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Yōkai, Fantasy und moppelige Katzen: Mit leuchtenden Pastellfarben probiert sich Carolilly durch verschiedene Techniken. In unserem Artist Alley-Interview stellen wir sie euch vor!

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D live in Hamburg 2011

 
Düster, sexy, abwechslungsreich. Leicht wie eine Feder bis in die tiefen Abgründe der Seele, von tiefen dunklen Tönen hinauf in die schier endlosen Höhen des stimmlichen Ausdrucks – das sind D, die auf ihrer ersten Europatour mit dem klangvollen Titel „Vampire Saga – Path of the Rose“ auch am 11. Mai 2011 das Hamburger Logo in Deutschland besuchten.
Das Logo ist eher ein sehr kleiner, bescheidener Club, in den mit sehr viel gutem Willen knapp 500 Leute hineinpassen. So gemütlich das klingt, hat das doch einige Nachteile: Die Pfeiler mit den Tischen mitten im Raum sehen zwar sehr schön aus und sind recht praktisch (zumal man dort seine Getränke abstellen kann), behindern aber enorm die Sicht, wenn man etwas weiter hinten steht. Die Bühne war nicht einmal einen viertel Meter hoch und da das Schlagzeug nicht erhöht stand, ging der Schlagzeuger leider ebenfalls unter – und das sogar, wenn man etwas vorne stand, maximal von der Seite konnte man einige Blicke auf ihn erhaschen.
Durch den geringen Abstand zwischen Bühne und Publikum und gerade weil die Bühne auch nicht besonders hoch ist, wird allerdings auch eine sehr starke Nähe zwischen der Band und dem Publikum geschaffen, ein Umstand, den D an diesem Abend noch häufig zu Nutzen wussten. Das Publikum war überraschend gut gemixt. Nicht nur wurde das typische Klischeebild, dass vor allem junge Mädchen solche Konzerte besuchen würden dank der Vielzahl an Männern entkräftet, nein, auch Personen (Fans?) jenseits der 20 oder 30 begegnete man an dem Abend nicht zu knapp.

Pünktlich um 20 Uhr begann das Intro: Nacheinander betraten Schlagzeuger Hiroki, Bassist Tsunehito, die Gitarristen Hide-Zou und Ruiza die Bühne, gefolgt von Sänger Asagi, der auch sogleich den Abend mit „König der Dunkelheit“ einleitete und das Publikum zum Tanzen einlud. Wie auch im PV packte Asagi bei „Hana Madoi“ seine Peitsche aus, mit der er vorsichtig auf der Bühne ein wenig ausholte und laszive Bewegungen mit ihr vollführte. Doch nicht nur Asagi wusste das Publikum gut zu unterhalten, auch Ruiza glich einem Wirbelwind, der auf der rechten Seite über die Bühne fegte, immer wieder an den Rand der kleinen Bühne tänzelte und sich ins Publikum lehnte, um Hände abzuklatschen. Selbst Fans auf der linken Seite konnte seine Wildheit begutachten, wenn mal wieder seine Haare beim Headbangen nur so durch die Gegend flogen, als hätten sie ein Eigenleben.

Anschließend wünschte Asagi mit seiner eigenwilligen tiefen Stimme nicht nur einen guten Abend, sondern stellte auch noch „Wir sind D“ fest, bevor er zu englisch wechselte und das Publikum in der Welt von D willkommen hieß. Nach einigen Floskeln, bei denen das Publikum begeistert schrie, hieß es „Let’s Rock!“, worauf die Fans nur gewartet haben und weiter ging es mit „Schwarzschild“, einem recht eigenwilligen Song, bei dem sich melodische E-Gitarrenklänge und von der Band gemeinsames energisches ebenso schnelles wie kurzes Singen abwechseln und das Bild einer düsteren, vergangen Landschaft erzeugen, bis Asagi mit seiner dunklen Stimme das Publikum wieder einlullt. Gerade der Wechsel zwischen Asagis fast schon bedächtigen Gesang und den schnellen Rhythmen, wenn die gesamte Band singt, nimmt einen gefangen und erzeugt einen Strudel der Gefühle, aus dem man gar nicht mehr entkommen will, bis der Song plötzlich langsam ausklingt und Asagis Stimme zunächst die Höhen der Tönleiter erklimmt, bevor sie sanft wird, nur noch begleitet von einer einzelnen Gitarre. Bassist Tsunehito steht völlig reglos da, in einer eleganten Pose, fast wie eine hübsch anzusehende Statue, die als dekoratives Element auf die Bühne gestellt wurde, was durch sein puppenhaftes Äußere noch verstärkt wurde. Dass er die Kunst der hübschen wie formvollendeten Posen und Bewegungen nahezu perfektioniert hat, stellte er an dem Abend mehrere Male unter Beweis, ein Schauspiel, das man auf einem Rockkonzert nicht unbedingt häufig zu sehen bekommt.

