Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Seit dem 15. Februar ist der Debütroman "Jeder geht für sich allein" von Chisako Wakatake auf dem deutschen Buchmarkt erhältlich. Wir haben ihn uns einmal angeschaut und stellen euch den Titel hiermit vor.

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Miyavi im Interview

 
Vor dem Konzert stand uns Miyavi zu einem Interview bereit. Er sprach über seine Tour, seine Rolle als Vater und von dem großen Leid, das Japan vor einigen Wochen traf.
animePRO: Hallo Miyavi. Als allererstes möchten wir uns für die Möglichkeit bedanken, dich zu interviewen.
Miyavi: Ja klar, jederzeit.

animePRO: Sag, wie fühlst du dich?
Miyavi: Ich bin noch müde. Ich habe eine großartige Zeit auf dieser Tour, mit dem enthusiastischen, verrückten Publikum in Europa.

animePRO: Ist es schön in Europa zu sein und hier zu spielen?
Miyavi: Ja, ich liebe es wirklich. Dies ist das dritte oder vierte Mal, dass ich hier spiele.

animePRO: Und wie läuft die Tour so? Alles klar soweit?
Miyavi: Ja, alles läuft wie geplant.

animePRO: Also keine Probleme?
Miyavi: Nun gut, es gibt einen Haufen Probleme, aber die interessieren uns nicht. Wir lassen uns davon nicht stören oder aufhalten. Wir überstehen es, wir müssen stark sein. Man braucht diese Stärke und Kraft, um als internationaler Künstler Bestand zu haben. Ich will mich davon nicht aufhalten lassen.

animePRO: Man muss das Problem lösen und wenn es überstanden ist, ist es gut und dann macht man weiter.
Miyavi: Es ist genau wie im Leben. Du kannst Problemen nicht immer aus dem Weg gehen. Es ist einfach nicht möglich. Man muss daran glauben sie zu überstehen, sich selbst und sein Leben genießen, auch wenn Dinge passieren, die man nicht will oder die man nie erwartet hätte.

animePRO: Die Hälfte dieser Europa Tournee ist nun schon vorbei. Was sind deine Eindrücke, was hast du gesehen oder erlebt? Was hat dich beeindruckt?
Miyavi: Das Eindrucksvollste was ich erlebt habe… nun gut, bevor ich diese Tour startete, trafen ein großes Erdbeben und ein Tsunami Japan. Es ist eine riesige Katastrophe. Es ist eine große Sache. Meine Freunde, die in den Katastrophengebieten leben, leiden immer noch unter den Auswirkungen und versuchen damit klar zu kommen. Für mich war es ebenfalls eine harte Zeit, ich entschied mich, meine Familie und meine Freunde zurück zu lassen.

animePRO: Ist es für dich in Ordnung, darüber zu reden?
Miyavi: Ja, sicher. Das ist der Grund warum ich hier bin. Das ist der Grund, warum ich dieses Interview machen wollte. Als das Erdbeben passierte, war ich in Tokio und habe mir immer und immer wieder überlegt, ob ich in Japan bleiben soll oder ob ich diese Tour starte. Es gibt eine ganze Menge Projekte von „Miyavi“, die alle gleichzeitig laufen. Wir haben also dieses Projekt an erste Stelle gesetzt, es ist ein großes, weltweites Projekt von „Miyavi“ und ich fühlte, dass es das ist, was ich machen kann, was ich machen sollte. Auf dieser Tour haben wir Spendenboxen für das Rote Kreuz aufgestellt und wir sammeln Stimmen der Hoffnung von den Fans und laden sie auf die Webseite hoch und können so vielleicht den Menschen und Opfern in den Katastrophengebieten helfen. Wir beten für Japan und ich bin sehr beeindruckt, wie die europäischen Fans versuchen, sich in das Projekt einzubringen. Es ist erstaunlich wie sehr sie Japan lieben und respektieren. Das ist mein beeindruckenster Eindruck dieser Tour.

animePRO: Es ist ein gutes Gefühl, wenn man sieht, dass sich Menschen, auch wenn sie nicht viel geben können, versuchen zu helfen. Auch wenn sie keine Japaner sind.
Miyavi: Sicher, das Erdbeben und der Tsunami sind Naturkatastrophen, mit denen haben die Japaner und Japan schon lange zu kämpfen, aber atomare Verseuchung beschädigt das komplette Ökosystem. Das betrifft nicht nur Japan, es ist ein weltweites Problem. Wir müssen nun alle zusammen diesem Problem entgegentreten, um eine Zukunft zu ermöglichen, selbst nachdem wir gestorben sind. Es ist auch wichtig für unsere Kinder und die nächsten Generationen. Wir sollten über unseren Lebensstil, über unsere Industrie nachdenken. Bei einem einzigen Konzert benutzen wir Unmengen von Elektrizität, egal ob es Atomenergie oder was auch immer ist. Wir benutzen enorme Mengen an Ressourcen dieser Erde.

