Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Am 10. September ist "Welttag der Suizid-Prävention". Aus diesem Anlass veröffentlichte Egmont Manga jüngst den Einzelband "My broken Mariko" von Waka Hirako. Wir möchten euch dieses besondere Werk nicht vorenthalten und stellen es hiermit vor...!

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Hion K. im Interview

 
Im September 2015 feierte Hion ihr Debüt mit ihrem Dōjinshi „Shitbucks“. Zu diesem Anlass haben wir ihr ein paar Fragen gestellt.
Pseudonym: Hion K. (Kay ausgesprochen)
Alter: 25
Geburtstag: 09.11.1989
Sternzeichen: Skorpion
Wohnort: Frankfurt am Main

Motto: Niemals aufgeben!

Pattformen: Animexx, Twitter, Facebook

Bisherige Veröffentlichung:
Shitbucks (September 2015 - Eigenpublikationen)




animePRO: Beginnen wir mit der berüchtigten Frage: Wie bist du überhaupt zum
Zeichnen gekommen?
Hion: Früher habe ich auf einem Bauernhof gelebt. Da blieb mir nicht viel zum Zeichnen, wie vielleicht bei anderen. Ich war fast täglich nach der Schule fünf bis sechs Stunden draußen oder mit meinem Vater auf der Baustelle (er ist Malermeister). Erst nach der Scheidung meiner Eltern und mit dem Verlust des Hofes und den Umzug in eine kleine Wohnung, kam ich auf das Thema Manga. Klar, die Serien auf RTL2 habe ich schon vorher geguckt, aber für mich waren Mangas was Besonderes und ich habe mir nach und nach welche geholt. Irgendwann reichte mir das nicht und ich begann damit, die Figuren abzuzeichnen. Ich war da ungefähr zehn Jahre alt...aber seitdem konnte ich einen Stift nicht mehr zur Seite legen.

animePRO: Wie bist du auf dein Pseudonym gekommen?
Hion: Omg... ich habe mit meinem Freund gerade Tera online gezockt und ich wollte meinen Charakter anders als sonst benennen... einen kurzen, knackigen und doch weich auszusprechenden Namen. Auf einmal hatte ich Hion im Kopf und wenige Monate später wurde er auch mein neuer Künstlername. Ich finde, es klingt nicht typisch japanisch, was meine vorherige Künstlernamen leider alle waren.

animePRO: Welches Zeichenmaterial verwendest du und warum? Was sind die Vorteile in deinen Augen?
Hion: Meine große Liebe sind immernoch die Copics und somit das Traditionelle. Mittlerweile finde ich auch Gefallen an digitalem Zeichnen, da man neue Sachen ausprobieren kann, aber ich bevorzuge dennoch das traditionelle Zeichnen. Ich finde man lernt anders zu zeichnen, eben weil es keinen "Rückgängigbutton" gibt. Man muss schnell und präzise arbeiten und wenn es dieses Mal nicht geklappt hat, hat man was Neues dazu gelernt und macht es beim nächsten Mal anders ^^




animePRO: Welche Motive zeichnest du am liebsten?
Hion: Gerne zeichne ich etwas zu 1000 years, da die Geschichte mir sehr ans Herz gewachsen ist. Fantasy, Elemente, Dämonen... etwas Magisches... ja, das sind so meine Lieblingsmotive ^^

animePRO: Wie lässt du dich inspirieren? Hast du da bestimmte Quellen oder springt
dich die Bildidee einfach so an?
Hion: Wahrscheinlich wie bei anderen Zeichnern - an den unpassensten Momenten. Wenn man in einer Prüfung sitzt, Deadlines hat, auf dem Klo hockt und so weiter.... meine Inspirationsquelle sind außerdem gute Mangas und Musik. Eine Inspiration darf man nicht zwingen, sie kommt wenn sie möchte, man muss nur die Augen für sie offen halten.

animePRO: Hat sich dein Stil über die Jahre hinweg verändert? Kam es mehr von alleine oder hast du es bewusst angestrebt?
Hion: Teils teils...wenn ich mit meinem Stil unzufrieden bin, analysiere ich, was es sein könnte und versuche es zu verbessern und sehe mir andere Mangas an. Je nach Genre oder was man gerade zeichnen möchte, muss man ohnehin mit seinem Stil variieren können, damit es echter wirkt. Anfangs war Arina Tanemura mein großes Vorbild. Dann hatte ich deutsche Zeichner als Vorbilder und auch Tite Kubo ist eins meiner Vorbilder. Es gibt viele gute Mangaka, an die man sich orientieren könnte, sei es nur zum Beispiel die Form einer Lippe, das Stirnrunzeln der Augenbraue oder die Anatomie. Ich glaube, ich bin da der Sammler und möchte immer gerne was dazu lernen.

