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Während der Frankfurter Buchmesse 2017 haben wir ein ausführliches Interview mit zwei Mitgliedern des Teams hinter der Deutschen Cosplay-Meisterschaft (DCM), Yasmin Hofmann Estevez und Björn Sandner, führen können. Was ist die DCM und was hebt sie von anderen Wettbewerben ab? Erfahrt es hier!

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Beyond: Two Souls

 
Wenn es ein Spiel gab, das 2013 für viel Aufregung sorgte, war es wahrscheinlich dieser Titel. Er wurde geliebt, gehasst, beweint und bewundert. Doch wie viel Film steckt in dem Spiel – oder steckt da vielmehr ein wenig Spiel im Film?
Inhalt Ein Menschenleben ist immer etwas Besonderes, doch Jodie Holmes ist noch einmal ein spezieller Fall. Bereits in sehr jungen Jahren wird ihr klar, dass da etwas immer bei ihr ist, das vom menschlichen Auge nicht erfasst werden kann. Eine Art freischwebende Seele namens Aiden. Doch je älter das kleine Mädchen wird, desto problematischer wird ihre Situation. Zum einen weil Aidens Beschützerinstinkt teilweise so weit geht, dass er andere Kinder beim Spielen verletzt. Zum anderen aber auch, weil die gerade einmal acht Jahre alte Jodie immer wieder Kontakt zu einer anderen Welt namens Infrawelt hat, dessen Bewohner nicht immer freundlich gesinnt sind.
So wird sie schon früh zu einer Art „Forschungsobjekt“, was ihr natürlich gerade als Jugendliche nicht besonders passt und als junge Erwachsene muss sie sich in der Welt einer staatlichen Organisation zurechtfinden.
Allein ist sie dabei jedoch nie, Aiden ist immer an ihrer Seite und begleitet sie, was immer sie tut und ob es ihr passt oder nicht. Dabei hat er jedoch seine ganz eigene Meinung und Empfindung, die er zwar nicht aussprechen kann, sie aber deutlich zeigt, wenn er das möchte.
Doch irgendwie passiert es Jodie in ihrem Leben zur jungen Erwachsenen immer wieder, in die unglaublichsten Situationen zu geraten, für die sie meist selbst gar nichts kann. Alles ist immer wieder auf ihre Kräfte und ihre Verbindung zu Aiden zurückzuführen, dabei weiß sie eigentlich gar nicht, wer oder was ihr Begleiter ist. So lebt sie ihr Leben meist eher schlecht als recht, mit vielen Irrungen, Wendungen, Schicksalsschlägen, unheimlichen Begegnungen und lernt, mit jeder noch so unnormalen Situation umzugehen. Und ihr helft ihr dabei - durch das Leben zu schreiten.
Beyond: Two Souls
Erscheinungstermin:09.10.2013
Preis (Amazon):32,99 €
Bestellen:Bei Amazon
Genres:Adventure, Interactive Fiction
Konsole:Playstation 3
Dt. Publisher:Sony
Entwickler:Quantic Dreams
Sprache:Deutsch
Altersfreigabe:USK: 16
PEGI: 16
Multiplayer-fähig:Am selben Gerät
Spieleranzahl:1-2
Spielzeit:ca. 10 Stunden
Vergleichbares:Heavy Rain

UmsetzunG Der Spieler befindet sich also in einer Art interaktivem Film. Dieses Prinzip dürfte vielen schon durch „Heavy Rain“ bekannt sein. Für alle, die es nicht kennen, geben wir jedoch gern eine Erklärung – alle anderen können bis zum nächsten Absatz springen.
Das bedeutet, grob gesagt, dass die Handlung einfach immer weiterläuft und viele Szenen zu sehen sind, in denen man selbst kaum bis gar nicht agieren kann. Jedoch werden dem Spieler hier und da gerade in „Notsituationen“ Quick-Time-Events geboten, die nicht immer vorhersehbar sind. Außerdem bekommt man hin und wieder die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Entscheidungen zu wählen, die das Leben von Jodie mal mehr, mal weniger beeinflussen können. Und natürlich muss man auch immer wieder mit den Figuren selbst die Welt um sich herum erkunden, sofern möglich.




