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Andreas Neuenkirchen im Interview

 
An einem schönen Samstag hatten wir die große Ehre, bei einer Lesung des Krimi-Romans „Yoyogi Park" mit dessen Autor Andreas Neuenkirchen und gutem Sushi dabei zu sein. Danach durften wir ihn ein wenig mit unseren Fragen löchern. Erfahrt mit uns ein wenig über sein neues Buch und warum und wie er schreibt.
Name: Andreas Neuenkirchen
Pseudonym: kein aktives (und die inaktiven sind geheim)
Alter: 44 Jahre
Geburtstag: 05.12.1969
Sternzeichen: Schütze
Wohnort: München


Bisherige Veröffentlichungen:
Gebrauchsanweisung für Japan (Sachbuch, 2009 + 2013 [überarbeitet])
Hello Kitty - ein Phänomen erobert die Welt (Sachbuch, 2014)
Yoyogi Park (Roman, 2014)


animePRO: So, erst einmal vielen lieben Dank, dass du dir Zeit für uns genommen hast.
Könntest du dich vielleicht einmal den Lesern vorstellen, die dich noch nicht kennen?
Andreas Neuenkirchen: Danke dafür, dass ihr gekommen seid und danke für das Interesse. Ich bin Andreas Neuenkirchen, bin hauptberuflich Onlineredakteur und nebenberuflich Schriftsteller. Ich habe inzwischen drei Bücher geschrieben, die alle mehr oder weniger mit Japan zu tun haben, was allerdings Zufall ist, da ich auch Bücher schreiben würde, die nichts mit Japan zu tun haben. Ich lebe in München mit meiner japanischen Frau - und bald mit unserem Kind.

animePRO: Du hattest schon einige Berufe, die mit dem Schreiben zutun hatten, doch wie bist du auf die Idee gekommen, Bücher zu schreiben?
Andreas Neuenkirchen: Ich habe eigentlich schon immer geschrieben und es sollten auch schon immer Bücher sein. Ich hatte vor der Veröffentlichung von „Gebrauchsanweisung für Japan“ bereits zwei Romane fertig, die allerdings niemand verlegen wollte. Auszüge davon sind immerhin als Kurzgeschichten veröffentlicht worden. Außerdem habe ich unter einem Pseudonym an Romanserien mitgearbeitet.

animePRO: Erst einmal Gratulation zu „Yoyogi Park“ - wir hatten wirklich viel Freude an dem Buch.
Diese Frage wird dir wahrscheinlich öfter gestellt, doch wie kommt man auf die Idee, nach Sachbüchern wie „Gebrauchsanweisung für Japan" und „Hello Kitty, ein Phänomen erobert die Welt" plötzlich einen Krimi-Roman zu schreiben?
Andreas Neuenkirchen: Danke und es freut mich, wenn ihr Spaß daran hattet.
Eigentlich habe ich schon Krimis geschrieben, bevor meine „Sachbücher“ erschienen sind. Für die meisten meiner Freunde oder Menschen, die mich schon länger kennen, war daher eher die Frage, wie ich dazu komme, „Sachbücher“ zu schreiben. Krimis haben mich schon immer interessiert.




animePRO: Und wie kam es dann zu den Sachbüchern?
Andreas Neuenkirchen: Dazu kam ich , da ich bei meiner ersten Japanreise ein sehr ausführliches und langes Tagebuch geschrieben habe. Mein damaliger Agent meinte, das könnte man vielleicht als eigenständiges Buch herausbringen. Was dann auf lange, lange Sicht die „Gebrauchsanweisung für Japan“ geworden ist.

animePRO: Wie und wo entstand die Idee zu „Yoyogi Park“? Hattest du reale Vorbilder oder Vorlagen - abgesehen von der Stadt als solche?
Andreas Neuenkirchen: Also, was die Figuren angeht - eigentlich überhaupt nicht. Was die Haupthandlung betrifft auch nicht. Allerdings haben ein paar Nachrichtenthemen Nebenaspekte inspiriert. So gab es zum Beispiel wirklich Lagerhäuser, die illegal bewohnt wurden, wie im Roman. Das meiste ist aber reine Fiktion.