Mit dem nächsten Song folgt gleich ein Bruch, als „Underground Road“ gespielt wird, bei dem viel Shouten eingesetzt wird und das hervorragend zum Headbangen oder der leichteren Version, bei welcher der gesamten Oberkörper nach vorne und nach hinten wippt, einlädt. Der Refrain dagegen besticht schon nahezu durch seine Helligkeit und Klarheit. In sich kontrastreiche Songs sind ein Markenzeichen der Band, was die Fans lieben und das Konzert überaus interessant machen, sodass es sehr schade ist, dass die Akustik nicht allzu gut war. Befand sich Asagi in den höheren Sphären wie bei der Ballade „Muku naru Bara no Inori“ tat das nicht selten denjenigen Fans, die am Rande standen weh, was ein Jammer ist, da Asagi den Wechseln zwischen hohen und tiefen Tönen nicht nur perfekt beherrscht, sondern sie auch selbst hervorragend halten und rhythmisieren kann.

Weiter ging es mit rockigeren Songs, wie „In the Name of Justice“, wo man neben dem Tanzen auch wunderbar shouten kann, wobei Asagi das Publikum nur zu gern dazu anstiftete und das Mikrofon ins Publikum hielt. Interaktion mit dem Publikum war ohnehin für die Band sehr wichtig, während Ruiza fast schon wie ein Flummi auf der rechten Seite hin und her sprang und man sich fragte, wann der Mann überhaupt Zeit fand Gitarre zu spielen, lehnten sich auch Tsunehito und Hide-Zou mehr als nur einmal ins Publikum um Hände abzuschlagen, lächelte ihre Fans an oder warfen ihre Pleks ins Publikum. Vor allem Tsunehito war ein richtiger Animateur, der den Fans auf der linken Seite zeigte, was sie jetzt machen sollten. Ab und an verschwand einer von ihnen – so zumindest sah es von hinten aus, doch tatsächlich spielten sie fast am Boden für die Fans in den ersten Reihen, um zu zeigen, was sie noch so alles können. Die einzelnen Mitgliedern blieben aber nicht nur statisch an ihren Plätzen stehen, gerade bei Gitarrensoli passierte es nicht selten, dass sich vor allem Ruiza in der Mitte präsentierte und sich für sein Können feiern ließ. Auch das schon fast typische Anbändeln zwischen Sänger und linkem Gitarristen in der Visual Kei Szene bekamen die Fans als Service dazugereicht. Natürlich steckten Tsunehito und Hide-Zou da nicht zurück, stellten sich gern gegenüber oder Rücken an Rücken, um zusammen zu spielen und den Fans entzückte Schreie zu entlocken.

Ganz plötzlich verließen jedoch alle Mitglieder bis auf Hiroki die Bühne. Leute im Publikum, die zum ersten Mal ein Konzert sahen, wirkten sehr irritiert, bei den Fans hingegen begannen sofort die Hiroki-Hiroki Gesänge, die vom rhythmischen Klatschen begleitet wurden.
Es dauerte nicht lange, bis Hiroki zu trommeln anfing, einmal von links nach rechts und zurück, die Becken dabei nicht auslassend und sein Drumsolo „Taiko no kiba“ einleitete. Während er seinen Rhythmus fand, den er mehrmals während des Solos variierte und auch beschleunigte, wurde er begeistert vom Publikum gefeiert, folgte ein Schlag aufs Becken, schrieen sie laut, ein Schauspiel, das sich mehrmals wiederholte, einige schrieen dabei auch laut Hirokis Namen. Anschließend trommelte er in einem noch schnelleren Rhythmus weiter, mal von einer Seite zur anderen, mal kreuz und quer, mal ohne den Einsatz der Becken, mal mit. In einem kleinen Intermezzo gab er dem Publikum einen Klatschrhythmus vor, den es auch begeistert nachmachte und weiterführte, während er schon wieder hinter seinem Schlagzeug abgetaucht war und weiter spielte. Während des Spiels tauchten auch Ruiza, Hide-Zou und Tsunehito wieder auf, die ihre Gitarren anklingen ließen. Ruiza ließ es sich nicht nehmen in Asagis Abwesenheit mit den Fans in einem Mix aus Englisch und Japanisch zu kommunizieren. Bis er „I say Go, you say Go!“ meinte und das kleine Experiment sofort ausprobierte, wobei die Fans natürlich begeistert folgten. Auch das „Are you ready?!“ fehlte nicht, bevor es mit den „Go!“ Rufen weiterging. Ruiza mit seinem breiten glücklichen Grinsen im Gesicht gefiel sich sehr in seiner Rolle als Entertainer, der die Massen animieren sollte, wenngleich in seine „GoGo“-Rufe auch die anderen beiden auf der linken Seite öfter reinmischten. Dennoch wirkte er schon fast traurig, als Asagi die Bühne betrat und er seinen Platz in der Mitte wieder räumen musste, damit der Sänger wieder die Führungsrolle übernehmen konnte.

