Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Seit dem 15. Februar ist der Debütroman "Jeder geht für sich allein" von Chisako Wakatake auf dem deutschen Buchmarkt erhältlich. Wir haben ihn uns einmal angeschaut und stellen euch den Titel hiermit vor.

Weiterlesen

Datenbank: 123 | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

Rote Blüten

Akai Hana (紅い花)
 

Glück und Leid stehen bekanntlich nahe beieinander. Und die Geschichten Tsuges zeigen uns, wie untrennbar sie als Teil unseres Lebens sein können.

Inhalt

Von skurrilen Alltags-Anekdoten bis zu zwischenmenschlichen Begegnungen haben ihn vor allem seine bahnbrechenden Reise- und Traumgeschichten zur Legende werden lassen.
Die insgesamt zwanzig Geschichten sind zwischen 1966 und 1973 in der Zeitschrift "Garo" veröffentlicht worden, zu deren Gründern Tsuge selbst gehört, und lassen sich in drei Sorten unterteilen: Zum einen gibt es die morbid-surrealen, geradezu lyrischen Geschichten, inspiriert von der japanischen Kultur. Westliche Leser können oft ratlos zurückbleiben, da es viele Symboliken und Bezüge zu Regionen und der Geschichte Japans gibt. Ein gutes Beispiel haben wir hier mit der Geschichte „Der Hund vor der Passhöhe“. Sie wirkt wie eine Sage oder ein Märchen und gleichzeitig kann sie genauso gut komplett erfunden sein. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Erzählungen, die wie Reiseberichte anmuten, doch der Reisende in diesen Geschichten bleibt namenlos, wir wissen nichts über ihn oder den Grund für seine Reise. Er ist wie ein Platzhalter, der uns an entlegene Orte in den japanischen Bergen führt und von Thermalbädern und verschrobenen, menschlichen Überbleibseln lang vergangener Zeiten erzählt.

Zuletzt haben wir noch die „Traumgeschichten“, die offenbar tatsächlich auf Träumen basieren, die den Künstler nicht losließen. Auf den ersten Blick scheint nichts einen Sinn zu ergeben und doch wird der Leser in das beklemmende Vorgehen hineingesogen, auf der Suche nach einer Lösung oder einem roten Faden. „Verschraubt“ ist Tsuges erste dieser Geschichten und schlug damals ein wie eine Bombe, die den Blick auf das Medium Manga und seine Möglichkeiten nachhaltig veränderte. Bis dahin galten Manga eher als witzige, kurzweilige Zerstreung – Tsuge zeigte, wie erwachsen und künsterlisch wertvoll auch Manga sein können und inspirierte damit eine ganze Generation von Künstlern.

Die titelgebende Geschichte „Rote Blüten“ ist noch eine der zugänglichsten und vielleicht gerade deshalb für den Titel des Mangas ausgesucht worden. Hier trifft ein ortsfremder Angler auf zwei Kinder vom Land, einen Lauser und ein Mädchen an der Schwelle zur Pupertät. Das Unausgesprochene ist die Geschichte und bereitet den Leser auf das vor, was ihn in diesem Buch noch erwartet.

Details

Tsuge gilt in Japan als eine ebensolche Größe der Mangakunst wie Ozamu Tezuka, doch „Rote Blüten“ ist der erste ins deutsche übersetzte Band. Er gilt als Vorreiter des "Watakushi-Manga" ("Ich-Comic"), die Sprache seiner Geschichten besteht aus einem Geflecht von autobiografischen und fiktionalen Elementen. Mit dieser Form des Erzählens, der Wahl seiner Themen und seinen farblosen, unscheinbaren Charakteren erschuf er den Manga neu. Es sind keine Helden, keine großen Kämpfer in seinen Manga, oft scheint der Protagonist selbst nichts weiter als eine Randfigur in der eigenen Geschichte zu sein. Und so verloren wirken sie durch die kontrastierenden Hintergründe nur noch mehr, die ebenfalls ein Markenzeichen für Tsuges Arbeit geworden sind.
Autor:
Lektor: Kathia Krüss
Grafiker: Denise Augustin
Veröffentlichung:
11.12.2020
©Yoshiharu Tsuge, Reprodukt


X