Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Seit dem 15. Februar ist der Debütroman "Jeder geht für sich allein" von Chisako Wakatake auf dem deutschen Buchmarkt erhältlich. Wir haben ihn uns einmal angeschaut und stellen euch den Titel hiermit vor.

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HOTEI im E-Mail Interview 2016

 
Wir haben die Chance genutzt und dem japanischen Star-Gitarristen Tomoyasu Hotei Fragen über seine Karriere, sein Leben und seinen bevorstehenden Auftritt in Berlin gestellt. Lasst euch von dem lockeren und interessanten Gespräch mitreißen und lernt, wer wirklich hinter HOTEI steckt! 
 
animePRO: Zuerst einmal würde unser ganzes Team Ihnen gerne für die Gelegenheit danken, dieses Interview führen zu dürfen. Gerne würden wir diese besondere Gelegenheit nutzen, um einen tieferen Einblick in Ihre Arbeit zu bekommen, über Ihre kommenden Shows zu sprechen und natürlich, um Sie selbst besser kennenzulernen! 
HOTEI: Ich bedanke mich ebenfalls! 
 
animePRO: Bitte stellen Sie sich doch kurz unseren Lesern und denjenigen, die eventuell noch nicht mit Ihrer Arbeit in Kontakt gekommen sind, vor. 
HOTEI: Ich bin ein japanischer Gitarrist. Ich bin 1,87 m groß und wiege 77 kg. Meine Blutgruppe ist B. Ich bin nicht so jung wie Justin Bieber, aber auch nicht so alt wie die Rolling Stones. Wahrscheinlich decken sich meine Interessen eher mit denen eurer Eltern.  In Japan bitten mich sogar Polizisten um Autogramme, aber in Deutschland würde mich niemand auch nur im Zug erkennen. Aber auf jeden Fall kennt ihr meinen Song „Battle without Honor or Humanity“. Den findet ihr beispielsweise auf YouTube! 
Die Anime-Fans unter euch kennen mich vielleicht durch „Still Alive", den Themensong für „Hokuto no Ken“. Und die J-Pop-Fans unter euch haben vielleicht den Song "Saraba Itoshiki KanashimiTachiyo" gehört, den ich für Momoiro Clover Z geschrieben habe. Seht und hört es euch doch einmal an! 
 
animePRO: Das letzte Mal sind Sie 1998 in Deutschland aufgetreten. Wie fühlen Sie sich angesichts Ihrer kommenden Show in Berlin? 
HOTEI: 1998! Sind wirklich schon so viele Jahre vergangen? Diejenigen, die in diesem Jahr geboren wurden, sind nun schon 18 Jahre alt! Es ist schockierend. Ich erinnere mich noch gut daran, wie leidenschaftlich die Besucher in Berlin waren. Berlin nimmt einen besonderen Platz in meinem Herzen ein. Ich freue mich schon sehr darauf, euch nächste Woche auf meinem Konzert begrüßen zu dürfen! 
 
animePRO: Haben Sie eine besondere musikalische Verbindung zu Deutschland oder gibt es sogar deutsche Musiker, die Ihren Stil maßgeblich beeinflusst haben? 
HOTEI: Als ich mit 14 Jahren zum ersten Mal mit Rock in Kontakt gekommen bin, habe ich ebenfalls mein Interesse an Deutschland entdeckt. Besonders als ich David Bowies Berlin-Trilogie gesehen habe, war ich beeindruckt. So habe ich also viel deutschen Rock in meiner Teenagerzeit gehört, wie etwa Kraftwerk, Can and Neu!, aber auch progressive Musik, gefolgt von Künstlern wie D.A.F. und Einstürzende Neubauten aus der New Wave-Ära, die mich allesamt stark beeinflusst haben. Intensive und tanzbare Rhythmen, der sogenannte „hammer beat“, hat starke Auswirkungen auf meinen Stil gehabt. Falls ihr etwas von meiner Musik hören möchtet: „Materials“ ist ziemlich deutsch. Um den Klang noch zu unterstützen, sind die Lyrics außerdem vom Berliner Mauerfall inspiriert. 
 
animePRO: In Ihrer Videobotschaft an diejenigen, die zu Ihrem Berliner Konzert am 11. Februar erscheinen, haben Sie über die Show gesprochen. Dort planen Sie, einige Ihrer neuen Songs des internationalen Albums „Strangers“ zu performen. 
Können Sie uns erklären, was der Fokus und die Message von „Strangers“ ist? 
HOTEI: Es ist durch und durch originell, ein modernes Gitarren-Rockalbum. Diejenigen, die es hören, werden denken, dass sich eine Geschichte durch die einzelnen Songs zieht, da sämtliche Lieder sehr filmisch sind. Auch die collaboration tracks haben ihren eigenen Charakter, der jeweils in den Sounds hervorgehoben wird. 
Manchmal neigen Instrumentalalben dazu, ein wenig langweilig zu sein. Aber bei diesem Album werdet ihr selbst zur Gitarre greifen und spielen wollen! 
 
