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Wir haben uns Halloween zum Anlass genommen, euch auf ein paar dämonische Wesen, die in Japan ihr Unwesen treiben, aufmerksam zu machen. Wie ihr ein Aufeinandertreffen vermeidet und was ihr im Fall der Fälle tun könnt, erfahrt ihr in unserem Special!

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GYZE im 'Backstage' in München

 
Im Zuge einer Single-Show- und Festival-Tour beehrte das Heavy-Metal-Trio GYZE diesen August Deutschland mit drei Konzerten. Wir waren bei ihrem einzigen und bisher ersten eigenen Soloauftritt im ‚Backstage‘ in München dabei.
WICHTIG: Die hier verwendeten Bilder stammen nicht von der Show in München, sondern vom Auftritt auf dem ‚Summer Breeze‘ Festival drei Tage später. Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse in der Location steht uns leider kein Material vom eigentlichen Konzertabend zur Verfügung. Trotzdem wollen wir Euch einen Eindruck von GYZE’s Auftritten nicht vorenthalten.
Wir danken metal.de und Michael Mai ganz herzlich für die Bereitstellung der Bilder.


Gegen 19 Uhr begann der Einlass in den Clubraum des ‚Backstage‘, der Showbeginn war eine Stunde später angesetzt.
Zuvor wurde der Abend jedoch von der Münchner Pagan-Metal-Band ‚KNAAT‘ eingeläutet. Durch die Reihe oberkörperfrei und teils mit schwarzer Farbe bemalt, präsentierte das Sextett eine Stunde lang eine Mischung aus dunklem Growling und melodischem Metal und stimmte das vorwiegend männliche Publikum auf den Konzertabend ein.

So war die Stimmung bereits gut angeheizt, als ein circa viertelstündiger Bühnenumbau folgte. Demnach war es für die Musiker von GYZE unerlässlich, die Bühne schon vor der Show zu betreten, um Technik und Instrumente vorzubereiten. Insbesondere Schlagzeuger Shuji musste sich mit einem Drumset des Veranstalters arrangieren, da sein eigenes Instrument durch einen Verladefehler beim Flugtransport abhanden gekommen war.

Schließlich präsentierte sich die stilisierte, rote japanische Sonne mit dem Bandlogo im Hintergrund als Bühnendeko und gegen Viertel nach neun konnte der Auftritt beginnen.

Das Trio aus Hokkaido wurde vom Publikum herzlich in Empfang genommen und leitete seinen Teil des Abends mit dem neuen Live-Only-Song ‚Dragon Calling‘ ein. Dieser ging nahtlos in die ebenfalls neue ‚Japanese Elegy‘ über; zwei handwerklich anspruchsvolle Metal-Songs mit eindeutiger japanischer Folk-Prägung. Die richtige Konzertstimmung musste allerdings erst noch aufkommen.





Dem wirkte Sänger und Gitarrist Ryoji nun durch die erste Mikrofon-Begrüßung entgegen. Mit dem Versprechen, München zum Rocken zu bringen, forderte er das Publikum zu einem Shout & Answer für den nächsten Song auf: Er würde „German Pirates*“ rufen, die Zuhörer sollten mit „Yes we are“ antworten.

Leider wurde dieses Vorhaben durch technische Probleme beeinträchtigt: Bassist Aruta verlor die Verkabelung zum Verstärker, der Song musste unterbrochen werden.
Ryoji und Shuji entschuldigten sich und waren bemüht, die Zwangspause mit einer Instrumental-Einlage aus Gitarre und Schlagzeug zu überbrücken. Das Publikum nahm die Unterbrechung gelassen auf und fieberte bei der improvisierten Rhythmus-Kombo ausgelassen mit. Danach war die Stimmung beschwingter, der Abend konnte nun richtig in Schwung kommen.

Ein zweites Mal misslang der Einstieg in den dritten Song, was Ryoji zum Anlass nahm, den nicht besonders amüsierten Aruta ein wenig aufzumuntern: Mit der Melodie von ‚Happy Birthday‘ trällerte er ‚Don’t worry Aruta‘ – mit einem kleinen Unterschied in der letzten Zeile: Dort hieß es mit aggressivem Shout und Mittelfinger ‚F**K YOU ARUTA!‘, was sowohl Band als auch Publikum zum Lachen brachte.