Die meiste Zeit spielt man dabei Jodie in ihren Lebensjahren zwischen etwa acht und 23 Jahren, in denen sie in jede Menge unterschiedlichen Lebensphasen und Umständen leben muss. Jedoch kann man durch Drücken der Dreieck-Taste zu Aiden wechseln und diesen steuern. Die Steuerung von beiden ist etwas schwammig und gerade am Anfang nicht so leicht handzuhaben, doch gerade das unterschiedliche Spielprinzip bringt jede Menge Abwechslung mit sich. Ist man mit Jodie, wie jeder normaler Mensch nun mal, an die Schwerkraft und die Möglichkeiten des eigenen physischen Körpers gebunden, so kann Aiden durch Wände, Decken und Böden schweben, andere Menschen unter bestimmten Bedingungen steuern oder eben angreifen, wenn es die Situation benötigt. Auch sieht die Welt aus seiner Sicht etwas anders aus. Es wird also oftmals eine Zusammenarbeit zwischen Aiden und Jodie benötigt, da die zweite Seele sich nicht so weit von ihrem „Wirt“ entfernen kann.
Jodie selbst gerät meist in etwas lebensbedrohliche Situationen, in denen sie sich selbst verteidigen muss. Dies geschieht im Normalfall durch Quick-Time-Events. Das Besondere hieran ist jedoch, dass man keine Tasten angezeigt bekommt, sondern den Controller in die Richtung bewegen muss, in der agiert werden sollte. Dies kann zu einigen Verwirrungen führen, wenn das eigene Auge und Hirn eine andere Bewegung als lohnend empfinden, die von den Programmierern so aber nicht vorgesehen wurde. Hin und wieder ist es auch nicht ganz ersichtlich. Sollte man jedoch einmal einen Fehler machen, ist das nicht weiter schlimm. Tatsächlich scheint es so, als könne man so viele Fehler machen, wie man wolle, Jodie stirbt nicht und die Geschichte geht weiter. Auf der anderen Seite ist dies natürlich nicht immer eine Motivation, alles richtig zu machen oder sich übertrieben anzustrengen.
Wer hier also dank einiger Szene oder Screenshots auf einen Shooter gehofft hat, sollte gleich wieder die Finger davon lassen. Selbst mit Waffen wird nicht selbst gezielt, sondern nur ein Knopf benutzt, um eben abzudrücken oder nicht.

Die Geschichte der beiden wird allerdings nicht linear erzählt. Auf einer Timeline sieht man, wo in den fünfzehn Jahren während der Spielzeit ein Kapitel etwa angelegt ist. So kann es sein, dass man Jodie erst als Achtjährige, dann mit 19 und dann wieder mit 12 spielt. Dies hat vor allem den Sinn, dass die Spieler sich immer wieder fragen: Warum ist sie da? Warum macht sie das? Allein die menschliche Neugier zwingt uns quasi, einfach weiterzuspielen, um langsam aber sicher die Lücken zu füllen – ein sehr gerissener Einfall.
Während man sich also durch das Leben spielt, trifft man auf viele Personen und muss zwangsläufig Entscheidungen treffen. Dabei werden meist mehrere vorgegeben und man kann per Tastendruck die für sich beste auswählen. Drückt man nicht und wartet, sieht man, dass einige Optionen langsam verschwinden, während eine immer mehr in den Vordergrund rückt und letztlich automatisch angewählt wird. Oftmals hat man zudem Entscheidungen, die das Leben gewisser Menschen oder den Ausgang eines Kapitels ändern. Jedoch Vorsicht! Wer hier eine wichtige Entscheidung wie in „Heavy Rain“ erwartet, liegt meist falsch. Tatsächlich kann man schwerwiegende Entscheidungen machen, die später geschichtlich von überhaupt keiner Bedeutung mehr sind. Manchmal verändert sich vielleicht gar nichts. Wie auch immer man sich entscheidet, die Geschichte wird trotz allem in das gleiche Schema zurückfallen, da alles auf die gleiche Linie zurückgeführt wird. Somit können manche Entscheidungen etwas verändern, doch es sind bei weitem nicht so viele und davon haben viele nur recht wenig Gewicht. Selbst wenn man in einem Kapitel ein anderes Ende bekommen sollte, wird sich das nicht auf den Rest der Geschichte auswirken.




Das einzige, auf das es sich auswirken kann, ist das Ende – oder besser gesagt eines der über 20 Enden. Je nachdem ob man ein gutes, ein böses Mädchen oder eben ein Geist war, steht man am Ende vor den Entscheidungen, die durch das Verhalten in manchen Situationen hervorgerufen wurden. Wer sich jedoch alle Enden angesehen hat, der weiß, dass man bei den guten und schlechten Enden welche hat, die sich wahnsinnig ähneln. Andere wiederum zeigen zwar kleine Änderungen anhand einer Figur, die eben da ist oder nicht, aber doch nicht so viel Unterschied machen. Trotz allem gibt es Enden, die sich sehr voneinander unterscheiden. Jedoch ist die letzte Szene bei allen ein Hinweis auf eine Fortsetzung.