animePRO: Du bist zur Recherche viel in Japan unterwegs gewesen und hast einige Orte so übernommen, wie sie tatsächlich sind.
Allerdings ist Japan dir schließlich nicht wirklich fremd - gab es trotz allem etwas, das dich überrascht hat und das du unbedingt in eines deiner Bücher übernehmen möchtest?
Andreas Neuenkirchen: Hmmm... Das ist eine gute Frage und die kann man immer so schlecht beantworten. *lacht*
Na ja, ich war einmal in meinem Leben in einem Maid-Café und das hat mir gut gefallen, hat mich total fasziniert und es hat auch wirklich Spaß gemacht. Das ist wohl eine der Sachen, die ich deswegen in die Geschichte eingebaut habe. Ich bin jedoch danach nie wieder dort gewesen, obwohl ich noch die internationale, nicht ablaufende Mitgliedskarte habe. Allgemein ist es eben so, dass häufig Sachen mit einfließen, die man persönlich gerne mag. Ich mag zum Beispiel Shochu, diesen Brand, deshalb gibt es eine längere Shochu-Passage im Buch.

animePRO: Als Hauptcharakter deiner Reihe hast du Yuka Sato gewählt, eine starke Frau, die versucht sich in der Männerwelt durchzusetzen.
In Japan ist es nicht gerade üblich, als Frau in einer solchen Position zu arbeiten. Warum hast du gerade eine weibliche Protagonistin gewählt?
Andreas Neuenkirchen: Zuallererst habe ich mich informiert, ob es so etwas bei der Polizei überhaupt gibt und das gibt es tatsächlich, wobei der Prozentsatz doch relativ gering ist. Aber ich bin der Meinung, dass Romanfiguren etwas ungewöhnlich sein sollten. Ich habe mir vorher keine konkreten Gedanken gemacht, ob ich damit feministische Statements machen will, wobei ich später gemerkt habe, dass sich das nicht vermeiden lässt, da sie eben in dieser sehr extremen Männerwelt arbeitet. Und einfach zu verschweigen, dass es dort Reibereien gibt, wäre falsch. Deswegen passiert das am Rande auch, aber es war nie mein Ziel, eine Streitschrift zu verfassen. Obwohl ich es durchaus begrüßen würde, wenn es mehr Polizistinnen geben würde.




animePRO: Normalerweise hast du dir angewöhnt, „Sato“ zu schreiben, wenn sie im Dienst ist und „Yuka“, wenn sie frei hat, doch sehr häufig verwendest du Vor- und Nachnamen der Figuren wie Yuka Sato oder Shun Nakashima. Hat dies einen bestimmten Grund?
Andreas Neuenkirchen: Dass jemand durchschaut hat, wann Yuka und wann Sato verwendet wird, finde ich schon einmal sehr schön und ich freue mich darüber. Da ich nicht immer nur Yuka Sato sagen, aber auch nicht beliebig zwischen den beiden Varianten wechseln wollte, habe ich mich dafür entschieden.

animePRO: Häufig benutzt du jedoch den vollen Namen der Charaktere so wie „Yuka Sato“ oder „Shun Nakashima“, hat dies einen speziellen Grund?
Andreas Neuenkirchen: Auf der einen Seite ist es wegen der Abwechslung. Auf der anderen dachte ich mir, dass die Namen für die deutschen Leser ungewohnt sind, also gewöhnt man sie mit gelegentlichen Wiederholungen daran. In diesem Zusammenhang ist auch das Personenregister entstanden.

animePRO: Im Gegensatz zu vielen anderen Krimi-Romanen ist deiner gespickt von einer gehörigen Portion Humor. War es schwer, eine Brücke zwischen realen Informationen, Krimi, Humor und Pop-Kultur zu schlagen?
Andreas Neuenkirchen: In gewisser Weise ja, da das meiste, was ich bisher geschrieben habe, eher einen humoristischen Drall hatte - das wollte ich nicht ganz verlieren. Allerdings muss man sich bei einem Krimi in dieser Hinsicht zurücknehmen und im Zweifelsfall auf einen guten Witz zu viel, der einem gerade auch noch eingefallen ist, verzichten. Es geht dabei um Pietät. Gerade in der ersten Szene habe ich mir gedacht, dass man zumindest zeigen muss, dass den Charakteren ihr Verhalten peinlich ist.