animePRO: Du bist also gegen Atomenergie?
Miyavi: Ja, ja auf jeden Fall. Aber zur gleichen Zeit benutzen wir auch Notebooks und Maschinen alle Art. Es ist wirklich ironisch, aber ich bin dankbar für diese Dinge. Ich weiß, dass man nicht alles von heute auf morgen ändern kann, aber man muss versuchen, es Stück für Stück zu schaffen.

animePRO: Versuchst du „Grünen Strom“ für deine Konzerte zu bekommen?
Miyavi: Nein, es ist nicht möglich. In Japan ist es schwer, aber so ist das eben. Wir versuchen es Schritt für Schritt besser zu machen. Wir wollen diese atomare Energie loswerden.

animePRO: Hast du Kontakt zu deiner Familie und Freunden in Japan?
Miyavi: Ja sicher. Es geht ihnen soweit allen gut und sie sind im Moment in Sicherheit. Aber die Lage in Tokio ist immer noch instabil. Vor einigen Stunden gab die Regierung ein Statement heraus, nach dem radioaktives Wasser ausläuft und das ist ein großes Problem. Auch wenn sie sagen, dass die Radioaktivität nicht hoch sei. Wir müssen uns auch dieser Sache stellen. Es beeinflusst eben uns alle. Und wir als Künstler müssen ebenfalls Verantwortung tragen. Wir müssen uns einmischen. Ich fühle mich sehr verantwortlich dafür. Und was alle Künstler und Artisten nun machen sollten, ist, den Menschen in den Katastrophengebieten zu helfen. Ich glaube an die Kraft der Musik.

animePRO: Ja, Musik kann vieles verändern. Die Hälfte deiner Tour ist jetzt vorbei. Wo warst du am liebsten? Wo hast du am liebsten live gespielt?
Miyavi: Also ein Konzert… ehrlich gesagt hatten wir eine echt heiße Nacht gestern in Köln. Es war wirklich die heißeste Nacht dieser Tour. Ich liebe das deutsche Publikum wirklich sehr. Sie mögen Industrial, Rock und Dancemusic. Ich habe großen Respekt vor dem deutschen Publikum. Stockholm ist eine sehr schöne Stadt. Und es war großartig in Brasilien zu spielen, in Südamerika. Die Menschen dort sind so musikalisch. Es fühlt sich an, als würde man mit anderen Musikern spielen. Sie fangen an zu tanzen und sich auszuziehen, wenn der Beat anfängt zu spielen. Es ist echt verrückt. Allerdings hatte ich in den Niederlanden ein etwas schlechtes Gefühl. Sie standen alle da, schossen Fotos und machten Filme und ließen den Musiker seine Musik machen. Es ist schon in Ordnung, aber wir Musiker sind nicht da, um Models zu sein. Ich bin hier um Gitarre zu spielen. Ich möchte einfach, dass das Publikum meine Musik fühlt und nicht nur Fotos oder Filme macht. Ich kann deswegen aber nicht aufhören, die Niederländer zu lieben, und meine Crew ist auch sehr verständnisvoll. Wir hatten eine tolle Zeit in den Niederlanden.

animePRO: Sind die deutschen Fans im Gegensatz zu denen aus anderen Ländern anders?
Miyavi: Ja, auf jeden Fall. Sie sind sehr direkt. Ich denke sogar, es gibt gewisse Gemeinsamkeiten zwischen den deutschen und den japanischen Fans. Sie vertrauen einem, sie sind sehr direkt und sie haben einen starken Willen, können aber auch ruhig sein.

animePRO: Dein letztes Album war „What’s my name?“. Welche Idee steht hinter diesem Album?
Miyavi: Dieses Mal wollte ich etwas machen, das individuell und neu ist. Keine Wiederholungen. Jeder Künstler sollte dafür verantwortlich sein etwas Neues zu machen. Dieses Mal wollte ich als japanischer Gitarrist den Fokus auf meine Gitarre und den Beat legen. Auf dieser Tour habe ich nur einen Drummer, zwei Menschen stehen auf der Bühne. Auch das Album ist nur von uns beiden gemacht, keine Keyboards, keine Bässe – das reicht, um die Welt zu rocken.

animePRO: Deine Art Gitarre zu spielen ist sehr einzigartig. So etwas sieht man sonst nicht.
Miyavi: Das ist der Grund, warum ein japanischer Typ Gitarre spielt. Gitarren, Schlagzeug, Rock, Hip Hop, Funk, all das kommt aus dem Westen. Ich wollte einen ganz bestimmten Grund finden, warum ein Japaner Musik macht. Ich habe mich von dem traditionellen japanischen Instrument, dem Shamisen beeinflussen lassen. Ich habe gewisse Teile davon in meinen Style einfließen lassen. Es ist wichtig, immer etwas Neues zu machen. Ich kann die Kinder mit meiner Musik beeinflussen, und das ist wirklich eine tolle Sache.

