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Wir haben uns Halloween zum Anlass genommen, euch auf ein paar dämonische Wesen, die in Japan ihr Unwesen treiben, aufmerksam zu machen. Wie ihr ein Aufeinandertreffen vermeidet und was ihr im Fall der Fälle tun könnt, erfahrt ihr in unserem Special!

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Vaterschaft in Japan - ein schwieriges Thema

Quelle: deccanchronicle.com
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In einem Land wie Japan, wo die Leistungsbereitschaft an allererster Stelle steht, kommen zwischenmenschliche Beziehungen schnell zu kurz. Diese Erfahrung musste kürzlich auch ein in Japan lebender Kanadier machen: Glen Wood, 48 und seit 30 Jahren in Japan lebend, arbeitete bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley, als er im Begriff war, Vater zu werden. Wood bat seinen Vorgesetzten um Vaterschaftsurlaub von drei bis vier Wochen, nachdem sein Sohn sechs Wochen zu früh auf die Welt kam. Sein Vorgesetzter kam dieser Bitte nur äußerst widerwillig nach.

Durch die verfrühte Geburt und anfänglichen gesundheitlichen Problemen des Kindes, nahm sich Wood eine Auszeit von insgesamt fünf Monaten (gesetzlich erlaubt sind bis zu zwölf Monate). Im März 2016 wollte er seine Arbeit wieder aufnehmen. Doch das war der Beginn einer haarsträubenden Schikane.

Wood wurde dafür beschimpft, nicht an Meetings teilgenommen zu haben – zu denen er gar nicht eingeladen war. Seine Arbeitsaufgaben wurden gegen seinen Willen geändert. Er wurde dazu aufgefordert, einen DNA-Test machen zu lassen, um zu beweisen, dass er tatsächlich der leibliche Vater des Kindes ist. Und Wood kam dem nach. Doch als sei dies noch nicht genug, wurde er drei Mal dazu aufgefordert, sich psychatrischen Tests zu unterziehen, die von zwei firmeneigenen Ärzten vollzogen wurden. Diese attestierten ihm einen einwandfreien Gesundheitszustand und die Bewilligung, seinen Job weiter auszuführen.

Schließlich wurde es Glen Wood zu viel und im Februar diesen Jahres verklagte er seinen Arbeitgeber, verlangte seinen alten Job zurück sowie Rückzahlungen inklusive Sondervergütungen. Die Dauer für solch eine Einigung wird mit etwa einem Jahr berechnet.

Generell sind nur wenig Japaner dazu bereit, einen Rechtsstreit wegen Elternschaft zu begehen. Die Bürde, als „Ärgernis“ der sonst so harmoniebemühten Gesellschaft zu gelten, ist vielen zu hoch. Das macht Woods Fall so herausstechend.

Zwar spricht die Politik – nicht zuletzt Premierminister Shinzo Abe – seit einigen Jahren davon, Familien mehr zu unterstützen. Doch zwischen Theorie und Praxis liegen haushohe Unterschiede. Woods Anwalt Yoshitatsu Imaizumi sagt dazu: „Das Gesetz garantiert zwar das Recht [der Elternschaft], doch der Denkansatz, der dominiert, ist, dass Männer einfach arbeiten sollen. Diese veraltete Denkweise ist tief verwurzelt.“

Kaori Sasaki, Geschäftsführerin von ewoman Inc., einer Firma die in Geschlechtsdiversitäten berät, äußerte sich zu diesem Fall folgendermaßen: „Positiv betrachtet kann man sagen, die Dinge sind heute besser als vor 30 Jahren. Negativ betrachtet kommt man zu dem Schluss, dass sich eigentlich kaum etwas geändert hat. Die Differenz ist geringfügig.“

So werden Frauen auch heute noch dazu gedrängt, ihren Job vollständig aufzugeben, sobald sie schwanger werden. Väter, die die Elternschaft in Anspruch nehmen, gibt es nur vereinzelt.

Japan befindet sich nicht umsonst auf Platz 114 von insgesamt 144 des Weltwirtschaftsforums im Bezug auf Geschlechtergleichstellung.

Autor: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 06.06.2018


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