Wer es auf Platin abgesehen hat, der muss jedoch damit rechnen, die Geschichte mehrfach zu sehen, denn man braucht mindestens zwei komplette Durchgänge, um alle Trophäen zu erreichen. Einige werden jetzt sagen – Moment – es gibt doch nach Beenden der Geschichte die freie Kapitelwahl, bei der man alle Kapitel separat noch einmal spielen kann. Richtig. Aber es gibt dabei einen Haken. Spielt man es ohne zu speichern noch einmal, werden sämtliche Änderungen im Kapitel nicht für das Ende übernommen. Speichert man aber, gehen wiederum sämtliche Kapitel nach diesem Punkt verloren und müssen noch einmal gespielt werden. Da man aber, um gut oder böse zu sein, bereits im ersten Kapitel eine bestimmte Handlung ausführen muss, wird man an dieser Stelle wieder beginnen müssen. Zum anderen ist es zwingend notwendig, den Multiplayermodus zu verwenden, um eine Trophäe zu bekommen. Doch auch hier Vorsicht! Wir hatten einmal das Spiel gestartet, ohne vorher den zweiten Controller angeschaltet zu haben, wodurch sich das Spiel auf Singleplayer umschaltete und die Trophäe verloren war, denn für diese muss man das gesamte Spiel im Multiplayer spielen - ohne eine Ausnahme.
Übrigens können Sequenzen nicht übersprungen werden, wenn man das Game erneut durchspielt, weil meist irgendwo in diesen teils langen Szenen eine Entscheidung gefordert wird. Somit ist das mehrfache Spielen sicher nicht immer leicht, vor allem, da das Spiel automatisch speichert.

Der Multiplayer gestaltet sich wirklich interessant. Zwei Charaktere – zwei Spieler. Das heißt, ein Spieler steuert Jodie, der andere Aiden und so arbeitet man viel zusammen und versucht einander zu unterstützen.
Dabei hat Quantic Dream etwas Besonderes entworfen: Die Beyond TOUCH App für Android- und iOS-Geräte. Damit wird das Smartphone oder Tablet zu einem Controller. Es ist also möglich mit zwei Controllern, einem Controller und einem Touchscreen-Gerät oder sogar mit zwei Touchscreen-Geräten zu spielen. Dabei wurde das Gameplay-Interface etwas vereinfacht und an die Geräte angepasst. Die Idee dahinter war, dass Freunde eventuell nicht so gut mit einem PS3-Controller umgehen können oder wollen und sie so eben auf ein gewohntes Gerät umsteigen und trotzdem helfen können. Wer mit einem Controller spielt, sollte aber unbedingt darauf achten, dass er auf Bewegungen reagiert – wie eben der SIXAXIS-Controller.




Grafisch gesehen wankt das Spiel zwischen unglaublich real und „Was ist das denn bitte?“. Mimik, Haut und so ziemlich alles, was mit den Charakteren zu tun hat, sind momentan so weit entwickelt wie sie es nur sein können. Allein dass Motion-Capture für das gesamte Spiel verwendet wurde, ist sehr ungewöhnlich und macht das Ganze zu einem grafischen Erlebnis – nicht zuletzt dank Schauspielern wie Ellen Page (auch aus „The Last of us“ bekannt), Willem Defoe und einigen mehr. Doch leider hat man manchmal das Gefühl, dass dadurch die Details in den Hintergrund geraten sind. Jodies geschnittenes Gemüse sieht aus, als hätte sie einen Eimer Sekundenkleber darüber ausgeschüttet und klebt dank unsichtbarer Hand irgendwie zusammen. Wenn sie über einen Zaun steigt, ist es vollkommen normal, dass ihr Bein durch den Pfosten anstatt drüber geht und hin und wieder wirken Gegenstände etwas unscharf. Es kann sogar zu ganzen Textur-Chrashs kommen. Das Beste, was uns persönlich passierte, war, dass ein Charakter irgendwie vor einer Tür hängengeblieben ist, die sich dann vor ihm schloss. Kurzerhand blieb er vor der Glastür, lief immer weiter dagegen, während der Gürtel, den er sich anlegen sollte, plötzlich neben uns in der Luft schwebte und allein seinen Weg fortsetzte. Man ist also trotz allem Lob vor grafischen und spielerischen Fehlern nicht gefeit.
Ein großer Pluspunkt ist jedoch die deutsche Synchronisation, die sich durch sämtliche Dialoge im Spiel zieht und an der sich qualitativ absolut nichts aussetzen lässt. Wer trotz allem lieber mit Untertiteln spielen möchte, kann das tun. Weiße Untertitel mit schwarzem Rand sind dabei und helfen, sollte man etwas einmal nicht richtig hören.

