Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Am 10. September ist "Welttag der Suizid-Prävention". Aus diesem Anlass veröffentlichte Egmont Manga jüngst den Einzelband "My broken Mariko" von Waka Hirako. Wir möchten euch dieses besondere Werk nicht vorenthalten und stellen es hiermit vor...!

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Dr. Joachim Kaps, Verlagsleiter von Tokyopop Deutschland

 
Seit Oktober 2004 hat Deutschland einen neuen Mangaverlag: Tokyopop hat sich jetzt auch in Deutschland niedergelassen. Der neue Verlagsleiter ist schon ein alter Hase im Manga-Buisness: Dr. Joachim Kaps war früher der Leiter des Comic-Bereiches von Carlsen. Im Interview mit AnimePRO verriet er so einiges über seinen Abgang von Carlsen, seine Pläne mit Tokyopop und deutsche Nachwuchs-Mangaka. Das Interview führte Evelyn Waclawiczek für AnimePRO.
animePRO: Danke, dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben, Herr Dr. Kaps! Könnten Sie sich bitte unseren Lesern einmal kurz vorstellen?
Joachim Kaps: Gern. Mein Name ist Joachim Kaps, Jahrgang 1964, ich habe lange Zeit den Comic-Bereich bei Carlsen geleitet und bin nun sehr froh und stolz, dass mir die Chance gegeben wurde, mit meinem Team TOKYOPOP Deutschland aufzubauen.

animePRO: Sie waren früher bei Carlsen. Wieso haben Sie Tokyopop Germany gegründet?
Joachim Kaps: Ich habe mich im vergangenen Jahr nach einem langen und teils schmerzvollen Prozess dazu entschlossen Carlsen den Rücken zu kehren, weil ich und die beiden Geschäftsführer bei Carlsen nicht mehr die gleichen Vorstellungen darüber hatten, wie man Manga in eine sichere Zukunft führt. Ich habe es vorgezogen zu gehen statt einen schleichenden Niedergang verantworten zu müssen, der auf einer meiner Meinung nach falschen strategischen Ausrichtung beruht.
Nachdem ich gegangen war, bin ich von verschiedenen ausländischen Verlagen angesprochen worden und haben mehrere Angebote bekommen, in Deutschland ein neues Label aufzubauen. Das von TOKYOPOP erschien mit am attraktivsten, und so habe ich zugeschlagen.

animePRO: Welche strategischen Fehler begeht denn in Ihren Augen Carlsen?
Joachim Kaps: Vor allem sieht man Carlsen als einen traditionellen Buchverlag an, der möglichst nichts produzieren sollte, was nicht aus Papier ist oder nicht ausschließlich über den Buchhandel vertrieben wird. So gab es immer wieder Diskussionen über den Fortbestand der beiden Magazine und die geplante Einführung eines DVD-Programms. Man kann meines Erachtens auf Dauer aber Manga nicht auf eine breitere Basis stellen, wenn man nicht medienübergreifend denkt.
Die großen Erfolge des japanischen Marktes sind ohne Ausnahme durch die Umsetzung starker Themen in allen erdenklichen Formen entstanden. Will man den hiesigen Markt wirklich auf eine neue Stufe stellen, so muss man daraus lernen. Die Leitung von Carlsen stellte aber selbst die bereits beschrittenen Wege (z.B. die beiden Magazine) immer wieder in Frage. So hat sich einfach immer mehr gezeigt, dass wir den weiteren Weg nicht werden zusammen gehen können. Dies hat vielleicht aber auch damit zu tun, dass sich die Geschäftsführung von Carlsen in all den Jahren kaum mit dem Manga-Programm beschäftigt hat und in ihrem Denken eben sehr stark vom Kinderbuch geprägt ist, wo man mit den klassischen Konzepten vielleicht wirklich besser fährt.

animePRO: Sie werden diese Fehler bei "Ihrem" Verlag vermutlich nicht begehen, da ja neben Mangas auch Manhwas und Anime publiziert werden. Wie schaut es aus mit Computergames und Soundtracks zu Anime? Ist da etwas geplant?
Joachim Kaps: Aktuell nicht. Entscheidend ist für mich auch gar nicht, dass man zwingend alles selbst macht, sondern dass man keine irrationale Angst vor anderen Medienbereichen hat. Ob man dann selbst produziert oder zum Teil auch als Vermittler von Themen aktiv wird, hängt von dem jeweiligen Fall ab. Auch Kooperationen mit anderen Firmen können durchaus Sinn machen.