animePRO: Es haben viele verschiedene Künstler an „Strangers“ mitgewirkt. Wie haben Sie Ihre Partner ausgewählt und wie passen sie zu Ihrem Stil? 
HOTEI: Iggy Pop zum Beispiel steht selbst auf meiner Liste von Idolen der Rockikonen, so wie auch David Bowie und die Rolling Stones. Ich habe davon geträumt, einmal zusammen Musik mit ihm zu machen. Das erste Mal habe ich ihn (Iggy Pop) übrigens am Berliner Flughafen getroffen. Er hatte denselben Flug von Tokyo nach Berlin genommen. Als ich ihn dort stehen sah, war ich erst zögerlich, zu ihm zu gehen und nach seinem Autogramm zu fragen. Aber dann kam er auf mich zu und fragte mich „Sind Sie nicht der berühmte Gitarrist aus Japan“? und ich sagte „Ja“. Dann fragte er: „Könnten Sie mir ein Autogramm für meine Frau geben?“. Kann man das glauben?? Dass Iggy Pop mich nach meinem Autogramm gefragt hat, ehe ich ihn fragen konnte?! 
Ich habe ihm die Geschichte dann im Studio erzählt und er sagte „Wow, du warst das!“ Es war einfach Schicksal. 
Und mit Richard war ich bereits durch mein Label verbunden, wir hatten ein Skype-Meeting und haben uns die Dateien online zugeschickt. So ist „Move It“ entstanden. Richard ist ein wunderbarer und respektvoller Mensch. Nicht jede Zusammenarbeit läuft so gut wie diese, wie ich auch bei der Produktion dieses Albums gemerkt habe. Jeder Moment war so erinnerungswürdig und es klingt ein bisschen dieser Sinn von „Schicksal“ mit. Es war wirklich aufregend. 
 
animePRO: Sie werden auch Ihren –wahrscheinlich berühmtesten– Song, „Battle without Honor or Humanity“ aus dem Film „Kill Bill“ spielen. Wie sehr hat dieser eine Song Ihre Karriere beeinflusst? War dies Ihr Durchbruch im globalen Musikmarkt und außerdem der entscheidende Faktor, mehr Musik für Filme zu produzieren? 
HOTEI: Es ist vermutlich schwierig, jemanden auf dieser Welt zu finden, der noch nie mit dem Song in Berührung gekommen ist. Selbst wenn man „Kill Bill“ nicht gesehen hat, den Song hat man bestimmt schon einmal in der Werbung, in Sportprogrammen oder sogar als Klingelton gehört. 
Allerdings ist es seine große Enttäuschung, dass trotz des hohen Bekanntheitsgrades dieses Songs kaum jemand weiß, dass er von einem coolen japanischen Gitarristen geschrieben wurde! Jedes Mal wenn ich den Song auf europäischen Festivals spiele, kommt jemand an, der sagt: “Das war aber ein gutes Cover von “Kill Bill””. Wie frustrierend! (lacht) 
Aber dieser Song ist meine “goldene Businesskarte”. Ich danke Tarantino dafür, dass er mir diese Chance gegeben hat. Auch die Liveversion dieses Songs ist wirklich unterhaltsam, also freut euch darauf! 
 
animePRO: Als ein Solokünstler, der sowohl den japanischen Musikmarkt als auch den westlichen gut kennt, wie würden Sie die Unterschiede der beiden aus Ihrer Sicht heraus beschreiben? In einem Interview habe ich beispielsweise gelesen, dass Sie den westlichen Musikmarkt „erfrischender“ als den japanischen finden. Weshalb denken Sie das? 
HOTEI: Ich denke, dass es aufgrund der Sprachbarriere zu großen Hindernissen kommt. Deutsche Musiker müssen vermutlich in einer ähnlichen Situation stecken. 
Der japanische Musikmarkt ist der zweitgrößte der Welt, hinter den USA. Vermutlich sollte ich meine Zeit und Energie nicht im globalen Markt verschwenden. Was ich mit „erfrischend“ meinte, ist weniger an die Industrie gerichtet, als vielmehr an die kreativen Punkte der Musik. Es ist ziemlich schwierig zu erklären, aber welcher Sache ich momentan gegenüberstehe, ist, dass die Welt voller Potentiale steckt. Ich könnte zwar den Erfolg in Japan genießen, aber ich möchte mich lieber so vielen Herausforderungen wie möglich stellen. 
 
animePRO: Sie leben seit 2012 in London und haben mit zahlreichen westlichen Künstlern, unter anderem mit Ihren Idolen David Bowie, The Rolling Stones oder Iggy Pop zusammengearbeitet. Würden Sie sagen, dass es Ihr Traum ist, in London zu leben und zu arbeiten? 
HOTEI: Ich bin wahrscheinlich der glücklichste Gitarrist der Welt. Manche Menschen sind vielleicht eifersüchtig und fragen sich, warum ich das ganze Glück alleine horte. „Warum hat dieser große japanische Kerl nur so viel Glück??“. Aber ich denke, dass es dafür einen Grund gibt. Ich habe die Fähigkeit, Glück anzuziehen. Was mag der Trick dahinter sein? Wenn man sich mit mir beschäftigt, wird man es herausfinden. 
 
animePRO: Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die heutzutage ihre Träume verwirklichen wollen? 
HOTEI: “Stay Hungry, Stay Foolish!” (lächelt). Es ist kein Scherz, es ist wirklich wahr. Befreit euch selbst von dem Normalen. Bleibt originell. Wir brauchen keine zwei Keith Richards. Ich kann nur sagen, bleibt ihr selbst. 
 
animePRO: Bitte richten Sie noch eine Nachricht an Ihre deutschen Fans.
HOTEI: Ich freue mich schon sehr auf euch alle! Bitte kommt und seht euch mein Gitarrenspiel live an! Ich garantiere, dass ihr euch gut amüsieren werdet. Ebenfalls garantiert sind die besten Gitarrensounds und eine Menge tanzbarer Beat! Kommt und tretet dieser innigen und exklusiven Show bei. Oh, und vergesst nicht, euch vor der Show das Album „Strangers“ anzuhören!
Autor: /  rio
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Rebecca Bertram /  Reh-Baecker
Datum d. Artikels: 05.02.2016
Bildcopyright: Tomoyasu Hotei


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