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Wir haben uns Halloween zum Anlass genommen, euch auf ein paar dämonische Wesen, die in Japan ihr Unwesen treiben, aufmerksam zu machen. Wie ihr ein Aufeinandertreffen vermeidet und was ihr im Fall der Fälle tun könnt, erfahrt ihr in unserem Special!

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Halloween-Special 2018: Von Geistern und Dämonen

 
Wir haben uns Halloween zum Anlass genommen, euch auf ein paar dämonische Wesen, die in Japan ihr Unwesen treiben, aufmerksam zu machen. Wie ihr ein Aufeinandertreffen vermeidet und was ihr im Fall der Fälle tun könnt, erfahrt ihr in unserem Special.
Nukekubi
Ein Nukekubi ist nicht leicht zu erkennen und deshalb umso gefährlicher. Er unterscheidet sich vom Aussehen her nicht von einem Menschen und gibt sich meist als attraktive Frau aus. Einzig die seltsamen roten Male um seinen Hals verraten ihn, doch diese versteckt der Nukekubi gewieft unter hohen Krägen oder Halstüchern. Sobald er sich nachts schlafen legt, löst sich sein Kopf vom Rest des Körpers und schwebt auf der Suche nach einem Opfer umher. Dabei kann er auch weite Strecken zurücklegen. Hat er eine Nahrungsquelle gefunden, stürzt er sich auf sein Opfer und saugt sein Blut – manchmal bringt er es dabei um. Kehrt der Kopf des Nukekubis nicht vor Tagesanbruch zu seinem Körper zurück, stirbt er. Diese Schwäche kann man sich zunutze machen: Versteckt man des Nachts den kopflosen Körper und der Nukekubi kann diesen nicht rechtzeitig finden, bedeutet dies seinen Tod und man kann etwas beruhigter weiterschlafen.

Kappa
Ein Kappa ist ein dämonisches Wesen, das sich bevorzugt in der Nähe von Seen, Flüssen und Sümpfen aufhält. Es hat Ähnlichkeiten mit Affen, Fröschen oder Schildkröten, kennzeichnet sich allerdings ebenso durch menschliche Züge. Sein Körper ist entweder mit dünnem Fell oder Schuppen überzogen, sein Gesicht von blau-schwarzer Farbe und es riecht nach verwestem Fisch. Oft ist diese Kreatur nicht größer als ein dreijähriges Kind. Es trägt eine Art Schildkrötenpanzer auf dem Rücken und verfügt über einen schnabelförmigen Mund, mit dem es seinen Opfern am liebsten das Blut aussaugt, denn ein Kappa ist immer hungrig. Die Leber zählt zu seiner Leibspeise, doch ein besonders hungriges Exemplar verschlingt auch gerne mal den gesamten Körper. Erwischt es keinen Menschen, begnügt es sich mit Kühen oder Pferden, die es vom Ufer aus ins Wasser zerrt.

Wenn ihr bei eurer Wanderung in der japanischen Natur auf eines dieser Wesen trefft, achtet auf die Mulde an seinem Schädel, die mit Wasser seines Heimatgewässers gefüllt ist. Dies verleiht ihm starke Kräfte und ist gleichzeitig seine Schwachstelle. Bevor der Kappa sich auf sein Opfer stürzt, fordert dieser es zu einem Sumo-Kampf heraus – seinem liebsten Hobby. Seid höflich und verbeugt euch vor dem Kampf, dann wird der Kappa diese Höflichkeit erwidern und dabei das Wasser aus der Mulde verschütten. Das lässt ihn seine Kräfte verlieren und ihn für einige Momente erstarren. Das gibt euch Zeit, die Beine in die Hand zu nehmen und zu flüchten. Also seid vorsichtig, wenn ihr euch den Gewässern in Japans Wälder nähert.

Teketeke
Eine urbane Legende rankt sich um Teketeke, einer Art Rachegeist. Dieser tritt in Gestalt einer jungen Frau ohne Unterleib zutage, die sich mittels ihrer Unterarme fortbewegt und trotz ihres Handicaps flink unterwegs sein soll. Dabei wird das Geräusch, das ihre Form der Fortbewegung zur Folge hat, lautmalerisch mit „teketeke“ beschrieben. Ihr wird nachgesagt, eine Sichel mit sich zu führen und wenn man ihr nicht begegnen will, sollte man nachts verlassene Bahnhöfe und menschenleere Orte meiden.

