Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Die Vorfreude der Amuro-Fans ist groß: Endlich gibt es den gutaussehenden jungen Mann, der nicht nur ein Geheimnis verbirgt, in Großaufnahme auf den deutschen Kinoleinwänden zu sehen. Ob sich der Besuch im Kino lohnt, verraten wir euch hier, denn wir durften bereits im Vorfeld in die deutsche Version eintauchen.

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guiltpleasure Interview Teil 1

 
Im Anschluss an das Q&A Panel auf der Connichi hatten wir die Gelegenheit, ein Interview mit TogaQ und Kichiku Neko zu führen, umgeben von Anime und lautstarker Karaoke. Wir bitten um Entschuldigung, dass wir leider nicht mehr alles schriftlich festhalten konnten, da wir aufgrund der sehr lauten Umgebung bei der Niederschrift nicht alles verstehen konnten. 
animePRO: Warum habt ihr euch „guiltpleasure“ genannt?
TogaQ: Das beruht auf meinem Künstlernamen, Jo Chen. Das Zeichen für „Jo“ bedeutet „guilt“. Aber ich war auch fasziniert von Klang, Aussehen und der Bedeutung der Wörter. 
Ich habe meinen Künstlernamen ebenso benutzt, als ich meine Karriere in den USA gestartet habe. Außerdem hörte sich der asiatische Name relativ englisch an, also Jo. Als es dann zu unseren Projekten im BL-Genre kam, brauchte ich einen neuen Künstlernamen. Anstatt Chinesisch, habe ich nach einem japanischen gesucht. So kam es zu TogaQ. Im Endeffekt bedeutet es „Jo-Jo-„ – durch zwei verschiedene Aussprachen im Japanischen auch „guilt“. Dann kam Kichiku Neko an, dass unser Projekt noch einen Namen braucht, aber gab mir überhaupt keine Informationen, was sie sich vorstellte. Also nahm ich „guilt“.
Kichiku Neko: Wir wollten einen Teil ihrer Identität erhalten, deswegen haben wir ein bisschen gespielt mit guilt, guilty, „guilty pleasure“ ist so eine verbreitete Sache, wir haben nachgeguckt, aber das war schon vergeben. Also haben wir es auf „guiltpleasure“ reduziert. Es war zudem Teil des ersten Storyboards. Es macht Sinn, weil wir uns in gewisser Weise so fühlen, obwohl es ein bisschen seltsam klingt.
TogaQ: Wie eine Pornoseite *lach*. Aber wir machen schließlich auch Porn. *lach*


animePRO: Seht ihr einen Unterschied in der Umsetzung einer Story nur als Novel mit Illustrationen oder als Manga?
Kichiku Neko: Für mich ist der Prozess derselbe, weil der Manga aus einer Novel entsteht. Ich schreibe für TogaQ die Novel, aus der sie den Manga zeichnet. Es ist ihre Expertise, der Prozess macht für mich persönlich keinen Unterschied.
TogaQ: Du kannst in einer Novel in wenigen Sätzen beschreiben, was ich erst visualisieren muss. Der Autor kann aus der Sicht einer Person schreiben, was ich aber zum Beispiel in die dritte Person adaptieren und so herausfinden muss, was aus einer anderen Sicht heraus passiert. So etwas kannst du schließlich in einem Comic nicht die ganze Zeit tun, der Charakter kann dem Leser nicht die ganze Zeit sagen, was passiert. Ich zeichne einige Panels, die dieselbe Idee aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen. Auch das ist ein Teil des Spaßes und der Herausforderung, eine Novel in Mangaform umzusetzen.

animePRO: Wie entscheidet ihr, was eine Novel und was ein Manga wird?
Kichiku Neko: Das hat etwas mit Zeitproblemen zu tun. Wir sind gerade unter Vertrag für „In These Words“, also hat das Priorität. Das ist der Grund dafür, warum wir hin und wieder gern Projekte veröffentlichen wollen, aber keine Zeit dafür haben. Wir haben einen Zeitstrahl in dem steht, wann welches Kapitel raus muss. Wir reden also von Jahren der Hingabe für dieses Projekt und können nur ein Kapitel nach dem anderen machen. Aus dem Grund müssen wir Projekte, die wir gern als Manga umgesetzt hätten, als Novel herausbringen, weil es Zeit spart. Es ist leichter und schneller.

