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Wer sich früher in Japan für ein Tattoo entschieden hat, musste über ausreichend Geld, genügend Zeit und eine hohe Schmerzgrenze verfügen. Heute sind diese Punkte durch die elektrische Tätowierung in den Hintergrund gerückt. Dennoch schwören gegenwärtig ein paar der alten Tattoomeister nach wie vor auf die traditionelle Methode dieser individuellen Körperverzierung. | |||||||
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Das Wort „Tattoo“ stammt von dem tahitianischen Wort „tatau“ ab, mit welchem das Geräusch beschrieben wird, das entsteht, wenn mit einem kleinen Holzhammer Nadeln in die Haut geklopft werden. Denn das ist eine der traditionellen Methoden, jemanden zu tätowieren. | |||||||
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Allgemein wurden Tätowierungen von den Chinesen jedoch als etwas Negatives angesehen und als die japanische Politik sich im Laufe der Zeit zunehmend der chinesischen anpasste, wurde auch diese negative Wertung übernommen. Ungefähr vom 8. Jahrhundert bis in das 17. Jahrhundert hinein galten Tattoos als kriminelle Strafmarkierungen. Aber auch die Arbeiterschicht erhielt deutlich erkennbare Zeichen, damit sie von der übrigen Bevölkerung besser identifiziert werden konnte. Erst im Laufe des 17. Jahrhunderts kam die Mode auf, großflächige Motive (wieder) als Körperschmuck zu tragen. Viele Kriminelle zogen daraus ihren Nutzen und überdeckten ihre einstigen Markierungen mit größeren, prachtvollen Motiven. Aber wie genau kam das Tattoo nun auf den Körper? Vor der Erfindung der ersten elektrischen Tätowiermaschine durch den Amerikaner O'Reilly im Jahre 1891, die später auch in Japan für Beliebtheit sorgen sollte, wurde eine sehr schmerzhafte und zeitintensive Methode durchgeführt, die sich „Tebori“ nennt: Zuerst wurden die Konturen mit Tinte freihand auf die zu tätowierende Körperpartie aufgezeichnet. Dann kam ein Werkzeug zum Einsatz, das auf den ersten Blick einem Stock glich und oft aus Bambusholz geschnitzt wurde. An einem Ende wurden Metallnadeln mit Hilfe von Seidenfäden festgebunden. Je nach Motiv und persönlicher Arbeitstechnik des Künstlers kamen hierfür zwei bis zehn Nadeln zum Einsatz. Dieser Stock mit den Nadeln wurde in der rechten Hand gehalten, ein Schwamm mit Tinte zwischen Ring- und kleinem Finger der linken Hand geklemmt und die Nadeln wurden gegen den Schwamm „gebürstet“, um die Tinte aufzunehmen. Nun wurden die farbbefüllten Nadeln gleichmäßig auf den vorgezeichneten Linien in die Haut gestochen. Für die individuellen Schattierungen eines Motivs gab es verschiedene Methoden. Eine davon war, die Nadeln konstant und unspektakulär immer wieder in die Haut zu stechen. Diese simple Technik konnte jedoch keine gleichmäßige Tiefe der Einstiche garantieren. Für einen Stufeneffekt der Schattierung wurde daher bevorzugt eine Methode angewandt, mit der man die Nadeln in einem bestimmten Winkel und sprungartigen Bewegungen in die Haut stach. Dies erlaubte dem Künstler auch eine bessere Kontrolle über die Tiefe der Stiche. | |||||||
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Von gelernten Meistern wird Tebori auch heute noch angewendet und die Werkzeuge haben sich nur geringfügig verändert: Die Outlines werden inzwischen meist mit einem Filzstift anstatt mit Tinte vorgezeichnet, der Seidenfaden zum Befestigen der Nadeln wurde durch Metallclips ersetzt (was das Reinigen und desinfizieren der Nadeln wesentlich erleichtert) und dem Schwamm ist eine kleine Palette mit Vertiefungen für die jeweiligen Farben gewichen. Doch bis diese Art des Tätowierens von einem Künstler überhaupt angewendet werden konnte, war es für ihn ein langer Weg. Der Schüler lebte in dieser Zeit oft im selben Haus wie sein Meister und war für den Haushalt (mit-)verantwortlich. Auch musste er die Werkzeuge selbst fertigen und um ein Gefühl für seine Arbeit zu bekommen, nahm er seine ersten Tätowierübungen am eigenen Körper vor. Solch eine Ausbildung dauerte in der Regel fünf Jahre. Danach arbeitete der Schüler selbstständig, gab seinem Meister jedoch ein Jahr lang sein eigens verdientes Geld. Dieser Service nennt sich „Oreiboko“ und soll die Dankbarkeit des Schülers dem Meister gegenüber symbolisieren. Früher arbeiteten die Tattoomeister, die den Titel „Horishi“ tragen, von zu Hause aus. Sie waren in keinem Telefonverzeichnis gelistet und hängten auch keinerlei Schilder oder sonstiges Werbematerial an ihrem Haus auf. Generell hielten sie sich mit ihrer Arbeit sehr bedeckt und die Kunden erfuhren nur durch Mundpropaganda, wo ein Horishi aufzufinden war. Dieses „stille Arbeiten“ hing zum Teil mit den zeitweiligen Verboten zusammen, die die japanische Regierung in der Vergangenheit gegenüber Tätowierungen ausgesprochen hatte. Aber selbst heute noch haben ein paar der alten Meister diese Art des Arbeitens beibehalten. | |||||||
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Jeder Horishi hat seinen eigenen „Künstlernamen“: Dieser setzt sich zusammen aus der Silbe „horu“ (was soviel bedeutet wie „eingravieren“ oder „einritzen“) und einem Teil des Namens des Meisters, bei dem das Handwerk erlernt wurde oder alternativ einem Teil des eigenen Namens. Einige Beispiele für solche Künstlernamen sind Horishi, Horibun, Horihide oder Horiichi. In manchen Fällen wird der Name des Meisters an seinen Schüler unverändert, aber mit dem Zusatz einer Ziffer weitergegeben. Ein gutes Beispiel hierfür ist Horiyoshi III: Sein Meister, Horiyoshi II, hatte keinen leiblichen Sohn, der seine Arbeit und seinen Titel hätte übernehmen und weiterführen können. Somit wurde aus seinem Schüler Horiyoshi III. Auch wenn die elektrische Tätowiermaschine längst Einzug gehalten hat, gibt es noch immer ein paar Künstler, die auf die alte Methode schwören und diese stolz aufrecht erhalten. In Anbetracht der stetigen Zunahme am Interesse westlicher Tattoos und der schmerz-, kosten- und zeitsparenderen Variante des elektrischen Tätowierens stellt sich jedoch die Frage, wie lange Tebori zukünftig noch anzutreffen sein wird. Weiter geht es mit Teil 2. | |||||||
Lektor: Jennifer Brox /
Grafiker: Julia Kefenhörster
Bildcopyright: Wikimedia Commons, Horace Bristol, James Then






