animePRO: Gibt es etwas, was du deine Charaktere gerne einmal machen lassen würdest?
Andreas Neuenkirchen: Es wird noch die eine oder andere Überraschung geben, was beide Charaktere betrifft, aber dazu möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen. Es wird sich auch über die vier Bücher hinwegziehen. Und es wird bereits im zweiten Teil mindestens eine Überraschung geben.

animePRO: Ist dir einer deiner Akteure besonders ans Herz gewachsen?
Andreas Neuenkirchen: Ist zwar ein Klischee, aber es ist wohl wirklich wie mit eigenen Kindern: Man kann sich keine Lieblinge aussuchen. Momentan habe ich viel Spaß mit Daisuke Kawase, dem Pathologen, der auch weiterhin dabei bleibt und noch eine gewisse Wandlung durchmachen wird, ohne sich von seinem Naturell zu weit zu entfernen.




animePRO: Was machst du, wenn dich eine Schreibblockade erwischt?
Andreas Neuenkirchen: Bisher hatte ich zum Glück noch keine Schreibblockaden. Nicht in dem Sinne, dass ich Tage lang dasaß und nichts schreiben konnte. Natürlich gibt es Tage, an denen es einem nicht so leicht fällt oder an denen man keinen Bock hat. Als ich angefangen habe, ernsthaft zu schreiben, habe ich mir Pläne gemacht, wie viel ich an einem Tag oder in einer Woche schreiben will. Ich habe mich auch an anderen Schriftstellern orientiert, wie viel diese schreiben, aber das hat nie wirklich funktioniert.
Deswegen habe ich mir irgendwann gesagt, dass das einzige, was ich wirklich einhalten will, ist, dass ich jeden Tag schreibe und wenn es auch mal nur ein Wort oder ein Satz ist. Hauptsache ist es geht weiter.
Für den zweiten Inspector-Sato-Roman muss ich momentan zwölf Seiten pro Woche schreiben, damit ich den Abgabetermin schaffe. Bis jetzt sieht's gut aus.

animePRO: Schreibst du am liebsten tagsüber oder nachts?
Andreas Neuenkirchen: Früher habe ich gerne nachts geschrieben und dann auch immer schön mit einem Gläschen Alkohol, wie das typische Schriftsteller-Klischee. Inzwischen schreibe ich am liebsten morgens, am besten noch vor dem Frühstück und dabei klar im Kopf.

animePRO: In deinem Buch schreibst du, dass die Figur Sam von „Sailor Moon" angefixt wurde. Gibt es denn etwas, dass dich „angefixt" hat, im Sinne der Pop-Kultur Japans?
Andreas Neuenkirchen: Also ich war schon immer comicaffin, allerdings eher bezogen auf amerikanische Superheldencomics. Irgendwann ging es dann hierzulande mit den Manga los. Es hat mich zwar nicht sofort komplett für sich eingenommen, aber ich habe immer mal wieder einen gelesen und so kam das schleichend.
Der Ausbruch kam dann, als ich zum ersten Mal in Japan war.

animePRO: Gibt es momentan einen Anime oder Manga, den du sehr magst?
Andreas Neuenkirchen: Ich bin da wirklich total Mainstream. Momentan lese ich „Attack on Titan“ und mein Lieblingsmanga ist „Death Note“.

animePRO: Möchtest du vielleicht noch ein paar Worte an unsere Leser richten?
Andreas Neuenkirchen: Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und bitte werdet meine Facebook-Freunde. *lacht*




Wir bedanken uns noch einmal vielmals für die Einladung, den schönen Abend und natürlich auch besonders für das Interview!
Wer mehr zu „Yoyogi Park" wissen möchte, der sollte in unserem Artikel vorbeischauen und an unserem Gewinnspiel teilnehmen.
Autor: /  Celest_Camui
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 23.06.2014
Bildcopyright:


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