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Sie erstellt extravagante Frisuren und Accessoires mit Bezug zu den 80er Jahren, ist aber auch ein ebenso großer Musikliebhaber - Julia Lion Hair. Wir haben uns einmal mit ihr zusammengesetzt und uns über eine ihrer größten Leidenschaften unterhalten: japanischer Metal...!

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Interview mit Julia Lion Hair

 
Sie erstellt extravagante Frisuren und Accessoires mit Bezug zu den 80er Jahren, ist aber auch ein ebenso großer Musikliebhaber - Julia Lion Hair. Wir haben uns einmal mit ihr zusammengesetzt und uns über eine ihrer größten Leidenschaften unterhalten: japanischer Metal...!
animePRO: Manch einer kennt dich von YouTube, wo du verschiedene Videos online stellst; wie zum Beispiel Tutorials für Frisuren, Make-up und Kleidung, aber auch über Musik sprichst. Darüber hinaus arbeitest du als Haistylist und Creative Director. Wie würdest du dich jemandem vorstellen, der zuvor noch nie etwas von dir gehört hat?
Julia Lion Hair: Mein Name ist Julia, ich bin 24 Jahre alt und lebe in Belgien. Das Sinnvollste, was ich mit meinem Leben anstelle, sind extravagante Frisuren für Fotoshootings oder Modenschauen zu kreieren. Zudem hege ich eine große Vorliebe für 80er Jahre Heavy Metal und Mode.

animePRO: Soweit es mir bekannt ist, bist du ein sehr großer Fan des japanischen Heavy Metals, besonders aus den 80ern. Wie ist es dazu gekommen?
Julia Lion Hair: Nun, ich denke, wie es wohl den meisten Leuten erging, die irgendwann mit irgendwas aus der japanischen Kultur in Kontakt traten: Als ich 13 Jahre alt war, kam ich in Berührung mit Manga und Anime. Von da an hörte ich den Soundtrack meiner Lieblingsserien. Ich fühlte mich mehr von dem schwereren Sound angezogen, da ich – schon als Kind! - ein großer Iron Maiden- und Metallica-Fan war. Dadurch bin ich über X Japan gestolpert und recherchierte, was die einzelnen Mitglieder zuvor getrieben hatten... Darüber wiederum bin ich auf einige Compilation-Alben japanischen Heavy Metals der 80er Jahre aufmerksam geworden und seither daran hängen geblieben!

animePRO: Welche war die erste japanische Heavy Metal-Band, von der du gehört hattest und wie bist du auf sie aufmerksam geworden?
Julia Lion Hair: Ich würde X Japan nicht als Heavy Metal-Band bezeichnen, darum sage ich Yokosuka Saver Tiger. Ich war damals 14 und gierig nach mehr!

animePRO: Welche sind deine Lieblingsbands und warum?
Julia Lion Hair: X Japan, aus sentimentalen Gründen. Sie war die erste Band, von der ich wirklich besessen war und ich kann ihre vollständige Diskografie auswendig.
Außerdem noch Seikima II. Ich sah sie 2010 live und fortan wurde ich ihr größter Fan! Ihre Bühnenpräsenz, das Songwriting, die Hintergrundgeschichte, die Musiker... Sie sind eine perfekte Band. Außerdem verwenden sie jede Menge Humor in ihrer Musik!
Aber im Moment ist Loudness meine Lieblingsband schlechthin. Ich habe sie schon drei Mal live gesehen und es wird nie langweilig. Besonders ihre Alben bis 1992 haben einen besonderen Platz in meinem Herzen. Ich habe die Mitglieder auch persönlich getroffen - es sind die bescheidensten und nettesten Menschen, die du dir vorstellen kannst. Ich bin so ein verrückter Fan, dass ich mir ihr Bandlogo auf den Arm tätowiert habe lassen.

animePRO: Was magst du an 80er Heavy Metal-Bands lieber als an jenen aus der gegenwärtigen Zeit?
Julia Lion Hair: Heutzutage ist alles langweilig und klingt gleich. In den 70ern und 80ern herrschte eine größere „Extravaganz“, besonders in Japan! Die Leute trauten sich zu experimentieren, zum Beispiel mischten sie Glam Metal mit Thrash und es war so neuartig. Die Leute wagten es, über ihren Tellerrand hinauszuschauen und die Bühnenpräsenz war genauso wichtig wie die Musik. Heutzutage sehen die Leute auf der Bühne aus, als hätten sie sich gerade ihre Pyjamas oder so angezogen. Ich bin eine visuell orientierte Person, darum brauche ich optisch etwas Ansprechendes bei einer Show!

