Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Es ist schon zur Tradition geworden, euch in der Vorweihnachtszeit ein paar Anregungen zwecks Geschenkideen zu machen. Und so hat unsere Redaktion auch diesmal wieder die Veröffentlichungen des langsam ausklingenden Jahres Revue passieren lassen und präsentiert euch hiermit schenkwürdige Titel...!

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Interview mit Künstlerin Yuki Klink

 
Kalligraphie, Puppen und Katzen – diese drei Elemente ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben von Yuki Sekikawa-Klink. Die heute in Deutschland lebende Künstlerin gibt Workshops, hält Vorträge und besticht mit ihrer individuellen Kunst. Uns erzählte sie im Interview ein wenig aus ihrem Leben.
Name: Yuki Sekikawa-Klink
Geburtstag: 15. März
Sternzeichen: Fische
Wohnort: Bremen
 
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animePRO: Du hast 1970 in Chiba, Japan, deine Kalligraphie-Ausbildung begonnen. Wie bist du zur Kalligraphie gekommen?
Yuki Klink: Mein Vater ist ein Shodo-Künstler (japanische Kalligraphie) und meine Eltern hatten eine private Shodo-Schule in Japan. Da habe ich es natürlich übernommen.
In meiner öffentlichen Schule gab es auch Shodo-Unterricht und viele Wettbewerbe. Da hatte ich oft einen Preis gewonnen. Das motivierte mich stets, mit Shodo weiter zu machen.
 
animePRO: Seit 1996 lehrst du selbst die Kunst der Kalligraphie an der Volkshochschule in Bremen. Was waren deine Beweggründe, die erlernte Kunst selbst zu lehren?
Yuki Klink: Eine Lehrerin von meinem Deutschkurs, die selber Shodo lernen wollte, hat mich zum VHS-Büro mitgenommen, um einen Shodo-Kurs anzubieten.
Ich wollte schon immer irgendwann die Shodo, die ich gelernt habe, in Deutschland unterrichten; damit ich eine Art kulturelle Verknüpfung zwischen Deutschland und Japan schaffen kann.
Eigentlich wollte ich das erst, wenn ich selbst genug Deutsch sprechen konnte. Aber es ging schon früher los, obwohl ich damals noch nicht genügend Deutschkenntnisse hatte.
Der Kurs wurde immer von ausreichenden Teilnehmern besucht und ohne Unterbrechung bis heute angeboten.
 
animePRO: Wie würdest du jemandem, der noch nie in seinem Leben mit Kalligraphie in Berührung kam, selbige kurz und knapp erklären?
Yuki Klink: Kalligraphie ist eine japanische, traditionelle Schönschriftkunst.

animePRO: Neben deiner Kalligraphie-Ausbildung hast du parallel ab 1987 auch eine mehrjährige Puppen-Kunst-Ausbildung in Tokyo genossen. Magst du uns kurz beschreiben, wie diese Ausbildung aussah?
Yuki Klink: Ich war damals auf der Suche nach einer Kunst, mit der ich mein „Selbst“ direkt ausdrücken kann, außer Malerei und Shodo. Viel zu viele Leute beschäftigen sich mit Malerei und beim Shodo steht mein Vater als mein großer Meister, der mich immer unter Druck setzt, hinter mir. Auch war ich mit Shodo als meiner eigenen Kunst, in der ich mich selbst gut ausdrücken kann, nicht zufrieden. Deshalb suchte ich eine andere Kunstart.
Eines Tages habe ich durch Zufall die Puppenkünstlerin Yuriko Yamayoshi kennengelernt. Mein erster Eindruck von ihr war: „Oh wie nett und süß ist sie!“ Ich wollte etwas mit ihr zu tun haben, so habe ich die Puppen-Kunst-Ausbildung bei ihr als Privatschülerin angefangen. Dann habe ich sofort gemerkt, das ist es, was ich immer gesucht habe, die Puppen-Kunst.

Immer am Dienstagabend, einmal in der Woche nach der Arbeit, fuhr ich genau in die entgegengesetzte Richtung von meinem zu Hause zur Puppenkünstlerin Yuriko Yamayoshi, um zu lernen. In ihrem kleinen Atelier saßen zwei bis drei Schüler an einem Tisch mit Frau Yamayoshi und modellierten Puppenkopf, Hände, Füße und den ganzen Körper mit der feinen, speziellen Modelliermasse.
Manchmal schaffte ich es aber auch nicht, in die „falsche“ Richtung zu fahren, weil ich von der Arbeit zu müde war und fuhr nach Hause. Die Arbeitswege in Japan dauern meistens etwa eine Stunde.

Bei Frau Yamayoshi konnten wir alle frei das machen, was wir wollten. Also wie die Puppen aussehen sollten, war egal. Manche Puppen-Kunst-Schulen lehren mit einer Vorlage. Bei Frau Yamayoshi gab es keine Vorlage „einfach los!“ war ihre Art zu lehren. Deshalb waren die Puppen von ihren Schülern alle sehr individuell.
Ich habe immer am meisten Interesse an traditionellen, japanischen, sogenannten Ichimatsu-Ningyo gehabt. Ichimatsu-Ningyo haben ein rundes Gesicht, einen großen Kopf, schulterlanges schwarzes Haar wie ein etwa zehnjähriges Mädchen und tragen einen Kimono. Die erste Puppe, die ich gemacht habe, war in diesem Stil. Den Kimono habe ich erst von meiner Mutter nähen lassen, weil es ziemlich schwer war. Aber jetzt nähe ich alles selber.
Andere Schüler haben oft die Puppen im europäischen Stil gemacht, vor allem das Gesicht.
Ich war und bin schon sehr fasziniert von der Puppen-Kunst. Und weiter habe ich dann in meinem eigenen Stil Ichimatsu-Ningyo gemacht.