Weit verbreitet sind die Annahmen, dass Teketeke entweder durch ein Unglück vor einen Zug fiel, von einem zurückgewiesenen Liebhaber auf die Gleise gestoßen wurde oder selbst mit Suizidabsichten sprang. Dabei soll der herannahende Zug sie am Unterleib entzwei getrennt haben und sie noch an der Unfallstelle verstorben sein. Seitdem hat Teketeke es bevorzugt auf junge Männer abgesehen, denen sie das gleiche Leid zufügt, das ihr geschehen ist: Sie teilt sie in zwei Hälften.





Tenjôname
Übersetzt bedeutet Tenjôname „Deckenlecker“ – das beschreibt seine Funktion bereits eindrücklich: Ein Tenjôname ist mit einer sehr langen Zunge ausgestattet und findet sich vorwiegend in den kalten Monaten in Häusern mit hohen Decken, an denen sich Dreck und Staub abgesetzt hat. Von diesem Schmutz ernährt er sich. An den schwarzen Flecken, die seine Zunge zurücklässt, erkennt man, ob man in der Nacht Besuch von einem dieser Wesen hatte. Wird man gar nachts von einem schmatzenden Geräusch, das von der Decke kommt, wach, ist man besser damit beraten, die Augen geschlossen zu lassen. Erhascht man nämlich einen Blick auf den Tenjôname, während er sich an der Decke zu schaffen macht, stirbt man. Auch heißt es, dass die schwarzen Flecken, die er zurücklässt, die Gesichter hässlicher Menschen annehmen und den Betrachter bei zu langem Hinsehen in den Wahnsinn treiben. Wir empfehlen daher in solch einem Fall einen neuen Deckenanstrich.

Kuchisake-onna
Allein die Übersetzung des Namens lässt eine relativ genaue Vorstellung aufkommen, mit was für einer Gestalt man es zu tun hat. Wörtlich bedeutet es übersetzt „Frau mit zerrissenem Mund“ und ihre Geschichte könnte auf ein Ehepaar aus der Heian-Zeit (794-1185) zurückgehen. Ein eifersüchtiger Samurai, der an der Treue seiner hübschen Frau zweifelte, schlitzte ihr mit seinem Schwert den Mund auf, sodass niemand mehr sie schön finden würde. Seitdem gilt sie als verflucht und streift ruhelos in trüben Nächten durch die Straßen – früher mit einem Seidentuch vor dem Mund, heute mit einem Mundschutz. Oft trägt sie zudem einen roten Regenmantel und manchmal eine Schere oder ein Küchenmesser mit sich. Den Menschen, die sie trifft, stellt sie die Frage, ob sie schön sei. Wird dies bejaht, offenbart sie ihr entstelltes Gesicht und wiederholt ihre Frage. Antwortet der Angesprochene dasselbe wie zuvor, „verschönert“ sie dessen Gesicht auf dieselbe Art und Weise wie ihres. Wird ihre Frage verneint, tötet sie ihr Gegenüber.

Solltet ihr in die missliche Lage geraten, ihr zu begegnen, rettet euch mit der Antwort, sie sähe durchschnittlich aus. Tragt ihr gerade Süßigkeiten oder Obst mit euch, könnt ihr der Kuchisake-onna diese Leckereien anbieten und sie damit ablenken, denn für Süßigkeiten hat sie eine Schwäche. Dann solltet ihr machen, dass ihr wegkommt. Und noch ein Tipp zu guter Letzt: Um den Seelenfrieden eurer Mitmenschen nicht zu gefährden, geht bei euren nächtlichen Touren durch Japans Straßen besser nicht mit einem roten Regenmantel und einem Mundschutz vor die Tür.
Autor: /  Yanis
Lektor: Anja Degenhardt
Grafiker: Denise Augustin /  Sunny-Ray
Datum d. Artikels: 25.10.2018
Bildcopyright: Wikimedia Commons


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