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Und auch dieses Jahr hat unsere Redaktion keine Mühen gescheut, euch ihre Highlights des ausklingenden Jahres 2018 zu präsentieren und damit dem einen oder anderen vielleicht einen Denkanstoß zu geben, was er seinen Liebsten zu Weihnachten unter den Baum legen könnte...!

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DIR EN GREY in Bochum 2011

 
Zu Recht war dieser Act schon Wochen vorher komplett ausverkauft: Dir en grey ließen die Menge völlig ausrasten! Wilder hätte es am 13. August 2011 in der Zeche Bochum kaum zugehen können. animePRO war live dabei und berichtet von der „PARADOX OF RETALIATION“-Tour.
Als ich mich gegen 16 Uhr auf zur Zeche in Bochum machte, ahnte ich kaum, welch aufgeregte Menschenmasse mich schon bald vor der Halle erwarten würde.
Zwar war der Bus, der mich zur Konzerthalle bringen sollte, schon brechend voll gewesen – doch das war nichts im Vergleich zu der enormen Schlange, die ich kurze Zeit später vor der Halle erblicken sollte. Dir en grey-Fans aller Altersstufen waren aus ganz Deutschland angereist, um ihre Lieblinge an diesem verregneten Abend live in Bochum zu erleben. Einige von ihnen kampierten schon seit mehreren Tagen vor Ort, andere hatten sich zuvor eines der begehrten VIP-Tickets zugelegt und konnten sich so ganz vorne in der Schlange einreihen – ein großer Vorteil, denn die Show war komplett ausverkauft.
Mit fortschreitender Uhrzeit nahmen der Regen, aber auch die Stimmung gehörig zu. Selten habe ich vor einem anderen Konzert eine so hitzige und gespannte Atmosphäre erlebt wie an jenem Abend, doch die Stimmung sollte später natürlich noch weiter steigen!
So betraten die Fans mit VIP-Tickets für ihr „Meet & Greet“ mit Dir en grey gegen 17:30 Uhr die Zeche, der Rest hingegen musste sich noch etwas länger in Geduld üben. Leider wurde der Einlass dadurch verzögert, dass gleich zu Beginn ein reges Drängeln herrschte und es doch recht ungemütlich wurde. Sogar die Security konnte bei diesem Anblick nur noch den Kopf schütteln und überlegte zeitweise sogar, den Einlass vorerst wieder abzubrechen.

In der Zeche selbst stimmte schließlich der spärlich beleuchtete Gang zur kleinen Konzerthalle hin perfekt auf das abendliche Programm ein. Auch hatte man hier die Gelegenheit, sich vorab mit Merchandise jeglicher Art einzudecken, vor allem die große Auswahl an Tourshirts war beeindruckend. Doch nur die Wenigsten machten hiervon Gebrauch. Nahezu jeder, der die zweistöckige Halle betrat, stürmte umgehend in eine der ersten Reihen im unteren Teil des Raumes oder nahm die Treppe nach oben, um einen guten Blick auf die blau beleuchtete Bühne haben zu können. So füllten sich auch die restlichen Ränge rasend schnell.

Gegen 19 Uhr sollte das Konzert offiziell beginnen, doch die Gruppe ließ noch eine weitere halbe Stunde auf sich warten. In dieser Zeit wurde lautstark nach der Band gerufen, aber auch der erste Besucher musste schon frühzeitig von den Sanitätern betreut werden.
Endlich, um 19.30 Uhr, wurden die Scheinwerfer ausgeschaltet und läuteten den Beginn der Show ein. Die fünf Japaner betraten in gleißendem Scheinwerferlicht einer nach dem anderen die Bühne: Den Anfang machte Gitarrist Kaoru, danach folgten Drummer Shinya, Bassist Toshiya und Gitarrist Die. Haben die Fans schon hier begeistert nach den Musikern gerufen, wurde die Masse noch euphorischer, als Sänger Kyo die Bühne betrat. Die Fans kannten kein Halten mehr, als der Frontmann Dir en greys mit seiner Performance zu „Hageshisa to, kono mune no naka de karamitsuita shakunetsu no yami“ begann.
Kyo nutzte die gesamte Bühne für seine Show, ging auf und ab und vertonte den starken, energiegeladenen Song nahezu perfekt. Hier kauerte er sich auf eine große Kiste, die am vorderen Bühnenrand platziert wurde, um seinen beeindruckenden Growls den Abend über auch gestisch gerecht zu werden – ganz im Sinne der Fans, die ohne dieses Hilfsmittel wohl nur wenig von seiner Show gesehen hätten.
Insgesamt schien der Song als Einleitung gut gewählt worden zu sein, denn gleich vom ersten Moment an konnte die Gruppe das Publikum zum Mitmachen anregen. Es wurde geheadbangt, getanzt und mitgesungen - keiner der Besucher stand still auf seinem Platz.
Mit den nächsten Songs, „Obscure“ und „Lotus“, ging es zwar düsterer, aber auch melodiöser weiter. Beide Songs weisen zwar eine starke Basslinie auf, dennoch war das Instrument übermäßig laut zu hören. Hiernach wurde dieser Fehler zwar behoben und man konnte nun sämtliche Instrumente sehr gut hören, doch die Stimme Kyos ging in den vorderen Reihen teilweise völlig unter - in den hinteren Rängen schien es dieses Problem nicht zu geben.
Schon nach diesen ersten drei Songs mussten weitere Fans aus dem Publikum gezogen werden, da es in der Halle stetig heißer und stickiger wurde. Bedauerlicherweise wurde auch nur wenig Wasser verteilt, sodass das Konzert zeitweise sehr an den Kräften zehrte. Dennoch ließen sich die meisten Besucher nichts von ihrer Erschöpfung anmerken und gaben sich weiterhin völlig der Musik hin. Auch die Gruppe bewies, dass sie ebenso energiegeladen wie ihr Publikum war. Jedes Bandmitglied begeisterte auf seine individuelle Art und Weise und war sichtlich bemüht, eine gute Show abzuliefern. Häufig sah man Toshiya das Publikum anlächeln und Die spielte auf betont coole Art und Weise, doch beide suchten immer wieder Kontakt zu ihren Fans, um die Stimmung noch weiter anzuheizen. Oftmals traten die Musiker hierfür sehr nah an den Bühnenrand und zeigten ihr Können mit ausladenden Gesten, was die lautstarken Rufe nach ihnen natürlich noch verstärkte.