Diese harsche Anklage war allerdings nur scherzhaft gemeint, und nachdem die Technikpanne endlich behoben war, gaben sich die amüsierten Bandkollegen eine Ghettofaust und konnten nun mit ‚Pirates of Upas‘ fortfahren.

Das Eis war gebrochen, fortan lockerte die Atmosphäre weiter auf. Das Publikum antwortete fleißig mit dem einstudierten Ausruf ‚Yes we are‘, und nach Ende des Songs waren die Einstiegsschwierigkeiten bereits wieder vergessen.

Der vierte Song, ‚In Grief‘, setzte den nun regulierten Ablauf der Show etwas ruhiger fort – sofern man bei den durchweg harten Metal-Riffs und Ryojis epischen Gitarrensolos, die GYZE’s Musikstil auszeichnen, von ruhiger sprechen kann.

Als fünftes folgte mit ‚Black Bride‘ der Titelsong des zweiten Albums der Band; ein Song, der sich aufgrund seiner Bekanntheit großer Beliebtheit erfreute. Auch hier war die Stimmung ausgelassen, was eine gute Grundlage für den Trash-Metal-Song ‚Trash my Enemy‘ bot.

Jetzt bildete sich in der Mitte des Showrooms ein Moshpit, es entlud sich ein Gitarrengewitter und setzte Band wie Publikum gleichermaßen unter Strom.
Mit ‚Regain‘ blieb ein Moment Zeit zum Luftholen, wenngleich das Tempo der Speed-Riffs keinesfalls abnahm. Danach gönnten sich die Musiker eine wohlverdiente, kurze Pause und wandten sich mit dankbaren Worten ans Publikum.

Sie freuen sich, ihre erste deutsche Solo-Show in München spielen zu dürfen. Mit einem „Are you ready to rock“ kündigten GYZE dann den Titelsong ihrer neuen Single an: ‚The Rising Dragon‘ sei eine Mischung aus Heavy Metal und traditionellen japanischen Folk-Elementen. Damit sollten sie recht behalten; der Song wurde mit erhobenen Armen und mitfiebernden Shouts wohlwollend aufgenommen.





Als Neuntes folgte ein technisch anspruchsvollerer Song, ‚Kamui‘. Hier beschränkte sich das Publikum eher auf gebanntes Zuhören und ließ das epische Gitarrenspiel auf sich wirken – natürlich nicht gänzlich ohne Headbangen.

Dafür nahm ‚The Bloodthirsty Prince‘ von ganz alleine wieder mehr Schwung auf: Im Publikum bildete sich ein Circle Run, und auch die nicht beteiligten Fans zeigten sich in Feierlaune.

Als letzter Song der regulären Spielzeit gelang mit ‚Mayoi‘, einem reinen Instrumental, der ruhigste Song des Abends. Sowohl Publikum als auch Musiker konnten circa drei Minuten aufatmen und die Konzertatmosphäre ein letztes Mal genießen; abschließend verneigten sich Ryoji, Shuji und Aruta und verließen für eine erste Pause die Bühne.

Doch selbstverständlich war die Show noch nicht vorbei: Allein die Tatsache, dass Ryoji und Aruta Gitarre und Bass erst gar nicht abgelegt hatten, versprach eine Zugabe. Sobald die Rufe der Fans danach laut wurden, stimmte der immer noch verkabelte Ryoji aus dem Backstage-Bereich seine Speed-Metal-Interpretation von Beethovens ‚Mondscheinsonate‘ an.

Nach nicht einmal fünf Minuten Pause kehrte Shuji als Erster auf die Bühne zurück und heizte dem Publikum mit einer Eigeninterpretation eines Schlagzeug-Solos zum Darth-Vader-Theme aus ‚Star Wars‘ ein, was für Amüsement sorgte. Das Publikum war sofort wieder eingestimmt, jetzt kehrten Ryoji und Aruta ebenfalls auf die Bühne zurück.

