Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Wir haben uns Halloween zum Anlass genommen, euch auf ein paar dämonische Wesen, die in Japan ihr Unwesen treiben, aufmerksam zu machen. Wie ihr ein Aufeinandertreffen vermeidet und was ihr im Fall der Fälle tun könnt, erfahrt ihr in unserem Special!

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Die Ermordung des Commendatore Band I
 

„Die Welt ist Vorstellung, das ist die Wahrheit. Vorstellung ist Wahrheit und Wahrheit ist Vorstellung“, behauptet eine Idee in Haruki Murakamis neuem Roman „Die Ermordung des Commendatore“. Und das verrät: Wirklichkeit und Unwirklichkeit verschwimmen einmal mehr in Murakamis Welt.
Inhalt Ein Portraitmaler mit Schwesterkomplex, ein einsames Haus in den Bergen, ein seltsamer Nachbar und eine Idee, die sich gestalthaft in der fiktionalen Wirklichkeit manifestiert – alles Zutaten in Haruki Murakamis neuem Roman „Die Ermordung des Commendatore“. Eine eigenwillige Mischung, typisch für den japanischen Autor und Exportschlager. Murakami kehrt zurück zur Ich-Erzählperspektive, die über die Hälfte seiner Werke prägt, die – davon vor allem seine früheren Werke – von einer eigenartigen, nicht greifbaren Magie umgeben sind. Eines sei bereits vorweggenommen: Die lang vermissten magischen Funken schimmern wieder zwischen den Buchstaben hindurch.

Protagonist des Romans ist ein namenloser 37-jähriger Japaner, der sich als Portraitmaler seinen Unterhalt verdient und dessen Leben aus den Fugen gerät, als seine Frau sich von ihm trennt. In seinem Peugeot macht er sich kurzerhand auf den Weg raus aus Tokio und fährt ziellos durch das Land, bis er ein neues, vorübergehendes Heim im Haus des berühmten Malers Tomohiko Amada findet, der aufgrund einer Demenz in ein Pflegeheim gezogen ist. Von da an nehmen die seltsamen Ereignisse ihren Lauf, die sich wie selbstverständlich in das Leben des Malers fügen, während er versucht, zu sich und einem eigenen Malstil zu finden und nebenbei den Tod seiner Schwester vor über zwanzig Jahren und die Trennung seiner Frau zu verarbeiten. Den Anfang dieser Ereignisse markiert der Fund eines unveröffentlichten Kunstwerks von Tomohiko Amada in seinem Haus, darauf folgt der undurchschaubare Nachbar Menshiki, der ein Portrait von sich erbittet und dies für eine horrende Summe. Dabei macht er kein Geheimnis daraus, dass er schon viel Eigenartiges erlebt habe und beschwört es damit beinahe herauf, denn Eigenartiges geschieht kurz darauf auch bei dem namenlosen Protagonisten: Mitten in der Nacht und immer zur selben Zeit erklingen Glöckchen, die ihn nicht mehr schlafen lassen. Eine Grube an einem Schrein wird darum ausgehoben und eine Idee manifestiert sich in Form einer Figur aus dem von Tomohiko Amadas unveröffentlichtem Kunstwerk, das wie eine Metapher etwas ganz anderes erzählt als es abbildet.

Die Grube erinnert an den tiefen Brunnen aus „Mr. Aufziehvogel“ und mutet ebenso mysteriös und bedrohlich an. All diese Seltsamkeiten – allen voran das unheimliche Läuten der Glöckchen in der dunklen Stille der Berge – durchströmt die Lust, das Gesicht des Unbekannten enthüllen zu wollen, und eben hier wird Murakamis Magie wieder spürbar. Leider kommen genau solche Momente zu kurz. Man möchte die Zusammenhänge ergründen, man ist neugierig, wie es weitergehen wird – doch diese Spannung wird getrübt durch häufige inhaltliche Wiederholungen, die ideenlos die Seiten füllen sowie durch belehrende Dialoge, die einem Wikipedia-Artikel entnommen sein könnten. Wenn eine dieser Wiederholungen in einem dieser Dialoge dann noch darin gipfelt, dass der Ich-Erzähler selbst nicht mehr weiß, was er weiß, dann schmälert das den Lesegenuss.
Die Ermordung des Commendatore Band 1: Eine Idee erscheint
 
Autor:Haruki Murakami
Seiten:480
Verlag:Dumont Buchverlag
Erschienen:25.01.2018
ISBN:9783832198916
Preis:26,00 €
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Genre:Belletristik
Ursprungsland:Japan
Originaltitel:Kishidancho Goroshi. Killing Commendatore
Originalverlag:Shinchosha
Erstveröffentlichung:2017

Fazit Murakami-Fans sollten sich „Die Ermordung des Commendatore“ dennoch nicht entgehen lassen, denn man fühlt den bekannten Murakami-Zauber und möchte in dem Haus in den Bergen, in Murakamis fiktionaler und entschleunigter Realität gerne verweilen. Das Buch bildet, so scheint es, den Unterbau, das Fundament für die weiteren Geschehnisse in Band 2, der für Mitte April dieses Jahres angekündigt ist. So lange heißt es: Fortsetzung folgt …
Autor: /  Yanis
Lektor: Roberto Czumbil /  RobbPlus
Datum d. Artikels: 16.04.2018
Bildcopyright: DuMont Buchverlag


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