennoch um dieselben Charaktere handelt. Gefallen dir deine älteren Zeichnungen noch, wenn du sie dir heute ansiehst?
Martina Peters: Ja und nein. Einerseits sehe ich die Zeichnungen und denke mir „Wow... das... ist schlecht.“ und wundere mich, dass das überhaupt damals jemand gelesen hat. Aber schämen würde ich mich auf keinen Fall dafür, weil diese Zeichnungen einfach das Beste waren, was ich damals konnte. Und darum mag ich sie auch wieder, weil ich weiß, dass ich immer versucht habe mein Bestes zu geben. Und weil sie deutlich zeigen, wie sehr ich mich weiterentwickelt habe. Das macht mich schon ein bisschen stolz.



animePRO: Erfindest du die Geschichten alle selbst oder hast du ab und zu auch Co-Autoren?
Martina Peters: KAE habe ich gänzlich alleine ersonnen. Die Grundidee zu E-Motional stammt von Anne Delseit, die später auch für die Geschichte in Lilientod verantwortlich war. TEN ist dann wieder alleine auf meinem Mist gewachsen.

animePRO: Du bewegst dich vorwiegend im Boy‘s Love Sektor. Hast du vor, irgendwann mal mit einem anderen Genre fremdzugehen?
Martina Peters: So gesehen ist E-Motional schon kein Boy‘s Love Manga.
Meine bisherigen Arbeiten haben sich zwar im Boy‘s Love Genre angesiedelt, was so gesehen mein „Heim-Genre“ ist. Aber das heißt nicht, dass man nicht in naher Zukunft etwas anderes von mir erwarten kann.

animePRO: Wie lange zeichnest du im Schnitt an einem Manga-Band?
Martina Peters: Wenn nichts Gravierendes dazwischen kommt 7-9 Monate.

animePRO: Wann können wir denn mit dem zweiten Band von TEN rechnen?
Martina Peters: Der zweite Band TEN ist zur Connichi 2014 eingeplant.

animePRO: Und danach? Hast du schon Pläne oder neue Projekte?
Martina Peters: Ja, aber ich kann/darf zu diesem Zeitpunkt noch nichts dazu sagen.




animePRO: Dann bedanken wir uns für das Interview und wünschen dir für die Zukunft alles Gute. Und wenn ihr noch mehr über Martina und ihre Werke erfahren möchtet, besucht sie doch einfach auf Animexx, ihrer Homepage oder Facebook.
Autor:
Lektor: Johanna Hohner
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 05.09.2013
Bildcopyright: Martina Peters


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