animePRO: Werdet ihr die Novels in Zukunft als Manga herausbringen oder sagt ihr euch, sie sind nun mal als Novels herausgebracht worden, dabei bleibt es auch?
Kichiku Neko: Wir haben hier und da Projekte geplant, die nichts mit der „In These Words“-Timeline zu tun haben. Wir brauchen das, um die Herausforderung und die Motivation zu erhalten, andere Manga mit verschiedenen Stimmungen und Atmosphären. Wir wollen jedes Jahr etwas machen, das nichts mit „In These Words“ zu tun hat. 
TogaQ: Der Manga ist gut und wir freuen uns natürlich, dass ihn alle mögen und er gut ankommt. Aber eine Novel ist zum Beispiel auch ein Versuch, ein bisschen den Markt zu erkunden und zu experimentieren. Sie geht schneller und da ist sie ein gutes Medium für. So hat „Father Figure“ viel weniger Zeit gebraucht als „In These Words“.

animePRO: Warum habt ihr entschieden, „In These Words“ mit einer Novel beginnen zu lassen?
TogaQ: Zeitprobleme.
Kichiku Neko: Wir haben das nach Kapitel drei geschrieben und dann hat uns Libre unter Vertrag genommen. Wir haben es eigentlich für Promotion geschrieben, es aber nie in Zeichnungen umgesetzt. Das kam erst später. Wegen der Zeit, in der diese Szene spielt, machte es nur Sinn, sie herauszunehmen und an den Anfang zu stellen. Es war nicht wirklich für die Timeline geschrieben worden, sondern nur für Promotion. Das war sehr experimentell, weil eigentlich „In These Words“ in Novelform veröffentlicht werden sollte, dann aber zum Manga umgeändert wurde. Es fügt auch keine wirklich neuen Informationen der Story hinzu, sodass wir es einfach in Novelform gelassen haben. 

animePRO: Aber ihr plant nicht, den zweiten Band ebenfalls mit einer Novel-Story beginnen zu lassen?
Kichiku Neko: Wir haben darüber diskutiert, aber es ist schwer zu entscheiden, ob es Sinn macht, entweder zu zeichnen, was Leute bereits gelesen haben oder etwas Neues. 
TogaQ: Es muss in die Storyline passen, um Sinn zu machen. 
Kichiku Neko: Und es ist eben oft ein Zeitproblem, einfach weiter zu machen oder wieder einen Part zu kreieren, der mitunter nichts Neues der Story hinzufügt und es als Promotion voranzustellen.

animePRO: Das letzte Prequel „One Of These Nights“ endet auch in Novelform. Waren es da auch Zeitprobleme?
Kichiku Neko: Wir wollten das eigentlich in Mangaform haben, aber hatten eine Deadline zur Comiket. Sie war noch mit dem Cover beschäftigt, also habe ich den Rest einfach nur geschrieben. Wir mussten uns dann entscheiden, ob wir den Lesern auf der Comiket den Doujinshi geben oder die Szenen fertig ausarbeiten, dann aber nicht rechtzeitig fertig werden. Manchmal ist es neben dem Zeitproblem auch eine finanzielle Entscheidung.


animePRO: Wie viel Mitspracherecht hat TogaQ bei den Storys?
Kichiku Neko: Wenn ich eine Story plane, dann diskutiere ich sie mit TogaQ.
TogaQ: Wenn sie die Story geschrieben hat, zeigt sie sie mir und fragt mich, wie ich mich dabei fühle, was ich sehr mag, was mir nicht gefällt. Manchmal erzählt sie mir dann, warum ein bestimmter Punkt wichtig ist und wir versuchen, einen Kompromiss zu finden.
Kichiku Neko: „The Bride“ war ein großer Kompromiss, das ist eine Novel, die wir Anfang des Jahres veröffentlicht haben. Die Originalstory hatte eigentlich nicht so sehr ein Twilight-Zone-Gefühl, aber sie wollte, dass ich das mache und dann kam noch diese Brüder-Sache der Story dazu, sodass der Fokus ein bisschen vom Opfer genommen wurde. Das war der Kompromiss, über den ich lange nachdachte. Für sie versuchte ich zu schreiben, was sie besonders mag. Aber das mit den Brüdern... Das war mehr „Augen zu und durch“.
TogaQ: Aber das ist doch der Punkt, der Geist der Story!
Kichiku Neko: Das war aber ursprünglich nicht die Intention der Story und damit war es ein Kompromiss. Nun ist es irgendwie eine andere Story, aber doch nicht ganz. Bei Kompromissen versuchen wir, beide irgendwie zufrieden zu stellen. Die Story kommt sehr „rein“ heraus und wir arbeiten dann gemeinsam dran und versuchen, keinen Mist zu bauen. Wir arbeiten im Team und werden als Team wahrgenommen sowie beurteilt. Ich mache sie gern glücklich - nur manchmal muss ich zurückstecken, um sie glücklich zu machen. *lach*

