Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Wir haben uns Halloween zum Anlass genommen, euch auf ein paar dämonische Wesen, die in Japan ihr Unwesen treiben, aufmerksam zu machen. Wie ihr ein Aufeinandertreffen vermeidet und was ihr im Fall der Fälle tun könnt, erfahrt ihr in unserem Special!

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Masterin vs. Schnitzel oder Deutschland, deine Synchronisationen

 

Ich gestehe, auch ich habe es manchmal: Das nervöse Zucken in den Fingern, das mich hin und wieder überkommt, sobald ein Animecharakter den Mund öffnet und anstatt eines „Ohayou“ ein „Guten Morgen“ herausschlüpft. Dann möchte mein Finger am liebsten gleich zur Sprachwahl-Taste meiner DVD- Fernbedienung springen und auf japanischen Originalton umstellen ...

Warum ich mir dennoch viele Anime in deutscher Synchro anschaue? Ganz einfach: Ich mag meine Sprache und es ist entspannend, mal keine Untertitel lesen zu müssen. Qualitativ haben sich die Synchronisationen, meiner Meinung nach, in letzter Zeit stark verbessert, auch wenn es nach wie vor schwarze Schafe gibt. Aber vor allem sind einige Synchronisationen einfach verdammt lustig und bieten Gesprächsstoff für Jahre – oder eben für eine Kolumne. Damit haben wir den letzten Grund, aus dem ich liebend gerne deutsche Synchros höre: Entertainment. Man muss halt lachen, wenn es nicht zum Weinen reicht.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich endlich die silbrig glänzende Hülle meiner Evangelion Platinum Edition in Händen hielt. War ich aufgeregt! Endlich hatte ich eine meiner absoluten Lieblingsserien auf DVD. Also nichts wie rein damit in den Player und gleich mit deutscher Synchro gestartet– man gönnt sich ja sonst nichts. Tja, was soll ich sagen? Im Laufe der Zeit haben bereits viele Fans über das Pro und Kontra der deutschen „Evangelion“-Synchronisation diskutiert und viele scheinen sie zu mögen. Objektiv betrachtet haben die Sprecher auch gar keine schlechte Leistung abgeliefert, da muss ich eine Lanze für das Team brechen. Als jedoch Misato zum ersten Mal den Mund öffnete, um ein lang gezogenes Shinjiiiii-kin zu äußern, war es wieder da: Das brennende Verlangen nach der Sprachtaste oder noch viel eher nach der alten VHS Kassette, denn dort gefallen mir sogar die Untertitel besser.





Mal ganz ehrlich: Es war so niedlich, als Shinji im Entry Plug von EVA 02 in gebrochenem Deutsch „Baumkuchen“ stammelte, was in der deutschen Synchro einem eher halbherzigen „Schnitzel“ weicht. Es kommt eben nicht gut, wenn ein Deutscher einen Japaner spielt, der wiederrum einen Deutschen imitiert - da wird einem ja ganz schwindelig.

Besonders schön ist es auch, wenn Fremdwörter zum Einsatz kommen, da gibt es immer richtig Spaß in den Backen. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist „Trinity Blood“. Darin gibt es eine nette, kleine Organisation, die sich Fleur du Mal nennt. Das ist französisch für „Blume des Bösen“. „Fleur“ ist in diesem Fall die Blume, soviel bekomme ich mit meinem Schulfranzösisch noch hin. Die Übersetzer dagegen wohl nicht. Denn in der deutschen Sprachfassung werden wir nicht von der Fleur du Mal bedroht, sondern von der Flüx du Mal – immer mal was Neues. Vielleicht dachte man dabei an das Wort flux, welches „Flut“ bedeuten kann. „Flut des Bösen“ … auch eine nette Variante. Die Untertitel bevorzugen hingegen die blumige Fassung.

Aus den Schuhen gehauen hat es mich aber bei „Fate / stay night – Unlimited Blade Works“. Der Film ist sowieso mit englischen Begriffen überladen, was nicht die Schuld der Deutschen ist. Im Japanischen haben die ganzen englischen Wörter noch den Niedlichkeitsfaktor, denn, unter uns gesagt, auch Japaner haben es nicht so mit Fremdwörtern und schon gar nicht mit deren Aussprache. Das hält sie aber nicht davon ab, sie munter zu gebrauchen. Die deutsche Version glänzte also auch mit einem „Servant Saber“ und vielen netten englischen Sprüchen. Aber dann kam sie, der Schrecken eines jeden Germanisten: MASTERIN RIN. Eine Schweigeminute bitte, damit man sich die Kombination so richtig in den Gehörgängen zergehen lassen kann.
Also, liebe Übersetzer, es gibt im Deutschen zwar eine Masterin, das ist aber ein akademischer Grad und nicht die HERRIN, die gemeint war. Im Englischen ist das weibliche Pendant zum Master übrigens die Mistress oder man lässt es beim allumfassenden Master. Was sich die Übersetzer dabei gedacht haben – oder wie viel Promille sie schon intus hatten – wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Saber durfte ja auch ein Servant bleiben und wurde nicht zur Servantin umgewandelt. Vielleicht wäre das zu sehr aufgefallen.

Also wenn ich demnächst Masterin Rin mit Servantin Saber die Straße überqueren sehe, die einen gefesselten Shinjiiiiiiii-kin im Schlepptau haben, der in Anbetracht der jüngsten Rinder/Schweine/Vogel-Pest lieber an einer Flüx du Mal als an einem gewöhnlichem Schnitzel nuckelt – tja, dann schau ich einfach weg.

Autor:
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 26.09.2012
Bildcopyright: Wikimedia Commons, Gainax


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