animePRO: Gibt es eine japanische (Metal-) Band aus der Gegenwart, die du magst?
Julia Lion Hair: Es gibt ein paar, aber nur weil sie das 80er Jahre-Feeling von damals imitieren. So wie SEX Virgin Killer oder X Hiroshima. Mir gefällt nicht, dass die gegenwärtige japanische Musik sich verhält wie eine Gussform, wodurch jede Visual Kei-Band gleich klingt.

animePRO: Gibt es einen japanischen Musiker, der, aus deiner Sicht, richtungsweisend für die Szene war?
Julia Lion Hair: Definitiv Akira Takasaki von Loudness. Er ist ein atemberaubender Gitarrist; und noch dazu der berühmteste in Asien. Die Leute in Europa wissen quasi nichts über japanische Musik, aber wenn ich mit meinem Loudness-Shirt daher komme, sagen sie alle „JA!! AKIRA!!“ Daher halte ich Akira für eine sehr wichtige Person, um japanische Musik global bekannter zu machen.
Darüber hinaus würde ich sagen, dass Dead End, COLOR, Kamaitachi und Luna Sea den heutigen Visual Kei stark beeinflusst haben. Sie brachten das visuelle Kunstverständnis in die Rockmusik mit ein. Ohne sie würde heute wahrscheinlich noch immer jeder aussehen wie ein Mötley Crüe-Mitglied.

animePRO: Du lebst in Belgien. Wie schwer ist es, dort japanische Metalmusik in physischer Form wie Vinyl oder CD zu bekommen?
Julia Lion Hair: Bands wie Loudness, Bow Wow und Earthshaker waren hier in den 80ern ziemlich bekannt, daher findest du auch heute noch mit etwas Glück Exemplare auf Plattenbörsen oder in Second Hand Shops. Bezüglich aller anderen Bands kaufe ich die Musik second hand über das Internet, von Freunden oder von Seiten wie Discogs.

animePRO: Bevorzugst du Vinyl oder CD? Gibt es für deine Vorliebe einen bestimmten Grund?
Julia Lion Hair: Vinyl. Ich liebe dieses leise Knacken der Nadel, kurz bevor die Musik beginnt. Vinyl hat einen ganz eigenen Geruch und aufgrund der Größe kommt das Cover-Artwork viel besser zur Geltung, weshalb man es detailreicher gestalten kann. Außerdem mag ich es, wie sie in den 80ern „Extras“ zu den Schallplatten beilegten, wie beispielsweise besonders große Poster oder gar Pornobilder, wie bei den frühen Guns'n'Roses-Alben.

animePRO: Was macht dich wahnsinnig, wenn über japanische (Metal-)Bands in Europa gesprochen wird? Gibt es da Missverständnisse, die du gerne aus der Welt schaffen würdest?
Julia Lion Hair: Oh Gott, ja! Wenn es zum Beispiel heißt, japanische Musik klänge immer wie Anime-Musik, nur wegen der Sprache. Das ist so ein engstirniges Denken.
Ich habe auch schon von befreundeten Musikern gehört, dass sie finden, asiatischer Metal sei so progressiv. Alles ist für sie progressiv, sobald sie es nicht klar einordnen können. Das ist der Unterschied zwischen asiatischem und westlichem Metal: Im Westen musst du zuordenbar sein. Entweder du bist Thrash oder Punk oder Speed Metal – es gibt kein Dazwischen. In Indonesien zum Beispiel haben die keinen blassen Schimmer von Genres. Alles ist für sie „Rockmusik“. In Japan war es ähnlich, alles war einfach „hebimetaru“, Heavy Metal, egal ob du Thrash spieltest oder eine Mischung aus Glam Metal und Hardrock. Leute, seid einfach offen, und analysiert die Dinge nicht zu Tode.

animePRO: Wenn es möglich gewesen wäre, in welcher Band wärst du Mitglied geworden?
Julia Lion Hair: Ich denke, ich hätte bei Show-Ya mitgemischt, einer weiblichen Rockband, die in den 80ern und frühen 90ern sehr populär war. Sie sind wie die japanische Version von Vixen, aber besser! Das bezieht sich allerdings nur auf den Stil, da ich selbst absolut unmusikalisch bin!
Aber am meisten Spaß gemacht hätte es mir in einer Punkband. Gastunk ist meine absolute Lieblingspunkband, daher wäre es Wahnsinn gewesen, mit ihnen zu spielen. Aber keine Ahnung, welche Position ich dort übernommen hätte.



animePRO: Wir bedanken uns herzlich bei dir, dass du dir die Zeit für dieses Interview mit uns genommen hast!

Autor:
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 13.04.2017
Bildcopyright: Julie Dupont, Seikima II, Loudness, Akira Takasaki, Gastunk, X Japan, Show-Ya, Dead End


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