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Am 10. September ist "Welttag der Suizid-Prävention". Aus diesem Anlass veröffentlichte Egmont Manga jüngst den Einzelband "My broken Mariko" von Waka Hirako. Wir möchten euch dieses besondere Werk nicht vorenthalten und stellen es hiermit vor...!

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Lucia Jang im Interview

 

Sie ist eine Frau, die in ihrem Leben viel geopfert, aber auch viel gewonnen hat. In ihrem Buch „Ich bat den Himmel um ein Leben“ beschreibt sie ihr Leben und ihre Flucht aus Nordkorea. In unserem Interview gewährt uns Lucia Jang weitere Einblicke in ihre Lebensgeschichte sowie Hintergründe zur Entstehung ihres Buches.

animePRO: Zuallererst: Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten!

Nach allem, was du in Nordkorea an Erfahrungen gesammelt hast – hat es dich Mut gekostet, dieses Buch zu schreiben?

Lucia Jang: Ursprünglich schrieb ich meine Erlebnisse nur in mein Tagebuch, um sie später einmal meinen Kindern zu zeigen, wenn sie alt genug dafür sind. Ich hatte anfangs nicht die Absicht es irgendwie zu veröffentlichen. Doch dann traf ich meine Anwältin Soohyun Nam, welche mich mit Susan bekannt machte und das war der Beginn unserer Zusammenarbeit an diesem Buch.

animePRO: Du schriebst das Buch gemeinsam mit Soohyun Nam als Übersetzerin und der Journalistin Susan McClelland. Wie lange habt ihr gebraucht, bis das Buch fertig war?

Lucia Jang: Fast ein Jahr lang traf ich mich jedes Wochenende mit Susan und Soohyun Nam, welche meine Geschichte für Susan übersetzte. Wir saßen gemeinsam um einen niedrigen, runden Tisch und ich erzählte jedes Mal dort weiter, wo ich beim letzten Mal aufgehört hatte. Wir Drei wurden dadurch sehr gute Freunde. Es war eine sehr intime Erfahrung und in gewisser Weise auch heilend, diese Dinge von früher zu erzählen.

animePRO: Was war das für ein Gefühl für dich, als dein Buch erstmals in Kanada veröffentlicht wurde?

Lucia Jang: Es fühlte sich sehr gut an, da meine Familiengeschichte veröffentlicht wurde und es ein Protokoll für meine Kinder darstellt. Ich dachte an meine Geschwister in Nordkorea und wie auch ihre Lebensgeschichten nun in der Welt bekannt werden.

animePRO: Wie fielen die Reaktionen zu dem Buch in Kanada aus?

Lucia Jang: Das Buch wurde sehr gut angenommen. Die Leser zeigen sich sehr erkenntlich dafür, nicht nur von einer Frau aus Nordkorea zu lesen, die über ihre Kindheit und Jugend berichtet, wie es viele andere Flüchtlinge tun – sondern von einer Mutter, die große Opfer für ihre Kinder auf sich genommen hat, inklusive sich von einem Kind zu trennen, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen. Ich glaube, das ist der ultimative Liebesbeweis, jemanden frei zu lassen.

Kommenden Herbst wird das Buch in den USA durch Norton veröffentlicht. Es gewinnt an Popularität und hat bereits ein paar großartige Reviews im Library Journal und Publishers Weekly hervorgerufen.

animePRO: In deinem Buch berichtest du mehrfach von einem wiederkehrenden Traum, wo du eine Pappelallee und am Ende ein leuchtendes Licht gesehen hast. Glaubst du, dieser Traum war in irgendeiner Form spiritueller Natur?

Lucia Jang: Wenn ich heute darüber nachdenke, könnte er tatsächlich spirituell gewesen sein. Damals jedoch empfand ich ihn einfach als angenehmen Traum, weil ich trotz allen Umständen noch immer Licht erkennen konnte. Es gab mir Hoffnung und ich konnte mich in den dunklen Zeiten daran festhalten.

animePRO: Nach deiner Flucht aus Nordkorea fandest du Asyl in Südkorea. Aber im Jahre 2008 bist du mit deinem Sohn nach Kanada gegangen. Warum bist du umgezogen?

Lucia Jang: Mein Sohn hat einige Handycaps und wurde in Südkorea nicht gut behandelt. Tatsächlich werden viele Nordkoreaner in Südkorea nicht gut behandelt. Ich wollte meinem Sohn ein besseres Leben ermöglichen, ihm die Chance bieten, dass er geschult und von Gleichaltrigen akzeptiert wird, später eine Arbeitsstelle findet... Ein gehandycapter nordkoreanischer Junge hat diese Chancen in Südkorea nicht.

animePRO: Heute lebst du mit deinem Sohn Taebun und seinem kleinen Bruder in Kanada. Denkst du, du erziehst deine Kinder auf ähnliche Art wie deine Mutter es getan hat oder gibt es gravierende Unterschiede?

Lucia Jang: Ich glaube, ich erziehe meine Kinder unbeabsichtigt sehr ähnlich. Wie die meisten Leute lernte ich viel von meiner Mutter und sah stets zu ihr auf. Resultierend daraus übernehme ich sicher viele ihrer Erziehungsformen, die ich selbst erlebt habe.

animePRO: Ich hoffe, diese Frage ist nicht zu persönlich: Glaubst du, du hast die Möglichkeit, deinen erstgeborenen Sohn Sungmin irgendwann einmal wiederzusehen?

Lucia Jang: Wenn Nord- und Südkorea sich irgendwann nochmal wieder vereinen, werde ich vielleicht diese Möglichkeit bekommen. Es wäre schön sein Gesicht wiederzusehen und zu erfahren, wie es ihm geht.

animePRO: Hast du bereits Pläne für ein weiteres Buch oder wird „Ich bat den Himmel um ein Leben“ dein einziges Buchprojekt bleiben?

Lucia Jang: Ich bin mir noch nicht sicher, ob dieses Buch mein einziges Projekt bleibt. Gegenwärtig plane ich zumindest noch kein Zweites.

Wir bedanken uns herzlichst bei Lucia Jang für das Interview sowie beim Knaur-Verlag, die selbiges überhaupt erst ermöglicht haben.

Autor:
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 18.08.2015
Bildcopyright: Lucia Jang, Knaur-Verlag


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