animePRO: Apropos Kooperationen... sind Kooperationen mit der "Mutterfirma" von Tokyopop Deutschland, also mit Tokyopop Japan oder Tokyopop USA geplant?
Joachim Kaps: Ja, natürlich. Es wäre unsinnig, die phantastischen Strukturen dieser Firma nicht zu nutzen. Wir alle sehen es als ein großes Geschenk an, nun über drei Kontinente hinweg verknüpft zu sein und dadurch international arbeiten zu können, wo es Sinn macht. Zwei konkrete Beispiele: PRINCESS AI, eine 100%ige TOKYOPOP US-Entwicklung, ist für uns gerade einer unser ersten Erfolge.
Ein Beispiel aus dem Bereich der strukturellen Vernetzung: TOKYOPOP Deutschland wird ab 1. Januar die internationale Verwertung aller Themen übernehmen, gleich, ob sie in Japan, den USA oder Deutschland entstanden sind. Das eröffnet spannende Perspektiven, weil das deutsche Unternehmen dadurch eine sehr aktive Rolle im gesamten europäischen Markt spielen wird.

animePRO: Werden eventuell auch deutsche Produktionen bei Tokyopop Japan oder USA erscheinen?
Joachim Kaps: Ja, es ist z.B. jetzt schon sicher, dass YONEN BUZZ auch in den USA bei TOKYOPOP erscheinen wird.

animePRO: Warum nicht auch bei Tokyopop Japan?
Joachim Kaps: Das habe ich ja gar nicht gesagt. TOKYOPOP Japan bereitet sich nur gerade erst darauf vor, auch publizistisch tätig zu werden. Und da sich die Pläne noch in der Entwicklung befinden, ist es derzeit noch nicht endgültig entschieden.

animePRO: Tokyopop publiziert auch sehr viele Manhwa; "Demon Diary" war auf Platz 1 der deutschen Manga-Verkaufscharts.
Joachim Kaps: Offen gestanden: Dazu braucht es momentan gar nicht so viel. Meines Erachtens haben EMA und Planet Manga sich zu wenig um ihre bislang veröffentlichten Manhwa bemüht. Und das hat sich in einem eher schwachen Verkauf niedergeschlagen. Mit DEMON DIARY und I.N.V.U. sind wir gerade auf einem sehr guten Weg, der dazu beitragen kann, den Beweis anzutreten, dass Manhwa sich nicht hinter Manga verstecken müssen.
Ob Manga, Manhwa oder Comic: Am Ende zählt eben doch vor allem, ob eine interessante Geschichte erzählt und sie mit Liebe zu dem Titel vermarktet wird. Wir haben in Sachen Korea noch einiges in Planung! Und auch einen ganz neuen Markt werden wir bald eröffnen, der bislang in Europa und den Staaten noch keine Bedeutung spielt.

animePRO: Das klingt sehr interessant. Können Sie uns vielleicht ein wenig mehr über diesen "ganz neuen Markt" erzählen?
Joachim Kaps: Es geht um Taiwan. Wir haben da eine ausgesprochen großartige Zeichnerin entdeckt, die wir ab 2005 verlegen werden. Auf dieses Projekt freue ich mich sehr. Es zeigt, dass auch TOKYOPOP Deutschland neues für die Gruppe entdecken kann.

animePRO: Um welches Projekt handelt es sich genau? Und wann können wir damit rechnen?
Joachim Kaps: Noch genauer möchte ich an dieser Stelle nicht werden, aber man kann sich im dritten Programm auf diese Überraschung freuen.

animePRO: Super. Nach welchen Kriterien sucht Tokyopop eigentlich seine Anime, Manga und Manhwa aus?
Joachim Kaps: Puh, das ist eine ganz schwierige Frage. Es gibt unglaublich viele verschiedene Wege, wie ein Titel seinen Weg in das Programm finden kann. Für die Startphase der deutschen TOKYOPOP war es uns vor allem wichtig, dass wir von Anfang an zeigen, dass man im Manga-Markt noch unglaublich viele neue Wege gehen kann.
Das starke Manhwa-Aufgebot steht dafür ebenso wie unser Angebot für etwas ältere Leserinnen. Der Erfolg von Trampls Like Us und vor allem Perfect Girl zeigt, dass hier ein Publikum geradezu auf solche Titel gewartet hat, was uns natürlich enorm freut.

