Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Wir haben uns Halloween zum Anlass genommen, euch auf ein paar dämonische Wesen, die in Japan ihr Unwesen treiben, aufmerksam zu machen. Wie ihr ein Aufeinandertreffen vermeidet und was ihr im Fall der Fälle tun könnt, erfahrt ihr in unserem Special!

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Die Winterkirsche

 
Kirschblüten sind die Frühlingsboten schlechthin! Doch es gibt auch eine Kirsche, die schon viel früher blüht, wenn alle anderen noch auf sich warten lassen: die Winterkirsche.
Im Winter blüht hierzulande kaum etwas. Selbst in milden Wintern sind die Blüten der vereinzelt auftauchenden Winterblüher rar gesät. Besonders an grauen und tristen Tagen wünschen sich viele rasch den Frühling herbei und sehnen sich nach den ersten Blütenknospen an Zier- und Obstbäumen...

Doch Baumblüten- und besonders Kirschblütenfreunde dürfen aufhorchen, denn es gibt tatsächlich eine Zierkirsche, die in den Wintermonaten blüht: die Higan-Kirsche (彼岸桜), auch Winterkirsche genannt, botanisch Prunus subhirtella. Sie stammt aus dem Hochgebirge Japans, wo sie schon mal eine Wuchshöhe von 18 Metern erreichen kann – die Exemplare, die sich bei uns finden, werden dahingehend meist nur 5 bis 6 Meter hoch und wachsen, je nach Zuchtform, sowohl als Baum wie auch als Strauch.

Eine Blüte im November oder Dezember bei mildem Winter ist für die Higan-Kirsche nicht ungewöhnlich; oft entwickelt sie – je nach Witterung – eine durchgehende Blüte bis in den Frühling hinein oder eine zweite Blüte ab März, spätestens April. Gestaltet sich der Winter durchgehend als frostig-hart, kann die Winterblüte auch schon mal ausfallen. Die Witterungsbedingungen spielen also eine nicht ganz untergeordnete Rolle bei der Blütezeit der Higan-Kirsche.

Aber warum der Name „Higan“? Der Begriff bedeutet „das andere Ufer des Sanzu-Flusses“ und steht im Buddhismus für die Erlangung der Erleuchtung, welche in diesem Fall mit dem Tod einhergeht. Es beschreibt quasi den Übergang vom Reich der Lebenden ins Reich der Toten, was im Buddhismus jedoch nicht so negativ behaftet ist wie oftmals in der westlichen Kultur. Zweimal im Jahr findet die Tag- und Nachtgleiche statt, am 23. März und am 23. September. Der daraus resultierende Feiertag in Japan heißt O-Higan. Da die Higan-Kirsche bei entsprechender Witterung zwei Mal im Jahr blühen kann, wenn der September für sie auch deutlich zu früh ist, wurde der Name des Baumes höchstwahrscheinlich vom Namen des Festes abgeleitet.

Neben der Urform Prunus subhirtella gibt es übrigens auch noch die Prunus subhirtella „Autumnalis“: diese setzt mit der Winterblüte etwas später ein als ihre große Schwester; je nach Witterung im Dezember, Januar oder Februar.

Autor:
Lektor: Roberto Czumbil /  RobbPlus
Grafiker: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 17.01.2018
Bildcopyright: Kathia Krüss, Rainer Pollux (piqs.de)


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