Doch wie viel Spiel steckt hier nun wirklich drin? Nun, man steuert die Charaktere, man bekommt hier und da eigene Entscheidungsmöglichkeiten und letztlich macht es gerade mit Aiden Spaß, durch die Gegend zu fliegen und alle möglichen und unmöglichen Dinge anzustellen. Weiß man jedoch, dass viele Entscheidungen gar keinen Unterschied machen und das selbst Fehler eigentlich vollkommen egal sind, kann man als Spieler vielleicht ein wenig enttäuscht und demotiviert sein, da man manchmal das Gefühl hat, das Spiel steuert dich mehr, als du das Spiel.
Trotz allem ist es ein Game, das wahnsinnig Spaß machen kann und mitreißt, wenn man es zulässt. Hat man das Gefühl, wirklich Jodie oder Aiden zu sein und kann sich auf die unglaubliche Geschichte einlassen, dann möchte man versuchen, ihr zu helfen, das Spiel auf eine „gute“ Art und Weise beenden und somit spielt man es eben gewissenhafter, als man eigentlich müsste. Das wiederum macht es zu einem Spiel im Film – und somit zu einem sehr interessanten Erlebnis.
Verpackung Zur Verpackung können wir leider nicht viel sagen, da uns eine Promo-Version ohne Hülle vorlag. Jedoch kam das Spiel in einer Standard- sowie einer Steelbook-Edition auf den Markt.

Somit können wir auch leider nichts über beiliegende Extras erzählen, doch Ingame lässt sich trotzdem etwas finden.
Wer immer wieder gern mit Aiden herumfliegt, der wird manchmal leuchtende Kugeln finden. Diese schalten Bonusinhalte frei, sind jedoch meist gut versteckt. Zu diesen Bonusinhalten zählen unter anderem Interviews, Szenen hinter den Kulissen oder auch ein Kurzfilm sowie Konzeptzeichnungen. Es gibt also viel zum Entdecken und Bestaunen.
+ Gut gelöster Multiplayer
+ Nichtlineares Storytelling
+ Motion-Capture und deutsche Sprachausgabe
- Wenige Entscheidungen, die etwas bewirken
- Platin kann sehr anstrengend sein
- Einige Grafikfehler
Fazit Ist es ein Film oder ein Spiel? Nun – es ist beides und entweder man mag das oder eben nicht. Sicherlich ist es nicht für jeden Spieler das Gelbe vom Ei, doch die Story ist sehenswert und wird viele Menschen fesseln. Dazu hat man sich auch für Gelegenheitsspieler und vielleicht sogar Neulinge, die mit dem Controller nicht zurechtkommen, Gedanken gemacht. Was die Charaktere betrifft, ist es optisch ein Highlight, obwohl öfter einmal etwas unschön heraussticht. Der Multiplayer ist quasi perfekt gelöst und dank weniger Tasten, die auf dem Bildschirm auftauchen, findet man sich gut in das Geschehen ein – auch wenn dafür nicht immer ersichtlich ist, was man tun muss. Man kann also viele kleinere Vor- und Nachteile aufwiegen. In jedem Fall sei es Freunden von interaktiven Filmen empfohlen, alle anderen sollten vielleicht erst einmal einen Blick auf Gameplay-Trailer werfen.
Grafik
Grafik
2

Sound
Sound
1

Steuerung
Steuerung
3

Story
Story
1.5

Gesamtnote


1.8
Gamedesign
Gamedesign
1.5

Multiplayer-<br>modus
Multiplayer-
modus
1

Umfang/<br>Bonus
Umfang/
Bonus
2

Preis/<br>Leistung
Preis/
Leistung
2

Autor: /  Celest_Camui
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Denise Augustin /  Sunny-Ray
Datum d. Artikels: 17.04.2014
Bildcopyright: Quantic Dream / Sony


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