animePRO: Tokyopop wird ab Sommer 2005 auch Anime auf den Markt bringen. Können Sie uns vielleicht verraten, welche Anime neben den schon bekannt gegebenen noch geplant sind?
Joachim Kaps: Den Start bilden die bereits angekündigten Titel, also DEARS, PEACE MAKER und PETIT COSSETTE. Auf alle drei Projekte sind wir stolz, weil sie sehr frische Produktionen aus Japan sind. Diesen Weg werden wir weiterverfolgen.

animePRO: Tokyopop publiziert auch Manga von deutschen Nachwuchstalenten, das Sammelband „Mangafieber" ist geplant und Christina Plaka ist zu Tokyopop gewechselt. Wird es noch weitere Manga von deutschen Künstlern geben?
Joachim Kaps: Ja, wir haben bereits jetzt mit zweien der Talente aus MANGA FIEBER eine Fortsetzung der Zusammenarbeit vereinbart. Daneben sind einige umfangreichere Projekte in Vorbereitung, die wir vermutlich im nächsten Frühjahr ankündigen werden. Aktuell wird hier noch an den Konzepten gefeilt.
Eigenproduktionen werden ganz sicher einen wichtigen Bestandteil unserer Arbeit bilden. Mein Traum wäre, in fünf Jahren rund 20 % des Programms mit eigenen Autoren bestreiten zu können.

animePRO: 20%! Das ist ein großes Vorhaben. Sie suchen sicherlich immer wieder neue junge deutsche Künstler und viele Künstler suchen einen Verlag. Wie bewirbt man sich als deutscher Manga-ka richtig bei Tokyopop? Oder suchen Sie ihre Zeichner ausschließlich auf Wettbewerben, wie dem Comic in Leipzig Mangawettbewerb?
Joachim Kaps: Wir haben in Frankfurt eine Veranstaltung gemacht, in der wir versucht haben, dies zu erklären. In Leipzig werden wir die Präsentation wiederholen und bald auch auf unserer Homepage bereitstellen. Wichtig ist uns, dass die Zeichner uns von zwei Dingen überzeugen: Natürlich vor allem, dass sie in der Lage sind, einen echten Comic, Manga oder Manhwa umzusetzen, also mehr als "nur" einzelne Illustrationen beherrschen.
Zum anderen, dass sie wirklich den festen Willen haben, eine Karriere als Zeichner einzuschlagen. D.h. auch, dass sie ordentliche Mappen einsenden und auch dranbleiben, d.h. auf Rückfragen zügig antworten und Termine bei Tests einhalten. Alles andere sind dann eher technische Fragen. Wie gesagt: Bald mehr dazu auf http://www.tokyopop.de .

animePRO: Wollen Sie uns vielleicht noch ein paar Namen von deutschen Manga-ka nennen, mit denen Tokyopop weiterarbeiten möchte?
Joachim Kaps: Eigentlich nicht... Aber ich nenne zwei Namen, mit dem wir ganz sicher weitermachen: Anike Hage und Detta Zimmermann werden Serien für uns umsetzen. Ich halte die beiden für enorme Talente und bin sehr stolz, dass sie auch weiter mit uns arbeiten wollen.

animePRO: Sucht Tokyopop auch eigenständig nach deutschen Nachwuchsmanga-ka, z.B. im Internet?
Joachim Kaps: Ja, wir haben z.B. die gesamte Animexx-Datenbank von vorne nach hinten durchsucht. Das war ein ziemlicher Schlauch, aber mit ein wenig Glück haben wir da auch ein paar hoffnungsfrohe Talente entdeckt. In Leipzig werden wir uns an der Ausrichtung eines Doujinshi-Bereichs beteiligen, um die lokale Szene zu fördern. Auch an einen eigenen Zeichenwettbewerb ist gedacht...

animePRO: Könnte es sein, dass Tokyopop sogar in Zukunft Doujinshis publiziert?
Joachim Kaps: Wenn TOKYOPOP sie publizieren würde, wären es ja keine Doujinshis mehr...

