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Und auch dieses Jahr hat unsere Redaktion keine Mühen gescheut, euch ihre Highlights des ausklingenden Jahres 2018 zu präsentieren und damit dem einen oder anderen vielleicht einen Denkanstoß zu geben, was er seinen Liebsten zu Weihnachten unter den Baum legen könnte...!

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Musicals in Japan: Bekannte Geschichten und Gesichter

 
Wer an Musicals denkt, dem fallen üblicherweise große Produktionen ein, wie „Der König der Löwen“ in Hamburg, oder „Das Phantom der Oper“ auf dem Broadway. Dass Japan jedoch auch durchaus in der weltweiten Musical- Szene mitreden kann, wissen nur die Wenigsten.
Was haben Musicals wie „Der Tanz der Vampire“ und „Elisabeth“ gemeinsam? Eine packende Handlung, erstklassige Musikstücke und dass beide auch schon in Japan eine Premiere feiern durften. Von solchen europäischen Stücken über „Bleach“ und „HunterXHunter“ bis hin zur traditionellen „Takarazuka- Revue“: Die Welt der Musicals in Japan bietet alles was das Herz begehrt und noch sehr viel mehr!

Die ersten Musicals wurden in Japan wohl seit dem Jahre 1913 aufgeführt - als Ichizo Kobayashi, Politiker und Präsident von „Hankyu Railways“, die Takarazuka Revue ins Leben rief. Hierbei handelt es sich um mehrere Gruppen von Darstellerinnen, welche nicht nur Musicals aus dem europäischen Raum, wie „Elisabeth“, „Kiss Me Kate“ und „West Side Story“ inszenieren. Auch einige Werke von Shakespeare, darunter „Romeo und Julia“ und „Hamlet“, sowie verschiedene Romane, Filme und Operetten gehören zum Repertoire der Darstellerinnen. Diese werden zudem – je nach Talent – in eine der insgesamt fünf Gruppen der Takarazuka Revue eingeteilt. Unterschieden wird hierbei zwischen der Blumengruppe (Hanagumi), der Mondgruppe (Tsukigumi), der Schneegruppe (Yukigumi), der Sternengruppe (Hoshigumi) und der Kosmosgruppe (Soragumi). Letztere kam übrigens erst im Jahre 1998 hinzu und vereinte die großen Stars der anderen vier Gruppen.

Erwähnenswert ist außerdem, dass alle Rollen – sowohl männliche als auch weibliche – von den weiblichen Schauspielern des Theaters gespielt werden. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit, als es weiblichen und männlichen Darstellern noch verboten war, in Japan gemeinsam auf der Bühne zu stehen. So wurde die Takarazuka Revue gegründet, um diesem Verbot aus dem Weg zu gehen und gleichzeitig eine breite Masse zu unterhalten: Circa neunzig Prozent der zahlreichen Zuschauer, welche jährlich in das Theater in Takarazuka strömen, sind dabei weiblich. Seit Beginn der Vorstellungen zu Anfang des 20. Jahrhunderts, gründeten sich auf Grund der großen Beliebtheit zudem nicht wenige Fanclubs mit hauptsächlich weiblichen Mitgliedern. Doch auch dieser Umstand war in der japanischen Gesellschaft schnell verpönt, da sie eine homosexuelle Ausrichtung der Darstellerinnen und ihrer Fans fürchtete. War es in den Anfangsjahren der Takarazuka Revue den Darstellerinnen noch erlaubt, sich mit weiblichen Verehrerinnen zu treffen, wurde ihnen dieser Umgang nach einem Zwischenfall untersagt.

In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, genauer gesagt ab dem Jahr 1946, gab es sogar eine männliche Gruppe von Darstellern, die in der Takarazuka Revue mitwirkten. Jedoch dauerte es nicht lange, bis die Darstellerinnen ihre männlichen Gegenparts ablehnten und so wurde die Abteilung im Jahre 1954 wieder geschlossen. Doch auch ohne ihre männlichen Kollegen schafften es die Darstellerinnen, eine breite Masse an Fans zu gewinnen und zu begeistern. Und auch nach ihrer Zeit in der Takarazuka Revue schafften einige Darstellerinnen es, ihre Fans weiter zu begeistern. Darunter sind unter anderem Fubuki Takane und Yuki Amami, wobei letztere als Schauspielerin zahlreiche Auszeichnungen erhielt. So bekam sie beispielsweise zweimal den „Television Drama Academy Award“ als „Beste weibliche Schauspielerin“.

