Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Es ist schon zur Tradition geworden, euch in der Vorweihnachtszeit ein paar Anregungen zwecks Geschenkideen zu machen. Und so hat unsere Redaktion auch diesmal wieder die Veröffentlichungen des langsam ausklingenden Jahres Revue passieren lassen und präsentiert euch hiermit schenkwürdige Titel...!

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Kazé-Anime-Nights 2017: A Silent Voice

 
Eine neue Anime-Nacht im Kino stand an und wir waren wieder dabei. Dieses Mal sogar in zwei verschiedenen Städten und somit auch mit zwei Meinungen. Mal sehen, wie sehr sich diese gleichen oder auch auseinander gehen. Denn bei aller Rezensionsarbeit gibt es zum Glück auch unterschiedliche Geschmäcker.
Wie es uns bei „A Silent Voice“, der am 26.09. für uns im Mathäser Filmpalast in München und im Cinemaxx in Offenbach lief, gefallen hat? Lasst euch überraschen.

Aber zunächst einmal zur Geschichte des Films:
Der Grundschüler Shouya ist ein lebhafter Junge, der seinen Schulzeit und seinen Alltag mit seinen Freunden genießt. Alles ändert sich schlagartig, als eine neue Schülerin in die Klasse kommt. Shouko sieht süß aus, ist jedoch gehörlos und kann nur mit Hilfe eines Schreibheftes mit den anderen kommunizieren. Anfangs ist das nur ein kleiner Schock für die Mitschüler und einige bieten dem Mädchen ihre Hilfe an. Doch schon bald ist gerade Shouya von ihr genervt. Er weiß selbst nicht warum, aber die brave und unschuldige Art des Mädchens geht ihm auf den Keks. So beginnt der Junge das Mädchen zu hänseln. Seine Freunde und Mitschüler rügen ihn zwar deswegen, doch greifen auch nicht wirklich ein. Erst als Shouyas Streiche zu weit gehen und Shouko schließlich die Schule wechselt, muss der Junge seine eigene Medizin schlucken. Er verliert seine Freunde und wird selbst zum Mobbing-Opfer.
Einige Jahre später gehen die einstigen Schüler nun auf die Oberschule und Shouya, der sich von allen isoliert hat und nicht mit seinen Schuldgefühlen klarkommt, steht kurz vor dem Selbstmord. Er will Shouko noch einmal sehen und ihr das frühere Schreibheft zurückgeben. Was ihm auch gelingt. Sein Selbstmordversuch hingegen weniger. Irgendetwas zieht den Jugendlichen zu Shouko, die keinen Groll gegen ihn zu hegen scheint. Doch damit ist das Gefühlschaos nicht wirklich geklärt. Im Gegenteil: Shouya ist nicht der einzige aus der damaligen Grundschulklasse, der nicht mit seinen Schuldgefühlen zu den damaligen Geschehnissen umgehen kann.






Die Münchner-Meinung:
Ein eher ernstes Thema und doch in München ein gut besuchter Film. Vermutlich, weil der Manga bereits in Deutschland erscheint und man viel Gutes über das japanische Original gehört hatte.
Leider schienen jedoch nicht alle Zuschauer des Mathäser die Themen beziehungsweise die Aussagen hinter der Geschichte zu verstehen. Es wurden Stimmen laut, dass der Film doch etwas kitschig sei und als Shouya damit beginnt Shouko zu hänseln, wurde sogar gelacht. Etwas schade, wo es doch um viel mehr geht als „nur“ um Mobbing einer Gehörlosen. Natürlich ist es auf eine Art eine einfache Slice of Life Geschichte. Immerhin werden die Grundschulkinder älter und erkennen mehr oder weniger, was sich geändert hat und was eben leider nicht. Allerdings müssen sie gerade dadurch feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, für seine Fehler geradezustehen oder die Meinung und Gefühle anderer zu akzeptieren. Eine der Kernaussagen ist sicher: Wie gehe ich mit Schuld um? Was man am Beispiel Shouyas sieht. Ein Ausweg scheinen die Selbstmordgedanken, ein anderer Buße tun, indem man sich selbst keine Freude gönnt etc. Man sieht, der Film beschäftigt sich nicht nur mit Mobbing - was eindeutig für ihn spricht.
Aufgelockert wird das Ganze immer wieder durch kleine Späße, die allerdings passend gesetzt wurden und so nicht den Ernst der Geschichte hemmen.

Die Offenbacher-Meinung:
„A silent voice“ bietet weitaus mehr als man auf den ersten Blick in die Inhaltsangabe vermutet. Zwar sind Mobbing und dieses bei Menschen mit Behinderung keine unwesentlichen Themen, dennoch sind diese nicht zentrale Kernpunkte, sondern lediglich Auslöser für den Plot. Im Mittelpunkt stehen verschiedene Konstellationen an zwischenmenschlichen Beziehungen und den Umgang damit in Bezug auf den Faktor Zeit. Ferner wird sehr gut dargestellt, wie Menschen mit Fehlern umgehen, aber auch, wie aus Missverständnissen erst weitere Probleme entstehen. Nichtsdestotrotz wirkt der Film mit seinen 130 Spielminuten etwas lang und stellenweise zäh, obwohl sogar teilweise größere Handlungsbögen aus dem Original für die Filmumsetzung entfernt wurden. Eine Adaption als Serie wäre insgesamt vielleicht sinnvoller gewesen.

Der Kinosaal im Cinemaxx Offenbach war zwar nur etwa zur Hälfte belegt, jedoch hat jeder aus dem Publikum aus unterschiedlichen Altersschichten den Film mit Faszination und ohne große Störungen verfolgt.





Und wie war die deutsche Umsetzung?

Zur Aufmachung des Films findet die Münchner-Fraktion, dass die deutsche Synchronisation sehr gut gelungen ist. Die Stimmen wurden passend gewählt und die Gefühle aller Beteiligten kamen sehr gut beim Betrachter an. Auch die Zeichnungen waren wundervoll und das Charakterdesign sehr passend und ausdrucksstark.
Shoukos wenige Worte wurden mit Untertiteln versehen, die gut zu lesen waren und sich angenehm in die Szenen einfügten. Da ist den Deutschen eine wirklich gute Version zu einem beeindruckenden Film gelungen.
Gut, dass sich der Ton, der sich in der Anime-Filmvorschau nicht wirklich bemerkbar machte, im Film einwandfrei und laut genug war.

Die Offenbacher-Presse findet die Umsetzung trotz der zuvor erwähnten Anmerkungen gut gelungen. Gerade das Bild ist flüssig und reich an Farbe, schnitttechnisch und cineastisch ist sogar ein Vergleich mit Filmen aus dem Hause Ghibli denkbar. Der Soundtrack macht „A silent voice“ erst recht zu einer Achterbahn der Gefühle, bei der man sich bei jeder Szene Gedanken gemacht hat. Rundum gelungen ist auch die deutsche Synchronisation. Ganz großes Lob gebührt der Synchronsprecherin von Shouko, die durchweg überzeugt.




München hatte einen tollen Kinoabend und dankt ebenso wie Offenbach Themroc PR & Promotion, Kazé Anime, dem Mathäser Filmpalast und dem Cinemaxx für diese gelungene Umsetzung und Vorstellung. Auch wenn wir nicht, wie die Berliner, in den Genuss von Ehrengästen kamen.


Autoren: Bettina Spallek, Roberto Czumbil
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 30.09.2017
Bildcopyright: Kazé Anime


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