Schon kurz darauf erklangen die orientalisch anmutenden Klänge von „Desert Warrior“. Der Song erinnert stark an arabische Nächte und man hat schon fast erwartet, dass Feuer aus dem Boden schießen oder hübsche Tänzerrinnen die Bühne stürmen würde (was natürlich nicht geschah), dafür wurde umso mehr geshoutet, einzeln und zusammen mit den Fans, die exotischen Klänge wirkten dabei schon fast eher wie Hintergrundmusik. Es mag an der Akustik der Halle gelegen haben oder tatsächliche Absicht gewesen sein, jedoch wirkte der Song, der auf CD sich überaus faszinierend anhört, an dem Abend doch sehr disharmonisch, wenngleich er vom Publikum sehr gut aufgenommen wurde. Tsunehito schien der Song ohnehin besonders gut zu gefallen, da er sich noch mehr als zuvor ins Zeug zu legen schien und nicht unschuldig an der Begeisterung auf der linken Seite gewesen sein durfte.

Bei der nächsten kleineren Pause zog Asagi plötzlich zwei Flaggen hervor und rief „Rise the flag!“. Für die Fans war bereits klar, welcher Song als nächstes gespielt wird und eifrig kramten sie ihre gekauften (oder mitgebrachten) Flaggen hervor, einmal schwarz mit einem orangefarbenen D und einmal orange mit einem schwarzem D drauf. Für diejenigen, die nicht wussten, welcher Song als nächsten folgen sollte, kündigte Asagi „Nightship D“ an. Allerdings begann der Song nicht sofort, stattdessen gab der Sänger ein Wort auf japanisch vor, bei dem die Fans mit einem anderen antworten sollten. Als er dafür die Mithilfe seiner Bandmitglieder erbat, bekam er zunächst keine Reaktion – zumindest Hide-Zou und Tsunehito waren viel zu vertieft in das Publikum, wie sie ihnen ihre Flaggen präsentierten. Erst nach einigen Sekunden bekamen sie mit, dass sie angesprochen worden waren und stimmten mit ein. Nach zwei Übungen war aber auch genug und „Nightship D“ konnte endlich beginnen, wobei Asagi mit den Flaggen oftmals die Bewegungen vorgab, die die Fans enthusiastisch mitmachte.
Anschließend ging es mit den düsteren Anfangsklängen und vielen Geshoute von „Day Walker“ weiter, das im Refrain viel leichter daher kommt, aber immer wieder mit der düsteren Eingangsmelodie der E-Gitarre durchzogen ist.
Fast nahtlos erklang im Anschluss das Intro von „Yami Yori Kurai Doukoku no Acapella to Bara Yori Akai Jounetsu no Aria“ (einem wahrem Endlostitel!), bei dem Asagis Gesang doch sehr stark etwas Opernartiges anhaftet. Wieder einmal macht man dabei im wahrsten Sinne des Worte die Höhen und Tiefen von Asagis Stimmenumfang mit. Gerade der Anfang, wo er sich in den tieferen Sphären bewegt und die Gitarren einem schnellen Rhythmus folgen, drängt sich das Bild einer Gefahr auf, ähnlich wie in Videospielen, wo man plötzlich verfolgt und durch den Wald gejagt wird. Das Shouten zwischendurch hebt dieses Bild nicht unbedingt auf, durch seine Verzerrtheit verstärkt es eher den Eindruck, dass man es in diesem Bild mit einem Irren zu tun hat. Asagis hoher Gesang erweckt dagegen schon fast die Empfindung, dass man letztlich verloren und einsam ist. Ein Song von den D, der unter die Haut geht und den man unbedingt mal live gehört haben sollte.

