Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Es ist schon zur Tradition geworden, euch in der Vorweihnachtszeit ein paar Anregungen zwecks Geschenkideen zu machen. Und so hat unsere Redaktion auch diesmal wieder die Veröffentlichungen des langsam ausklingenden Jahres Revue passieren lassen und präsentiert euch hiermit schenkwürdige Titel...!

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Interview mit Haruka

 
Dieses Interview mit Haruka ist ein Gastbeitrag von Simone Bauer, die die Sängerin in Harajuku treffen durfte.
Herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung deines neuen Albums „Unite!“ – wie fühlte es sich an, es zum ersten Mal in Händen zu halten?

Ich bin wirklich froh, dass es endlich fertig ist! Seit dem vorherigen Album „Anthems“ sind drei Jahre vergangen und „Unite!“ hat lange gedauert, fertig zu werden. Nun kann ich es kaum erwarten, es zu promoten und mit den Leuten auf der ganzen Welt zu teilen!




Für dieses Interview haben wir dich im Proberaum für dein Konzert am 13. November im Harajuku Crocodile erwischt – wie ist es für dich, mit einer Band auf der Bühne zu stehen, verglichen mit deinen Solo-Auftritten auf der Berliner Anime Messe dieses und letztes Jahr?

Alleine aufzutreten macht natürlich Spaß, aber mit einer Band ist es noch viel aufregender. Wir müssen allerdings genauer proben, da jede Person einen Song anders interpretieren kann. Wir unterhalten uns viel im Studio, wohin wir mit dem Song gehen wollen. Der Prozess ist schwierig, aber gleichzeitig macht es Spaß, weil da diese magische, musische „Chemie“ zwischen uns ist, die ich niemals habe, wenn ich alleine arbeite. Der Sound ist dynamischer, wenn ich alleine auftrete, und das gefällt mir sehr. Ich bin nie mit einer Band außerhalb Japans aufgetreten, es wäre also super, wenn ich das irgendwann einmal in Deutschland könnte.


Du hast für eine Weile in einem Büro gearbeitet und darüber „Goodbye! My Office“ geschrieben. Hat diese Erfahrung dir geholfen, deine eigene Plattenfirma zu starten?

Ja, sehr! Während ich dort gearbeitet habe, konnte ich in der Firma die „Grundlagen“ eines Geschäfts erlernen, wie man Geschäftsmails schreibt und Microsoft Excel benutzt! Um ehrlich zu sein, der Job hat mich nicht wirklich erfüllt, aber im Rückblick hat er mir viel beigebracht und dafür bin ich sehr dankbar. Als Plattenlabelbesitzerin mache ich immer noch fast alles selbst. Das bedeutet viele Aufgaben, wie Steuererklärung, Vertragsverhandlungen und Veranstaltungsbooking. Ich glaube, ich bin dazu fähig, all das zu handeln, weil ich diese Erfahrungen in meinem Firmenjob hatte.


Dein neues Album ist eine starke J-Rock-Platte, was ungewöhnlich für eine Künstlerin ist. Hast du weibliche Vorbilder?

Es gibt tatsächlich keine speziellen weiblichen Vorbilder, zu denen ich aufsehe. Meine ersten Lieblingsbands waren Dragon Ash, Rize, Drug Store Cowboy und Siam Shade. Rize hatten eine weibliche Bassistin, aber mit Ausnahme von ihr sind nur Typen in diesen Bands. Ich weiß nicht, warum mich männliche Musiker mehr beeinflussen! Viele Menschen sagen, dass mein musikalischer Stil ein wenig anders und rar für eine weibliche Musikerin ist. Wenn man von weiblichen Singer/Songwritern spricht, stellen die Leute sich meistens eine Frau mit einer Akustikgitarre vor – das ist der heutige Stereotyp, nicht wahr?


Leider ja! Die Lyrics deines neuen Albums sind sehr kritisch im Bezug auf die heutige Gesellschaft. Hast du einen Wunsch, wie wir eine bessere Zukunft erreichen können?

Ich möchte, dass diese Welt friedlicher wird. In den letzten Jahren spürte ich einen starken Drang, über soziale Probleme durch meine Musik zu sprechen. Viele Terrorattacken haben stattgefunden und es finden Kriege statt. Ich denke, einige Menschen vereinen sich auf eine negativen, destruktiven Art zurzeit. Darum passieren auch so viele organisierte Verbrechen überall auf der Welt. Allerdings denke ich, wir sollten nicht in Angst leben und uns mit positiver Kraft vereinen, um der Situation die Stirn zu bieten. Ich glaube, dass wir uns auf positive und kreative Dinge fokussieren sollten, so wie Kunst, Bildung, Entertainment und Charity – dann wird die Welt sich zum Besseren verändern. Ich hoffe meine Musik wird ihren Teil dazu beitragen, zumindest ein bisschen.