animePRO: Wie ist deine Einschätzung gegenüber dem Markt? Glaubst du, dass dieser sich für deutsche Zeichner verbessert hat?
Hion: Eindeutig! Nicht nur die Conventions unterstützen mehr und mehr Zeichner, auch die Möglichkeiten, etwas drucken zu lassen, gab es vor zehn Jahren nicht. Außer man geht natürlich zu einem Verlag. Zudem finde ich, ist das Bewusstsein der Menschen gegenüber der Kunst und der Arbeit dahinter angestiegen. Die Möglichkeiten, sich auf einer Con untereinander auszutauschen, sind ebenso eher gegeben als wie vor fünf bis zehn Jahren. Gott, ich klinge wie ein alter Hase.

animePRO: Gibt es ein Merchandise, welchesdu unbedingt einmal verkaufen wolltest, sich aber bisher keine Gelegenheit dafür bot?
Hion: Uff... ich bin nicht wirklich der Typ für Merchandise, muss ich ehrlich gestehen.

animePRO: Was war es für ein Gefühl, das erste Mal ein Werk von dir in gedruckter Form in den Händen zu halten?
Hion: Ich...war irritiert, *lacht* ich hab es in den Händen gehalten und dachte "Ok....?!". Mein Herz schlug mir wild durch die Brust und als ich am Abend dann runtergekommen bin, hab ich gleichzeitig gelacht und geheult.



Wo wir gerade beim Thema sind. Kommen wir doch zu deinem Dōjinshi „Shitbucks“, den du kürzlich hast drucken lassen.
Shitbucks ist ein Alltag/ BL-Manga, der ab achtzehn Jahren geeignet ist. Die Hauptpersonen sind Kevin und Eliahs, sowie Sam und Yuki. Kevin Taylor hasst Kaffee wie die Pest und trotzdem geht er jeden Tag in den Shitbucks. Warum? Naja... dort sitzt sein Schwarm Eliahs, dem er hoffnungslos verfallen ist. Er selbst ist ziemlich versaut, doch megaschüchtern, so dass er sich nicht traut, den anderen anzusprechen.

animePRO: Durch das Nachwort in „Shitbucks“ haben wir bereits erfahren, dass der Anstoß zu der Geschichte von der Künstlerin Yaya-chan kam. Kannst du etwas mehr aus dem Nähkästchen plaudern?
Hion: Yaya-Chan und ich sind alte Freunde, die vor ein paar Jahren oft miteinander zusammenhingen (und wir haben sogar zusammen gearbeitet XD). Da unsere Zeit nun knapper ist, haben wir uns eher immer in Frankfurt im Shit....äh Starbucks getroffen und geredet. Sie hat mir Mut gemacht, dass ich etwas einfaches, lockeres zeichnen soll, was ein One-Shot / Kurzgeschichte sein soll. Einfach, damit ich mich auf den Markt traue und wieder etwas aktiver werde. Das Wort "Shitbucks" kam übrigens von ihr . Am Abend dachte ich über diese Worte nach und mir ist plötzlich Kevin eingefallen... ich bin dann schnell aus dem Bett gestiegen und hab sofort angefangen, die erste Version des Storyboards zu zeichnen. Am Anfang hat sie mir noch mit Korrekturen geholfen, danach war es nicht mehr nötig X3. Ohne sie hätte ich mich nie getraut, endlich mal einen Schritt nach vorne zu wagen.

animePRO: Leider kam dir bei der Arbeit eine Handverletzung dazwischen. Dadurch bist du in Verzug gekommen und es artete in ziemlichen Stress aus. Hast du daran gedacht, „Shitbucks“ aufzugeben?
Hion: Man konnte mir fast über einen Monat nicht sagen, was ich nun habe und ob es chronisch bleibt. Dieser Monat war unglaublich schwer und demütigend für mich gewesen, da ich vollkommen von meinem Freund abhängig war und es im Privaten sehr viel Stress deswegen gab. Ich hatte da überlegt, aufzuhören oder auf unbestimmte Zeit zu pausieren. Doch die Leser und vor allem die Vorbesteller haben mir teilweise über eine Seite Glückwünsche und Mut zugesprochen, dass ich vor meinem Rechner saß und nur am Weinen war. Danach war ich mir sicher, alleine den Lesern zuliebe wollte ich es fertig machen und mir beweisen, dass ich es auch zu Ende kriege, selbst mit chronischer Handverletzung.

