Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Während der Frankfurter Buchmesse 2017 haben wir ein ausführliches Interview mit zwei Mitgliedern des Teams hinter der Deutschen Cosplay-Meisterschaft (DCM), Yasmin Hofmann Estevez und Björn Sandner, führen können. Was ist die DCM und was hebt sie von anderen Wettbewerben ab? Erfahrt es hier!

Weiterlesen

Twittern Auf Facebook teilen

Die etwas anderen Kaffeehäuser

 
Es gibt leider viele Dinge, die sich in Deutschland nie durchsetzen werden – außergewöhnliche Cafés und Restaurants mit hohem Spaßfaktor gehören definitiv dazu.
Roboter, „Alice im Wunderland“, Gänsehautschuppen … Noch außergewöhnlicher – Cafés mit Animeschwerpunkt. Oder könntet ihr euch vorstellen, dass jemand für kurze Zeit ein Café für „GZSZ“ hochziehen würde? Einzige Ausnahme vielleicht der Pub für „How I Met Your Mother“, der immer mal wieder auf der ganzen Welt auftaucht oder als man kurzzeitig das „Central Perk“ aus „Friends“ eröffnete. Kam natürlich alles ganz gut. Doch diese Auswahl kann selbstverständlich längst nicht mit der in Japan konkurrieren!

Seit drei Jahren findet zum Beispiel eine Kollaboration zwischen „Sailor Moon“ und den Q-pot Cafes im Sommer statt. „One Piece“ bewirtet in Odaiba (Baratie) sowie im Tokyo Tower (Cafe Mugiwara). Auch Square Enix (begrenzte Plätze!) und „Gundam“ haben seit einer Weile bereits einige Cafés.






Im Animate Café in Ikebukuro (170-0013 Tokyo, Toshima, Higashiikebukuro, 3 Chome−2−1) werden regelmäßig verschiedene Fandoms kulinarisch präsentiert. Das Utena Café, das ich besuchte, endete am 1. Oktober und wird nun mit „Osomatsu-san“ bespielt. Um dem Ensemble neben dem pinkhaarigen Mädchen, das 2017 zwanzigjähriges Jubiläum feiert, gerecht zu werden, wechselte die Menükarte zum September. Die Räumlichkeiten in dem Animateladen, der sonst hauptsächlich für seine Stockwerke zum Thema Cosplay bekannt sind, sind zwar ganz normale, nüchterne Geschäftsräume, die aber mit Filmszenen liebevoll dekoriert wurden. Auf den Tischen standen Aufsteller – und die Merchregale waren detailverliebt zum Beispiel mit dem berühmten Sarg der Serie (es geht wie immer um die Metaphern bei „Utena“!) oder dem Schwert ausgestattet. Zur Begrüßung schallte der Titelsong entgegen, „Zettai Unmei“ durfte auf der Playlist ebenfalls nicht fehlen.

Der Drink für Juri wäre ein recht dünner Orangensaft – würde der Schuss Holundersirup ihn nicht unwiderstehlich machen. Der „Rosenkaffee“ ist kalter Kaffee, der dank seiner enthaltenen Eiswürfeln die Schokosplitter vollständig erhält. Doch das absolute Highlight darin: die Rosenblätter! Am liebsten hätten wir noch drei Becher to go mitgenommen!

Das Sailor Moon Café fand zur Feier des 25. Geburtstag bis zum 29. Oktober in Tokio und bis zum 5. November in Osaka und Nagoya statt, läuft in Fukuoka aber noch bis zum 3. Dezember (810-0001 Fukuoka-ken, Fukuoka-shi, Chūō-ku, Tenjin, 1 Chome−4−1). Für die Reservierungsgebühr von 1.404 Yen gab es ein Platzdeckchen aus Papier und ein laminiertes Poster – mit drei verschiedenen Motiven. Diese lagen zugedeckt auf dem Tisch – exakt wie das Spezialposter, das für einen bestimmten Geldbetrag im Utena Café umgedreht überreicht wird, damit die Servicekräfte keinen Einfluss auf das erhaltene Bild haben.

Die Speisen und Getränke wurden in Grüppchen verteilt – zunächst alle Luna-P-Zuckerwattensodas, dann alle Mangosmoothies - im Zeichen des Mondes. Das war allerdings beim Essen etwas suboptimal. Zwar vermeidet man so, dass Spuren der einen Frucht ins andere Dessert gelangen (die Allergikerin dankt!), hungrige Gäste warteten aber sehr ungeduldig auf eine der letzten zubereiteten Nachspeisen, nämlich die von Venus. So kann man auch fast bei bestelltem Eis nicht warten, bis der Gegenüber seine Bestellung erhält, weil sonst alles weg geschmolzen wäre. Lässt allerdings genug Zeit für Beweisbilder. Billig ist das alles nicht – verglichen mit dem Q-pot Cafe, wo man deutlich weniger für dieselben Kosten erhält, aber absolut gerechtfertigt.






Das bedeutet: die „Good Friends Luna and Artemis Burger“ schmecken sehr interessant (Luna ist ein besseres Fischstäbchen; der Scheiblettenkäse ist zauberhaft als Halbmond geschnitzt; Artemis wäre ein perfekter Burger, bis auf das zu süß geratene Brötchen), „Sailor Mars’ Burning Mandala Anmitsu“ besticht mit seinen gerösteten Marshmellows und Vanilleeis, überrascht mit Bonusanko und –jelly, der „Forbidden…Smoothie of Haruka and Michiru“ ist zuckersüß – und „Chibi Moon Strawberry Milk Smoothie“ besteht aus echten Erdbeeren, ist aber zugedeckt mit steinharter Sahne.

Zurück zum Thema „Dinge, die sich in Deutschland leider nie so richtig durchsetzen werden, außer vielleicht bei einer Weltmeisterschaft“: limitierte Specials und Goods für Sammler. Aus einer durchsichtigen Plastikbox konnten sowohl im Utena Café (Buttons mit Chibis und normalem Design, Filmstreifen), als auch im Sailor Moon Café (Untersetzer, Anhänger) blind Merchitems gezogen werden. Das sorgt natürlich für gesteigerte Vorfreude und Adrenalin. Noch größer ist das Glück, wenn man das Charakterstück ergattert, das man sich gewünscht hat – wenn es allerdings genau dem Gegenteil von Freude entspricht, kann es schon mal zu verhaltenen Tauschbörsen führen. Oder zu horrenden Preisen auf eBay.






So verlassen alle Gäste schlicht verzaubert und mit zufriedenen Geschmacksnerven die Cafés und wünschen sich, ständig dort einkehren zu dürfen. Aber wer weiß, was im nächsten Monat wartet!
Wir danken Simone für ihre Gastkolumne.
Wenn ihr mehr von der Autorin und Journalistin lesen oder sehen wollte, dann findet ihr sie auf Twitter oder unter "howmanyheartaches" auf Instagram.

Lektor: Nicole Krischke
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 09.11.2017
Bildcopyright: Simone Bauer


X