Und was passiert in deiner nahen Zukunft?

Ich habe einige Shows Übersee geplant und überlege, noch mehr zu booken. Ich kann es nicht erwarten, sie zu verkünden! Ich glaube nicht, dass ich nächstes Jahr ein neues Album veröffentlichen werde, aber ich habe bereits einen neuen Song ausgesucht, den ich gerne als Single herausgeben möchte.


„The Song of Smartphones“ erzählt eine wirklich komplexe Geschichte. Wie lange arbeitest du normalerweise an einem Song?

Mein Songwriting-Prozess und die Zeit dafür sind jedes Mal unterschiedlich. Als ich „The Song of Smartphones“ schrieb, hat es ein paar Stunden gedauert, bis mir die Musik einfiel. Der Text dauerte nicht so lange – vielleicht eine Stunde. Immer, wenn ich zu viel nachdenke oder zu viel Zeit mit dem Songschreiben verbringe, wird das Ergebnis nicht wirklich besser. Ich glaube, das Wichtigste sind die Inspiration und die schnelle Verarbeitung.


Das Albumcover von „Unite!“ sieht ziemlich toll aus – und du arbeitest mit einer Stylistin für deine Looks. Wie wichtig ist dir Mode?

Mode spielt eine wichtige Rolle in meiner Kunst. Ich erzählte meiner Stylistin das Konzept und die Botschaft des Albums und gemeinsam haben wir diskutiert, was ich tragen sollte. Wir bestellten das Shirt, das „Unite!“ aufgedruckt hat, und liebten es wirklich. Die Botschaft des Albums ist es, stark und selbstbewusst zu bleiben und das sollte das Outfit auch ausdrücken. Jetzt verkaufe ich dasselbe Design auch als Merchandise auf Veranstaltungen! Das Hauptkonzept des Albums ist es, die Welt durch die Musik zu vereinen, also wäre es toll, wenn wir alle dasselbe Shirt auf meinen Shows tragen. Das würde uns noch mehr vereinen!


Und wie war es, das Musikvideo zum Leadtrack „Carry On!“ zu drehen?

Es hat viel Spaß gemacht! Es war das erste Mal, dass ich mit dem Schlagzeuger und dem Gitarristen gearbeitet habe, aber sie haben den Song sehr gut verstanden und ihn perfekt performt. Das Einzige, das ich bereue, dass wir die Szenen, die wir draußen gedreht haben, aufgeben mussten. Es war zu dunkel und sie waren im Ergebnis nicht so, wie erwartet, also entschieden wir uns dagegen, sie zu benutzen. Ich hätte gerne in der Zukunft einen weiteren Dreh draußen.


Du hast „Mune ni Kibō o“ geschrieben, das als zweites Opening für Blue Dragon genutzt wurde. Wie ist es dazu gekommen?

Ich hatte es schon geschrieben, bevor es von den Anime-Erfindern entdeckt wurde. Sie mochten den Song und dachten, er würde zu ihrer Geschichte passen, also haben sie ihn als Anime-Opening ausgewählt. Es war eine große Ehre, denn „Blue Dragon“ war eine sehr beliebte Anime-Serie und auch, wenn es meine erste Single war, entschieden sie sich dafür. Nicht viele Künstler haben die Möglichkeit, zu Beginn ihrer Karriere für einen Anime zu singen, also denke ich, hatte ich sehr viel Glück.


Hast du eine Nachricht für deine deutschen Fans?

Es war eine große Freude, zwei Jahre hintereinander in Berlin aufzutreten, dieses Jahr und letztes! Das ging nur durch eure Unterstützung. Vielen Dank! Ich war wirklich froh, euch alle wiederzusehen. Ich hoffe, ich kann bald zurück nach Berlin kommen und die Chance haben, in weiteren Städten in Deutschland aufzutreten. Bis bald! (Anmerkung der Redaktion: auf Deutsch geschrieben) „Danke fürs Lesen.“
 
Wir danken Simone für dieses Interview.
Wenn ihr mehr von der Autorin und Journalistin lesen oder sehen wollte, dann findet ihr sie auf Twitter oder unter "howmanyheartaches" auf Instagram.
Lektor: Roberto Czumbil /  RobbPlus
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 04.12.2017
Bildcopyright: Haruka / Simone Bauer


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