Auch die folgenden Songs ließen keine Zeit für Verschnaufpausen, da die gesamte Setlist aus eher aggressiven und harten Stücken bestand. Mit dem Lied „"YOKUSOU NI DREAMBOX" ARUIWA SEIJUKU NO RINEN TO TSUMETAI AME“, das auf dem Album „Dum Spiro Spero" zu finden ist, wurde es immerhin gegen Ende des Stückes etwas ruhiger. Dies änderte sich jedoch schnell mit den folgenden Liedern, die für eine Menge Aufregung unter den Fans gesorgt haben: Die neueste Single der Gruppe, „Different Sense“, sowie „-karasu-“ wurden gespielt. Letztgenannter Song wurde in Bochum zum ersten Mal live außerhalb Japans gespielt – eine echte Premiere! Aber auch die folgenden Songs ließen keine Langeweile aufkommen und die Gruppe zeigte sich von ihrer besten Seite.
Schließlich war der erste Teil des Konzertes zu Ende. Sofort begannen die „Encore!“-Rufe der begeisterten Fans, die ihre Lieblinge noch lange nicht gehen lassen wollten. In den ersten Reihen fingen sogar einige Besucher an zu weinen.
Dann, nach wenigen Minuten, kehrte die Gruppe erneut zurück auf die Bühne. Wider Erwarten ertönten hier keine harten Metal-Klänge, sondern das sanfte Lied „Zakuro“ wurde angestimmt – für mich das Highlight des Abends. Mit beeindruckenden Soloparts der Gitarristen Kaoru und Die sowie Shinyas perfektem Timing an den Drums konnte eine sehr gefühlvolle Atmosphäre erschaffen werden. Aus dem Publikum drangen nur vereinzelte Rufe in Richtung Bühne, die aber völlig erloschen, als Kyo gegen Ende des Songs eine a capella-Einlage anstimmte. Darüber hinaus konnte der Sänger beweisen, dass er auch live in der Lage ist, seine Stimme wunderbar wandeln zu können und die verschiedensten Gefühle zu vermitteln, sei es während harter oder melancholischer Passagen. Zeitweise schien er so in das Singen vertieft zu sein, dass er das Publikum um sich herum gar nicht mehr richtig wahrzunehmen schien.
Vor dem letzten Stück, „Rasetsukoku“, wiederholte Sänger Kyo die allseits bekannte Phrase „Last Song!“ und forderte das Publikum somit indirekt auf, sich noch einmal völlig der Musik hinzugeben.

Nach diesem kraftvollen Song tobte das Publikum. Die Jubelrufe wollten einfach kein Ende nehmen, was die Band zum Anlass nahm, zahlreiche Gegenstände in die Menge zu werfen. Hat man sich während des Konzertes gewünscht, dass die beiden Gitarristen und Bassist Toshiya ab und zu die Seiten wechseln, geschah dies immerhin zum Schluss. Auch Shinya, den ich das Konzert über leider kaum gesehen habe, schien sichtlich Spaß mit den Fans zu haben. Zahlreiche Plektren und Drumsticks wechselten den Besitzer und die Gruppe verabschiedete sich ein letztes Mal von ihrem Publikum.
So endete das Konzert gegen 21:00 Uhr. Bereits kurze Zeit nach Ende des Auftrittes hatte sich eine große Traube um den Merchandisestand herum gebildet, einige Artikel waren sogar schon nach kurzer Zeit vergriffen. Dennoch schien ein jeder sehr zufrieden mit dem Abend gewesen zu sein und wird sicher noch lange an diesen unvergesslichen Auftritt zurückdenken!







Setlist:
1. Hageshisa to, kono mune no naka de karamitsuita shakunetsu no yami
2. Obscure
3. Lotus
4. Red Soil
5. Agitated Screams of Maggots
6. „Yokusou ni Dreambox“ Aruiwa seijuku no rinen to tsumetai ame
7. Different Sense
8. Decayed Crow
9. –karasu-
10. Tsumi to kisei
11. Inward Scream
12. Gaika, chinmoku ga nemuru koro
13. Reiketsu nariseba
14. Amon
15. –Zan-

Encore:
16. Zakuro
17. –Saku-
18. Rasetsukoku
Autor: /  rio
Lektor: Jennifer Brox
Grafiker: Rebecca Bertram /  Reh-Baecker
Datum d. Artikels: 28.08.2011
Bildcopyright: DIR EN GREY


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