Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Es ist schon zur Tradition geworden, euch in der Vorweihnachtszeit ein paar Anregungen zwecks Geschenkideen zu machen. Und so hat unsere Redaktion auch diesmal wieder die Veröffentlichungen des langsam ausklingenden Jahres Revue passieren lassen und präsentiert euch hiermit schenkwürdige Titel...!

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Interview mit Claudia Zaltenbach

 
Während der Frankfurter Buchmesse 2017 haben wir die Autorin und Foodbloggerin Claudia Zaltenbach interviewt. Im September diesen Jahres veröffentlichte sie das Buch „Miso: Rezepte - Kultur – Menschen“ und in ihrem Blog entführt sie Leser in die weite Welt der Speisen.
animePRO: Stellen Sie sich bitte erstmal unseren Lesern vor.
Claudia Zaltenbach: Ich bin Claudia Zaltenbach, ich lebe in München, bin gebürtige Baden-Badenerin und schreibe seit 2010 einen kulinarischen Reiseblog, wo ich Rezepte aus der ganzen Welt vorstelle. Zu dem Thema Miso bin ich schon in den 80er-Jahren gekommen. Das habe ich in Amerika entdeckt und es hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Ich bin mehrmals dafür nach Japan und Korea zu den Produzenten gereist und jetzt habe ich mein Buch darüber veröffentlicht.

animePRO: Wie würden Sie den Umami-Geschmack von Miso beschreiben, der im Westen weniger geläufig ist?
Claudia Zaltenbach: Umami zu beschreiben ist sehr schwierig. Man kann die Frage so stellen: Wie würde man den Geschmack von Parmesankäse beschreiben? Wie würde man den Geschmack von reifen Tomaten beschreiben? Wie würde man den Geschmack von Fleisch beschreiben? Eben herzhaft, würzig, fleischig. Jeder von uns kennt es, es ist nicht unbekannt. Umami ist Glutaminsäure und ist bereits in der Muttermilch enthalten. Das einzige Lebewesen auf der Welt, das keine Umami-Rezeptoren hat, ist der Pandabär. Das ist die einzige Kreatur, die nichts mit Umami anfangen kann.

animePRO: Im westlichen Sprachgebrauch war Umami bis vor wenigen Jahren recht unbekannt.
Claudia Zaltenbach: Man hat damals eher von salzig gesprochen – salzig, lecker, herzhaft. Unser Körper erzählt uns immer, wenn wir etwas schmecken, was er damit verbindet. Bei Süßem zum Beispiel denken wir sofort „Boah, Zucker, schnelle Kohlenhydrate, perfekt.“. Bei etwas Saurem sind wir schon bei „Oh, könnte unreif sein“. Bitter ist bei uns schon wirklich wie eine Alarmsirene. Sobald es salzig wird, wissen wir „Oh, Proteine und Aminosäuren sind im Spiel.“. Deswegen mögen wir den Geschmack.

animePRO: Wie schwer ist es eigentlich, mit Miso zu kochen?
Claudia Zaltenbach: Es ist im Grunde genauso einfach wie mit Pesto, Parmesankäse oder Butter zu kochen. Was für die Franzosen die Butter ist, ist für die Asiaten das Miso. Genauso kann man fragen, wie schwer es ist, mit Butter zu kochen. Also, es ist eine echte Herausforderung. *lacht* Nein, natürlich nicht.

animePRO: Also ist es im Prinzip recht einfach?
Claudia Zaltenbach: Es ist sehr einfach, ja. Natürlich gibt es auch aufwändige Gerichte, das liegt aber am Gericht. Miso selbst ist wahnsinnig flexibel und schmiegt sich irgendwie an alles.

animePRO: Gibt es Kombinationen mit Miso, von denen Sie abraten und gibt es andererseits Kombinationen, die unerwartet gut schmecken?
Claudia Zaltenbach: Also Kombinationen, von denen ich abraten würde… Ich selbst habe noch keine Kombination gefunden. Ich kann da jetzt nur eine Sternenköchin, Tanja Grandits, zitieren, die auch ein Rezept zum Buch beigesteuert hat: Sie sagt, Miso mit Lavendel funktioniert ihrer Meinung nach nicht. Man muss erst mal darauf kommen, Miso mit Lavendel zu kombinieren, weil sie selbst sehr viel mit Blüten arbeitet, aber mir selbst war Miso nirgendwo zu viel oder hat mich gestört. Nein, nie.

animePRO: Was hat Sie bei Ihrer Reise nach Japan am meisten beeindruckt?
Claudia Zaltenbach: Was mich am meisten beeindruckt hat… Das ist tatsächlich so ein japanisches Prinzip. Diese Hingabe, etwas immer wieder über eine sehr lange Zeit hinweg zu tun, dieser Wunsch nach Perfektion, sie streben sehr oft nach dem Wunsch nach Veränderung und fokussieren sich auf eine Sache.

animePRO: In Ihrem Blog schreiben Sie, dass Sie gerne reisen. Gibt es noch einen Ort, an dem Sie noch nicht waren, aber gerne besuchen würden?
Claudia Zaltenbach: Ein Ort, an dem ich noch nicht war und wo ich unbedingt hin will – da gibt es so viele. Ich war noch nie in Australien, ich war noch nie in Singapur und in Singapur soll man auch gigantisch gut essen können. Dann will ich unbedingt nach Buenos Aires, nach Patagonien, nach Chile… Die Welt ist noch groß. Ich habe erst 44 Länder von, ich glaube, 198 besucht.

animePRO: Was ist für Sie das Wichtigste bei einem Essen?
Claudia Zaltenbach: Für mich ist die Herkunft sehr wichtig. Also, ich esse ja auch Fleisch und deshalb ist es mir wichtig zu wissen, woher ich das Fleisch beziehe. Genauso wichtig ist mir, woher ich mein Gemüse beziehe und ob es in der Zeit, also saisonal, ist. Ich muss im Winter keinen Spargel aus Peru haben... Das ist für mich wichtig.

animePRO: In Ihrem Blog schreiben Sie, dass Sie quasi immer Dinner um 20:00 Uhr haben. Ist das immer so?
Claudia Zaltenbach: *lacht* Heute gehe ich auch gerne mal ein bisschen früher essen, vor allen Dingen in den asiatischen Ländern, weil es dort immer so lange dauert - der vielen Gängen wegen.

animePRO: Was ist Ihr nächstes Projekt?
Claudia Zaltenbach: Ein Jahr lang hatte ich jetzt eher weniger Zeit, mich groß auf den Blog zu konzentrieren. Es wird neue Länder geben, es wird auch wieder neue Strecken auf dem Blog geben. Ich kann noch nicht genau sagen, was das nächste große Projekt sein wird. Dazu muss das Buch jetzt erst einmal ein bisschen verdaut werden. Es ist ja gerade erschienen und es gibt auch viele, die jetzt darüber etwas wissen wollen. Es ist noch ein bisschen „Misonierungsarbeit“. *lacht*

animePRO: Vielen Dank für das Interview.
Claudia Zaltenbach: Gerne.
Autor: /  RobbPlus
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 02.11.2017
Bildcopyright: Claudia Zaltenbach


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