animePRO: Nicht unbedingt, denn Doujinshi bedeutet im Grunde ja nur "von Fans gezeichnete Manga". Aber das ist wohl eher ein rechtliches Problem.
Joachim Kaps: In der Tat... Würden wir Doujinshi fördern, die existierende Serien kopieren, wären unsere japanischen Kollegen mit Recht nicht sehr erfreut darüber.

animePRO: Sie haben vorhin einen geplanten Zeichenwettbewerb erwähnt. Planen Sie sonst noch besondere Aktionen, z.B. auf Messen und Events?
Joachim Kaps: Wir machen generell gerne Rummel um unsere Themen - das hat mein Marketing-Team, das ja fast komplett von Carlsen zu TOKYOPOP gewechselt ist - auch früher schon mit sehr viel Elan und Liebe für die Themen gemacht. Firmen werden letztlich von den Menschen gestaltet, die in ihnen arbeiten. Wir setzen diesen Kurs also auch unter "neuer Flagge" fort.

animePRO: Welche gesetzten Ziele möchten Sie in den nächsten Jahren erreichen? Also welche Zukunftspläne haben Sie für Tokyopop?
Joachim Kaps: Wir alle möchten den Beweis antreten, dass das Konzept eines medienübergreifenden Manga-Verlages richtig ist und uns in unserem Markt ganz nach vorne führen wird. Wir wollen zeigen, dass Manga viel bunter sein kann als man es bislang auch nur gedacht hat. Und schließlich wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, den Markt weltweit internationaler zu machen, also von einer derzeit gegebenen Einbahnstraße von Asien nach Europa zu einem echten Austausch zu kommen. Nicht gerade bescheidene Ziele, ich weiß, aber in der Weihnachtszeit darf man sich ja auch mal was wünschen, oder...?

animePRO: Wir kommen langsam zum Ende des Interviews... verraten Sie uns noch Ihren Lieblingsmanga/-manhwa? Oder lesen Sie selbst wenig oder keine Manga?
Joachim Kaps: Ich lese sehr viele Manga und Manhwa. Mein neuester Liebling - nicht nur, weil wir ihn verlegen - ist BECK. Sehr witzig, wenn auch etwas abgedreht, finde ich die Sachen von DUO. Die beiden sind große Talente und es freut mich, dass EMA sich so für sie einsetzt.

animePRO: Um noch einmal kurz auf deutsche Nachwuchskünstler zurückzukommen: AnimePRO wird am 10. Januar 2005 wieder seine Dôjinshi- und Manga-Sektion eröffnen. Das ganze Projekt läuft unter der Domain http://www.manga-artists.de. Werden Sie oder ihre Kollegen auch mal bei uns vorbeischauen, wenn sie wieder auf der Suche nach deutschen Nachwuchskünstlern sind?
Joachim Kaps: Werden wir. Und ich lade euch und die drei besten euren Zeichner jetzt schon mal nach Hamburg zu einem Besuch ein, damit wir uns die Sachen zusammen ansehen und sie gemeinsam diskutieren können, wenn ihr mögt. Denn wir haben anscheinend die gleichen Ziele - etwas Gutes für die deutschen Zeichner zu tun. :-)

animePRO: Da sind wir uns wohl sehr einig und werden 100%ig darauf zurückkommen - denn genau das ist auch unser Ziel: deutsche, schweizer und österreichische Zeichner zu unterstützen, denn wir sind 100% davon überzeugt, dass deutsche Künstler genau soviel drauf haben wie asiatische.
Joachim Kaps: Prima! Ein gutes Schlusswort! Dann wende ich mich jetzt langsam mal wieder unserer Weihnachtsfeier zu. Nebenan wird schon kräftig angestoßen.


animePRO: Ich möchte mich hiermit herzlichst bei Ihnen für das Interview bedanken und viel Spaß beim Feiern! Schöne Weihnachten an Sie uns ihr Team!
Joachim Kaps: Ich habe zu danken - das Gespräch hat Spaß gemacht. Tschüss!
Autor:
Grafiker: Rebecca Bertram /  Reh-Baecker
Datum d. Artikels: 19.04.2004
Bildcopyright: Tokyopop


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