animePRO: Du hast angedeutet, dass es vielleicht doch eine Fortsetzung geben wird, obwohl es als Einzelband ausgelegt war. Hat sich da etwa die Handlung selbstständig gemacht?
Hion: Kevin und Eliahs haben sich direkt im ersten Kapitel selbstständig gemacht *die beiden auspeitsch*. Aber insbesondere Sam ist mir ans Herz gewachsen und es hat unglaublich Spaß gemacht, die Jungs zu zeichnen. Ich bin ein Fan von Abwechslung und vorzugsweise von Fantasy. Wenn es eine Fortsetzung geben wird, wäre es wohl erst Ende 2016/ Anfang 2017. Da bin ich mir unsicher, aber nicht abgeneigt. Ist außerdem davon abhängig, wie gut der Manga ankommt und ob eine Fortsetzung gewünscht ist.

animePRO: Mochtest du etwas bei der Arbeit an „Shitbucks“ besonders und was weniger?
Hion: Was ich weniger mochte, war die Art wie ich an Shitbucks ranging und wie sich die Arbeitsweise entwickelt hat. Ich habe viel über Zeitmanagment gelernt und wann es heißt, die Grenzen des eigenen Körpers zu akzeptieren. Ich mochte es, dass ich viel dem Programm "MangaStudio" in Kontakt kam und viel lernen konnte. Was ich weniger mochte? Ich bin mit manchen Seiten nicht zufrieden XD selbst nach x-Mal korrigieren hab ich sie nicht besser hinbekommen und das wurmt mich! Ich würde beim nächsten Manga vieles anders machen... wichtig ist, bei so etwas zu lernen und es beim nächsten Band einfach besser zu machen ^^

animePRO: Wie würdest du den Prozess einer Eigenpublikation beschreiben?
Hion: Ohne Disziplin, Sturheit und ein Maß an Selbsteinschätzung funktioniert nichts. Man muss sich irgendwie auf eine Sache konzentrieren und tausend Sachen gleichzeitig machen. Der Kontakt mit den Fans ist eins deiner größten Motivationsdrogen und ich glaube, wenn man das passende Umfeld nicht hat, dann wird es umso schwieriger. Ich hatte zum Beispiel wirklich sehr rücksichtsvolle Eltern und speziell mein Freund hat mich ab der Verletzung über mehrere Monate hinweg enorm unterstützt. Wichtig ist eine gewisse Erfahrung und eine gewisse Fanbase zu haben und sich mit den Menschen und anderen Zeichnern auszutauschen und Erfahrungen zu sammeln. Man muss aber auf jeden Fall viel Kritik einstecken müssen und bereit sein, viel zu korrigieren.

animePRO: Welcher ist dein Lieblingscharakter und warum? Magst du jemand gar nicht?
Hion: Hm...schwierige Frage, denn ich finde, ich hab sie alle irgendwie so gerne, wie sie sind. Aber meine Lieblingscharas sind Sam und Eliahs. Eliahs einfach nur aus dem Grund, weil ich immer am Grinsen war, wenn ich die Grinsebacke zeichnen musste und Sam, weil er unberechenbar und sozusagen 'sexy arschig' war XD doch sobald Yuki auftauchte, wurde er handzahm <3 das fand ich süß.



animePRO: Kannst du uns schon etwas über zukünftige Projekte sagen? Worauf können wir uns freuen?
Hion: Das nächste Projekt wird eindeutig ein Fantasyprojekt sein. Ich habe mehrere Geschichten (BL oder Romance) im selben Fantasyuniversum entwickelt und würde diese gerne über die Jahre hinweg zeichnen. Parallel dazu entwickle und perfektioniere ich mit Rabenherz (als Autorin Caitlin) zusammen die Story 1000 years zusammen, die vielleicht 2016 miterscheint. Das hängt jedoch von unseren privaten Schwerpunkten ab, wie weit wir in 2016 vorankommen! Seid gespannt!

animePRO: Möchtest du zum Schluss unseren Lesern noch etwas sagen?
Hion: Ich bedanke mich wirklich herzlich über eure Kommis, euren lieben Worte und ganz besonders, dass ich nach und nach endlich Gesichter zu den jeweiligen Namen vor den Augen habe. Ich freue mich jedes Mal, jemanden persönlich kennenzulernen und in eure Gesichter zu schauen, wenn meine Sachen euch gefallen. Ich gehe jedes Mal euphorisch ins Bett und grinse nach einer Con über beide Wangen, weil ihr mir einfach so viel Mut macht!

Und nun zu meinem größten Fans... meinen Eltern, besonders meinem Papa. Vielen Dank Paps, dass du mir erst diese Welt eröffnet und mich über all die Jahre stetig gestützt und an mich geglaubt hast. Ohne dich wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ich liebe dich.

animePRO: Wir bedanken uns für das Interview und wünschen dir alles Gute für deinen weiteren Weg.
Autor:
Lektor: Anja Degenhardt
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 15.10.2015
Bildcopyright: Hion K.


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