Jetzt mache ich auch Gliederpuppen. Der ganze Körper wird aus der Modelliermasse gearbeitet. Auch viele Katzenfiguren und kleine Dinge aus Kimonostoff.
 
animePRO: Was für eine Bedeutung hat die Arbeit mit den Puppen für dich persönlich?
Yuki Klink: Vor allem Spaß, Entspannung und meinen eigenen persönlichen Ausdruck.

animePRO: Hast du eine Lieblingspuppe und wenn ja, was macht sie zu deiner Lieblingspuppe?
Yuki Klink: Oh, schwierig... Alle Puppen sind wie meine Kinder. Jede hat verschiedene Charakterzüge und Ausdrücke und in jeder steckt ein Stück meiner Seele. So kann ich nicht sagen, welche meine Lieblingspuppe ist. Aber wenn mir das Gesicht gut gefällt, liebe ich sie doch vielleicht mehr als die anderen. Also am wichtigsten ist mir der Gesichtsausdruck.

animePRO: Aber außer der Kalligraphie und den Puppen stellst du auch noch verschiedene Katzenfiguren her. Was verbindet dich mit diesen Tieren?
Yuki Klink: Katzen liebe ich schon immer. In Japan gibt es ja diese berühmte Manekineko, die Glückskatze. Erst dachte ich, die Manekineko-Katzenfigur würde zu mir, als eine japanische Puppenkünstlerin in Deutschland, gut passen.
Im Herbst 2013 lernte ich den damals 13-jährigen Hugo Hofmann kennen, der auch so ein extremer Katzen-, Anime- und Japan-Fan ist und ein sehr gutes Gefühl für die Kunst hat. Also, wir haben viele Gemeinsamkeiten. Mit Hugo modelliere ich Katzenfiguren. Erst nur aus Spaß, nun etwas ernster und wir stellen ein bis zwei mal im Jahr unsere Katzenfiguren aus. Gerade hatten wir die Katzenfigur-Ausstellung unter dem Thema „Weil ich eine Katze bin“; ist vielleicht bei dem Anime-Publikum schon bekannt. Dieses Thema stammt von einem blauen Kater, „Happy“, eine Animefigur von Fairytail.
Das Thema für die nächste Katzenfigur-Ausstellung ist „5 Elemente / Wasser, Feuer, Erde, Wind und Seele“; Hugo hat schon die Skizze. Ich muss auch noch viel vorbereiten.

animePRO: Hast du selbst Katzen?
Yuki Klink: Ja, natürlich!! Ohne Katze geht es nicht! Einen dreijährigen rot-getigerten Kater Heini. Er ist voll schmusig, brav, einschmeichelnd und total anhänglich wie eine Babykatze. Allerdings wiegt er jetzt schon circa acht Kilo!
Unsere braun-grau getigerte Katze Tama war gerade im Februar in den Katzenhimmel gegangen... Sie war 18 Jahre alt. Das war sehr, sehr traurig, sich von ihr zu trennen...
Ich mag gar keine Reisen, sogar eine Übernachtung außerhalb ist schon schwer, weil ich von den Katzen keine Minute getrennt sein möchte…

animePRO: Katzen gelten in Japan ja als Glücksbringer. Hat dir eine Katze auch schon einmal Glück gebracht?
Yuki Klink: Immer! Katzen heilen uns, von Katzen bekomme ich oft Inspiration, auch wenn sie manchmal Quatsch machen.

animePRO: Hast du schon mal alle drei Elemente – Kalligraphie, Puppen und Katzen – zu einem Kunstwerk vereint?
Yuki Klink: Noch nicht, aber das ist eine gute Idee, mal sehen, wie ich es hinkriege.

animePRO: Gibt es Veranstaltungen, auf denen man dich und deine Kunst antreffen kann?
Yuki Klink: Ja, gleich im April kommt eine Puppen-Kunst- und Zeichnungs-Ausstellung unter dem Titel „Rej/Null“, inspiriert von „Fatal Frame“, mit den düsteren aber schönen Zeichnungen von der Studentin Ariane Pollakowski.

Danach die NipponCon am 6. und 7. Juni in Bremen, Shodo-Workshop und „Einblick in die japanische Puppenwelt", ein kleiner Vortrag über japanische Puppen-Kunst.

Dann am 11.9.-04.10.2015 meine Japan-Kunst-Ausstellung (Puppen und Shodo) bei Artstudio Zweig, Borgfelder Landstr. 26, Bremen.

Ab 1. Advent bis Weihnachten ist „Xmas Markt mit Japan-Kunst“ bei mir Zuhause geplant.

Sonst Kalligraphie-Kurse bei der VHS Bremen (13.+14.6.2015, 10.+11.10.2015, 12.+13.12.2015) und VHS Lilienthal (9.+10.5.2015, 14.+15.5.2015) und bei mir als Privatkurs.
Details findet ihr hier:
http://www.japanpuppen.de/termine.html

animePRO: Wir bedanken uns herzlichst, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!
Yuki Klink: Ich bedanke mich ebenfalls! Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg!
Ihr wollt mehr über die Kunst von Yuki Klink erfahren? Dann besucht sie auf ihrer Homepage, ihrem Blog, ihrer Facebook-Seite oder auf Twitter!
Autor:
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 07.04.2015
Bildcopyright: Yuki Klink


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