Erst an dieser Stelle stellte Asagi die Bandmitglieder vor und verlangte, dass der Name des jeweiligen Member laut gerufen werden sollte. Angefangen mit Hiroki ging es weiter zu Tsunehito. Bei beiden schrie das Publikum mehr einfach nur begeistert als wirklich den Namen desjenigen zu nennen, etwas, was Hide-Zou zu wenig war und der vehement verlangte, dass sein Name gerufen wurde. Und wenn er so darauf besteht, können doch die Fans nicht anders als seinen Namen zu rufen, oder? Weiter ging es mit Ruiza, der gleich noch ein kleines Gitarrensolo zum Besten gab. Asagi stellte sich allerdings nicht selbst vor, sondern sagte lediglich „And me?“, worauf die Fans natürlich die passende Antwort wussten.

Mit „7th Rose“ endete dann der erste Teil des Abends. Die Mitglieder warfen noch reichlich Pleks ins Publikum, unzählige Hände wurden geschüttelt und fleißig gewunken, von den Fans einzelne Namen ihrer Lieblingsmitglieder immer und immer wieder gerufen, aber schließlich verschwanden D komplett von der Bühne. Es dauerte nur wenige Augenblicke bis die „Encore“ (Zugabe)-Rufe einsetzten. Sehr lange ließ sich die Band auch nicht bitten, sondern kam zurück – zunächst wieder ohne Sänger Asagi.
Diesmal ergriff jedoch nicht Ruiza die Initiative, sondern Hide-Zou, der sich einen Spaß daraus machte, langsam auf deutsch von eins bis neun zu zählen (und die Fans mitzählen zu lassen), nur um dann mit einem Grinsen und einem „Okay!“ aufzuhören. Asagi kam unter lautem Gekreische auf die Bühne zurück und sagte auf Deutsch „Ich liebe euch!“. Der nächste Song „Guardian“ wurde mit einem „Everybody JUMP!“ eingeleitet und nicht nur die Fans, sondern auch die Member hüpften fleißig, bevor es zu Shouten und jeder Menge Headbanging überging. Der letzte Song des Abends sollte aber „Yami no kuni Alice“ sein, ein recht fröhlicher Abschluss für einen sonst so im positiven Sinne düsteren Abend mit einer ganzen Bandbreite des musikalischen Schaffens der Band.
Ein letztes Mal wurde sich verabschiedet, Pleks und auch Drumsticks ins Publikum geworfen, mit den Fans kurz geschäkert und die Hände abgeklatscht, Hiroki verbeugte sich noch einmal tief vor seinen Fans und verschwand dann ebenfalls von der Bühne, während leise im Hintergrund das Outro „Eden“ gespielt wurde.

Während einige Fans noch den Boden nach Plektren absuchten, wuselten manch andere noch zum Merchandisingstand, der einige Zeit später der Ort der Autogrammstunde werden sollte. Verschwitzt aber glücklich, so war das einheitliche Bild des Publikums an diesem Abend und der ein oder andere überlegte bereits nicht doch zu einem weiteren Konzert der Band, nach Köln oder München, zu fahren. Bei dieser großartigen, mitreißenden Performance an diesem Abend war dieser Gedanke alles andere als abwegig, im Gegenteil wünschte man sich doch glatt eine weitere Tour im nächsten Jahr. Oder am besten noch dieses. Für Fans des etwas härteren düsteren Rock ist D definitiv die richtige Band, die auch live mehr als nur überzeugen kann. Sollte die Band wieder einmal durch Europa und Deutschland touren kann man nur eines empfehlen: Geht unbedingt hin!


Setlist:

01. Der König der Dunkelheit
02. Taiyou wo okuru hi
03. Hana Madoi
04. Schwarzschild
05. Underground Road
06. Muku naru bara no Inori
07. In the name of Justice
08. Drum Solo – Taiko no Kiba
09. Drum + Guitar + Bass
10. Desert Warrior
11. Tsuki to umi no seiyaku
12. Quartet~mayonaka no shijuusou
13. Nightship D
14. Day Walker
15. Yami Yori Kurai Doukoku no Acapella to Bara Yori Akai Jounetsu no Aria
16. Toki no koe
17. 7th Rose ~Return to Zero~
18. 7th Rose

Encore
19. Guardian
20. Yami no kuni Alice
Autor: /  TonaradossTharayn
Lektor: Regina Liebersbach /  Chimi-mimi
Grafiker: Jenny Goldbach
Datum d. Artikels: 25.05.2011
Bildcopyright: D, Avex


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