animePRO: Hast du jemals eine Story geschrieben, bei der sie sagte „Oh nein, die mag ich nicht?“
Kichiku Neko: Der erste Entwurf von „The Bride“ wollte sie nicht machen. Eines der Dinge, die sie nicht mag, ist Crossdressing. Das Opfer ist ein sehr hübscher Junge und trägt ein Hochzeitskleid, wofür es auch einen Grund gibt. Aber Crossdressing mag sie nicht und murrte die ganze Zeit rum, weil sie es nicht zeichnen wollte. Ich konnte sie dann überzeugen, es doch zu machen, weil ich auch manchmal Dinge schreiben muss, die mir nicht gefallen. Ich verstehe zum Beispiel dieses Inzest-Ding nicht. 
TogaQ: Es ist toll!
Kichiku Neko: Nein! Aber ich mach's trotzdem und kann ihr sagen: „So, dann musst du auch das zeichnen, was dir nicht gefällt!“ *lach* Wir haben überall Elemente, die einem von uns vielleicht nicht so gefallen, aber auf die wir uns einigen.
TogaQ: In „The Bride“ ist dieser unheimliche Faktor sehr hoch und als wir die Story produzierten, fragte ich mich, was ist der Punkt der Story, der die Leute ausflippen lassen würde. Ich habe verzweifelt nach etwas gesucht, was dieses bestimmte Gefühl erzeugt. 
Kichiku Neko: Das waren die Brüder.
TogaQ: Die Story hatte eine bestimmte Stimmung und genau die Inspiration gebracht, die ein Zeichner braucht, um die Leute in Ohnmacht fallen zu lassen, aber ihn selbst erfreut.


animePRO: Bekamt ihr jemals negative Reaktionen auf die Inzest-Sachen?
Kichiku Neko: Ehrlich gesagt, nein. Alle paar Wochen bekamen wir Mails, die von ihren Vater-Problemen erzählten oder dass sie von ihren Eltern verlassen wurden und welche Probleme das hervorbrachte. Einige erzählten uns auch, dass sie weinten, weil ihr eigener Vater sie verließ, als sie zwei waren. Aber das sind nicht wirklich negative Mails. Niemand erwähnt die Inzest-Sache, als wäre sie gar nicht da, obwohl "Father Figure" seit anderthalb Jahren raus ist. Vielleicht realisieren sie nicht wirklich, dass es sich um Vater und Sohn handelt.
TogaQ: Ich denke, der Hauptgrund dafür ist, weil er nicht von seinem Vater aufgezogen wurde. So kannst du dich viel besser davon distanzieren, wenn der Charakter erst eines Tages herausfindet, dass diese Person ihr Vater ist. Als wir an Father Figure arbeiteten, erinnerte ich mich an einen Artikel, den ich vor zehn Jahren gelesen hatte. Er handelte über eine Frau, die herausfand, dass ihr Ehemann eigentlich ihr Vater ist. Ich erinnere mich nicht mehr genau, was die Gründe waren, dass sie nicht wusste, wer ihr Vater war. Aber sie hatte seitdem gewisse Probleme und fühlte sich von älteren Männern angezogen. Sie hat diesen einen Mann getroffen, verliebte sich und kam mit ihm zusammen. Ich weiß nicht mehr die Details, aber irgendwann fand sie schließlich heraus, dass er ihr Vater war. Deinen Vater nicht zu kennen, gibt dir das Gefühl, dass es sich bei ihm einfach nur um einen anderen Mann handelt.
Kichiku Neko: Außer du landest mit ihm in einer Hütte.
TogaQ: Es ist schon seltsam. Die Story basiert auf dem Punkt, dass es Männer sind. Ich könnte nicht Vater x Tochter zeichnen, aber Bruder x Bruder geht völlig. Normalerweise bist du beim Zeichnen stark involviert und gibst vieles von dir preis. Bei Vater und Sohn kann ich das aber mehr aus einer sicheren Entfernung betrachten. Es ist zwar Inzest, aber nicht ganz. Es ist mehr wie dieser Artikel.

animePRO: Ich mag es, dass die Story so „verdreht“ und kompliziert ist. Er weiß, dass es sich um seinen Vater handelt und liebt ihn, aber eben auf einer anderen, sexuellen Ebene.
Kichiku Neko: Ich weiß das zu schätzen, weil es ein Thema ist, zu dem ich gar keinen Zugang habe. Ich verstehe es einfach nicht.
TogaQ: Die Originalstory war mehr eine süße Story als diese. Und wie es mit Kichiku Neko so ist, wird dieses Süße viel düsterer und emotionaler, was ich an ihr auch so liebe. Deswegen glaube ich, dass es gut ist, Ideen auszutauschen und einander herauszufordern und Dinge anders zu machen als geplant, aber in einer guten Art und Weise.
Autor: /  TonaradossTharayn
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 11.11.2013
Bildcopyright: Guilt|Pleasure, TogaQ


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