animePRO: Dein Stil hat sich geändert über die Jahre, gibt es einen bestimmten Grund dafür?
Miyavi: Nach meiner ersten Welt-Tour habe ich erkannt, dass ich diese ganzen Piercings nicht brauche und ich fühle mich so jetzt auch wohler. Außerdem ist es auch irgendwie gefährlich, meine Töchter mit den ganzen Piercings zu küssen.

animePRO: Spielten deine Kinder denn dauernd mit ihnen?
Miyavi: Ja, und es tat wirklich weh. Außerdem ist es wirklich gefährlich für Kinder. Es ist keine wirkliche Veränderung, es ist eine Verbesserung, eine Art der Weiterentwicklung, ewig auf der Stelle zu treten ist nicht richtig. Allerdings gibt es Dinge, die wir niemals verlieren sollten. Dinge wie Leidenschaft, Motivation und man sollte seine Träume niemals aufgeben. Aber um einen Traum wahr werden zu lassen, muss man immer weiter gehen.

animePRO: Du hast von deinen Kindern gesprochen. Wie ist es, gleichzeitig Vater und Rockstar zu sein?
Miyavi: Es ist ziemlich cool. Ich bin froh, in dieser Firma zu arbeiten, mit meinen ganzen Leuten. Klar ist der Terminplan immer ziemlich voll und hektisch. Aber es ist mein Weg, den ich für mich gewählt habe. Es ist mein Leben. Ich fühle mich dafür verantwortlich, mich selbst zu mögen und mich selbst zu genießen. Es ist ziemlich schwer, Zeit zu finden, ein Privatmensch zu sein. Wenn ich daheim bin, dann versuche ich so gut ich kann ein Vater zu sein. Das ist auch eine Seite von mir.

animePRO: Hören deine Kinder denn auch deine Musik?
Miyavi: Ja, sicher. Lovelie, die ältere, liebt es zu tanzen, herumzuspringen und zu headbangen, sie ist sehr musikalisch. Als ich das erste Mal die neu aufgenommene CD mit nach Hause brachte und ihnen vorspielte, stand sie auf und fing an zu tanzen. Es ist schon beeindruckend, denn wenn sie tanzt bewegt sie ihren Körper zu mittelschnellen Sachen oder zu Jazz-Elementen. Wir haben es ihr nie beigebracht, es kommt bei ihr ganz natürlich, es ist wie Instinkt bei ihr.

animePRO: Jetzt vielleicht noch etwas aus der Vergangenheit. Früher spieltest du auch in Bands. Ist es ein großer Unterschied für dich, jetzt nur noch mit einem Schlagzeuger auf der Bühne zu stehen?
Miyavi: Sicher. Es ist ein großer Unterschied. Als Solokünstler hat man eine viel größere Verantwortung, als wenn man in einer Band spielt. In einer Band teilt man sich die Verantwortung. Manchmal ist es aber ziemlich hart seinen Weg zu gehen, seinen eigenen Ideen zu folgen, wenn man in einer Band spielt, man muss immer auf andere Rücksicht nehmen. Aber man kann zusammen natürlich auch eine Art Chemie haben, etwas, was man so nie erwartet hätte.
Aber als Solokünstler unterwegs zu sein ist für mich komfortabler. Ich fühle mich so frei. Manchmal ist es sogar so, dass man sich als Band einengt. Andere Bands können nichts machen, auch nicht wenn es um diese Naturkatastrophe geht, wegen dem Druck von oben und das ist… es ist… es ist einfach beschissen. Also gehe ich meinen Weg als Solokünstler.

animePRO: Du denkst also nicht darüber nach, wieder in einer Band zu spielen?
Miyavi: Ich lehne keine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern von vorne herein ab. Wenn jemand anfragt und es passt, sage ich sicher nicht Nein.

animePRO: Also kann, wenn die Zeit reif ist, auch z.B. S.K.I.N. wieder auf die Bühne gehen?
Miyavi: Ja, da habe ich keine Bedenken. Wenn die Zeit gekommen ist, wird es vielleicht auch wieder eine Band geben, in der ich spiele.

animePRO: Gibt es noch irgendetwas, was du deinen Fans sagen möchtest?
Miyavi: Ich möchte meinen Fans wirklich danken, dafür, dass sie mir ihre Liebe geben. Auch wenn wir weit voneinander entfernt sind, kann man das Gleiche fühlen und diese Gefühle via Facebook oder anderen technologischen Möglichkeiten teilen. Gleichzeitig wird die Situation in dieser Welt immer härter und schwerer. Ich möchte, dass meine Leute stark sind und stark bleiben und an eine gute Zukunft glauben. Wir müssen zusammen unseren Schritt nach vorne machen.
animePRO: Vielen Dank für deine Zeit und für dieses Interview.
Miyavi: Die Freude war ganz auf meiner Seite. Dankeschön.
Hier geht es zu dem Konzertbericht von Miyavi!
Autor: /  Celest_Camui
Lektor: Christine Schäffer
Grafiker: Rebecca Bertram /  Reh-Baecker
Datum d. Artikels: 09.04.2011
Bildcopyright: Miyavi


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