Für den bereits dreizehnten Song des Abends wandte sich Ryoji erneut ans Publikum: „Do you want some upspeed metal?“ Damit ging die Aufforderung zu einem erneuten Circle einher, die gutgelaunt aufgenommen und lebhaft in die Tat umgesetzt wurde.




Nach dieser für Musiker und Publikum anstrengenden Einlage bot ‚Day of the Funeral‘ eine kurze Verschnaufpause und zeitgleich einen Ausklang der ersten Zugabe.
Erneut verschwanden GYZE für einige Augenblicke hinter die Bühne, ließen sich jedoch nicht lange ein drittes Mal bitten. Schon sichtlich angestrengt, begehrten die Musiker mit einem ihrer ältesten Songs auf: ‚Desire‘ darf als Evergreen auf keinem Auftritt fehlen.

Die melodische Speed-Metal-Nummer hätte das Konzert schon vollwertig ausklingen lassen können; doch ganz waren die Ritter des Nordens mit ihrem Publikum noch nicht fertig. Als sechzehnter und endgültig letzter Song folgte mit ‚Northern Hell Song‘ der Titelsong der dritten LP.

Ein letztes Mal gaben die headbangenden Fans alles, und während eines lang andauernden Gitarrensolos verließ Ryoji sogar die Bühne und kletterte in den Showroom hinunter. Das Publikum ließ ihn gewähren und durfte sich einer hautnahen, eindrucksvollen Performance erfreuen.

Nachdem die letzten Akkorde verstummt waren, verabschiedeten sich GYZE ausgelassen von ihren Fans: Es regnete Gitarrenplektren und Schlagzeugstöcke, Wasserflaschen und sogar Zettel mit der Setlist wurden ins Publikum gereicht. Die Runde löste sich nach und nach auf, doch bevor die Fans die Location verlassen konnten, kündigte ein Staff an, es würden in ein paar Minuten am Merch-Stand noch CDs verkauft und von den Musikern signiert werden.

Das ließen sich die Fans nicht zweimal sagen, und die nächste Dreiviertelstunde schrumpften zwei hohe Stapel der neuen Single ‚The Rising Dragon‘ zusehends dahin. Währenddessen bot sich den Fans die Gelegenheit, noch einige Worte mit den Mitgliedern von GYZE zu wechseln; auch Selfies verweigerten die Musiker nicht.
Gegen halb zwölf fand schließlich ein langer Heavy-Metal-Abend ein entspanntes und wohlverdientes Ende.




Sieht man über einige Technikprobleme, die neben gelösten Verkabelungen auch die Lautstärkeregelung betrafen, hinweg, ist es GYZE gelungen, einem überschaubaren, doch eingefleischten Publikum einen lebhaften Konzertabend zu bieten.
Trotz der harten Mischung aus Speed-, Power- und Trash-Metal sowie einer Reihe epischer Gitarren- und Schlagzeug-Solos sind die selbsternannten Schneepiraten aus Sapporo keineswegs kalte Typen: Mit einer energetischen, aufgeheizten Show auf der Bühne, mit herzlich-warmer Freundlichkeit im persönlichen After-Show-Gespräch ist jeder GYZE- und Heavy-Metal-Fan ganz auf seine Kosten gekommen.


Set list:
1. Dragon Calling
2. Japanese Elegy
3. Pirates of Upas
4. In Grief
5. Black Bride
6. Trash my Enemy
7. Regain
8. The Rising Dragon
9. Kamui
10. The Bloodthirsty Prince
11. Mayoi

12. Darth Vader march – drum solo
13. Final Revenge
14. Day of the Funeral

15. Desire
16. Northern Hell Song


(*Anm. d. Red.: Dies ist eine Abänderung einer Zeile aus dem Song ‚Pirates of Upas‘, wo es heißt „Snow Pirates yes we are“)
Autor:
Lektor: Anja Degenhardt
Grafiker: Denise Augustin /  Sunny-Ray
Datum d. Artikels: 30.08.2018
Bildcopyright: metal.de / Michael Mai


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