Doch nicht nur auf die japanische Gesellschaft hatte die Takarazuka Revue großen Einfluss, auch die Anime- und Manga-Szene wurde wesentlich durch das bekannte Theater beeinflusst. So zeichnete, der als „Gott des Manga“ bekannte, Osamu Tezuka, den ersten Manga, welcher sich an eine weibliche Zielgruppe richtete: „Princess Knight“. Aufgewachsen war Tezuka in Takarazuka bei seiner Mutter, welche viele der Theater- Darstellerinnen kannte. Auch der „Zuka-Club“ in der Anime- und Manga-Serie „Ouran High School Host Club“ hat die Takarazuka Revue zum Vorbild.





Doch wer nun glaubt, dass ein gutes Musical nur in der Hyôgo Präfektur in Takarazuka zu finden ist, der irrt sich gewaltig. „Der Tanz der Vampire“, ein Musical von Jim Steinman und Michael Kunze, welches auf dem gleichnamigen Roman von Roman Polanski basiert, wurde am 7 Juli 2006 im Tokioter „Imperial Theater“ aufgeführt. Ebenso entstanden mehrere Musicals aus zahlreichen bekannten Anime-Serien. Darunter ist beispielsweise die Anime-Serie „Sailor Moon“ der Mangaka Naoko Takeuchi, zu der in den Jahren 1993 bis 2005 insgesamt 26 Musicals produziert wurden. Nennenswert sind hierbei die drei vom Manga unabhängigen Werke: Zum einen „Last Dracul“, ein Vampirstück in drei Teilen, dann „Kaguya Shima Densetsu“, in welchem die Sailor-Kriegerinnen sich auf einer einsamen Insel wiederfinden, und „Shin Kaguya Shima Densetsu“. Zu diesen zahlreichen Musicals ist in Japan außerdem sehr viel Merchandise, wie DVDs, CDs und Videos, erhältlich.

Auch zur bekannten Serie „Hunter X Hunter“ von Yoshihiro Togashi wurden drei eigenständige Musicals kreiert, welche sich größtenteils an der Handlung des Manga orientieren. Auch sie kamen in Japan durchaus gut an. Weitere nennenswerte Anime- Serien, zu denen Musicals komponiert wurden, wären beispielsweise „Bleach“ von Tite Kubo und „Die Rosen von Versailles“ von Riyoko Ikeda. Das Musical zu letzterer Serie wurde ebenfalls von der Takarazuka Revue aufgeführt, zum ersten Mal im Jahre 1974, zuletzt 2006 mit Asami Hikaru als Oscar. Das Titellied „Ai Areba Koso“ gilt noch heute als großer Hit und das Musical zu „Die Rosen von Versailles“ wird noch immer als das populärste Stück der Takarazuka Revue angesehen.

Zahlreiche der oben genannten Musicals, zum Beispiel die zu der Anime-Serie „Hunter X Hunter“ sind auf der Internetseite „YouTube“ zu finden, teilweise mit englischem Untertitel. Einige Musicals sind ebenfalls käuflich zu erwerben, beispielsweise das „Rock Musical Bleach“ und das Musical „The Prince Of Tennis“, welche im Internet bestellt werden können. Jedoch sind diese vom Preis her sehr kostspielig und sehr viele japanische Musicals sind in Deutschland überhaupt nicht zu erwerben.




 
Letztendlich bleibt nur zu sagen: Japan ist nicht nur das Land der aufgehenden Sonne, sondern scheinbar auch ein Land der erfolgreichen Musicals, welches sich vor anderen Ländern sicherlich nicht zu verstecken braucht.
Autor: Jennifer Baronick /  Yuyuchiable
Lektor: Michael Leible /  -Camui-
Grafiker: Nathalie Schöps /  Trollosaurus
Datum d. Artikels: 25.11.2010
Bildcopyright: wikipedia


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