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Die Vorfreude der Amuro-Fans ist groß: Endlich gibt es den gutaussehenden jungen Mann, der nicht nur ein Geheimnis verbirgt, in Großaufnahme auf den deutschen Kinoleinwänden zu sehen. Ob sich der Besuch im Kino lohnt, verraten wir euch hier, denn wir durften bereits im Vorfeld in die deutsche Version eintauchen.

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Im Spotlight: Anspruchsvoller Boys Love "In These Words"

 

BL Manga mit einer vor allem für Ältere ansprechenden Story sind auf dem deutschen und auch auf dem amerikanischen Markt nach wie vor rar gesät. Nach dem „Finder“-Debakel, bei dem der erste Band aufgrund seiner Wortwahl indiziert worden ist, sind die Verlage hierzulande natürlich etwas vorsichtiger geworden. Indiziert heißt zwar nicht „Verboten!“, aber da diese Manga schwieriger abzusetzen sind, brechen in dem Moment die Umsatzzahlen ein. Dennoch gibt es einige Perlen auf beiden Märkten, die es sich anzuschauen lohnt und von denen wir einige vorstellen möchten.

Den Anfang machen wir mit:
 
 
 
 
In These Words“ 
von TogaQ und Kichiku Neko von Guilt|Pleasure
veröffentlicht bei 801Media



Viele (ältere) Fans von Boys Love haben auf dem deutschen und amerikanischen Markt oftmals das Problem, dass viele lizenzierte Manga in die Sparte „kitschiger Romance-fluff“ fallen. Bei der vielen Kritik wird nicht nur darauf abgezielt, dass es wenige Manga gibt, bei denen es „härter“ zur Sache geht (bzw. man in jedweder Hinsicht mehr sieht, als nur Blümchensex, bei dem man sich fragt, ob der „Uke“ wirklich einen Penis hat), sondern auch, dass sie inhaltlich eher auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet sind. Oftmals sind die Protagonisten noch Schüler oder auch junge Studenten - wobei sich dieses Milieu nach vielen BL Manga kaum von dem der Schüler zu unterscheiden scheint - viele sind nicht einmal schwul, sondern verlieben sich einfach so in einen anderen Jungen, das im Amerikanischen gern mit dem „gay for you“ bezeichnet wird. Es sind simple, reine Love-Storys, in denen das Mädchen zufällig ein Junge ist und sich anscheinend nur durch seine Geschlechtsorgane von einem typischen Mädchen aus Shojo-Romance-Manga unterscheidet.

Anders verhält es sich nun bei dem Manga, den ich gern in der Kolumne vorstellen möchte:
Noch ziemlich frisch und erst seit Mai 2012 auf dem amerikanischen Markt erhältlich, ist die Serie „In These Words“, die bisher nur einen Band hat.
(Update: Von Tokyopop wurde der Manga auch in einer normalen und einer "Perfect-Edition" für Juli 2013 angekündigt.)
 
 
Keiji Shinohara hat zwölf Menschen innerhalb von drei Jahren grausam ermordet, bevor er gefasst wurde. Für die Polizei ist der Fall so gut wie erledigt, doch der Staatsanwalt möchte die genauen Gründe und Tathergänge erfahren. Aus diesem Grund wird der Psychater Katsuya Asano herangezogen. Er soll ein paar Tage seines Lebens opfern, um mit Shinohara zu reden und so die Hintergründe zu erfahren. Asano hat seinen Universitätsabschluss in Amerika gemacht (wie der Polizeichef mehrmals verächtlich erwähnt), doch das ist nicht der Grund, warum ausgerechnet er ausgewählt wurde – Shinohara selbst verlangte nach ihm, mit einem anderen Psychiater wolle er nicht reden.  
So beginnt Asanos tristes Leben in der Einöde, wo er unter strengsten Sicherheitsbestimmungen leben muss – nur ein ausgewählter Polizeiangehöriger kann ihn in seine für die Zeit bereitgestellte Wohnung lassen und ihm Essen bringen. 
 
Als Asano zum ersten Mal Shinohara in die Augen sieht, merkt er, dass er diese Augen schon einmal gesehen hat, aber er kann keineVerbindung zu Shinohara ziehen. Dieser fängt an, ein psychologisches Spielchen mit ihm zu spielen. Gleichzeitig bekommt Asano Alpträume, wie er gefangen gehalten, gefoltert und vergewaltigt wird, während sein Kidnapper ihm immer wieder erzählt, wie sehr er ihn liebt und dass er ihn glücklich sehen will. „Persönlichkeitsübertragung“ stellt er nüchtern fest. Doch die Träume und die Gespräche fressen sich in sein Psyche und bald weiß er nicht mehr, was real ist und was nicht. 
 
 
Ein Krimi, ein Psychothriller, an dem nichts „süß“ oder „lieblich“ ist. Ja, natürlich gibt es „Sexszenen“ (faktisch sind es Vergewaltigungsszenen), die sehr detailgetreu gezeichnet sind, aber bei denen schonungslos gezeigt wird, dass Gewalt in jedweder Form angewandt wird und Asano das Opfer ist- ohne etwas zu verharmlosen. Die Szenen zeigen deutlich, dass der Kidnapper versucht, Asano psychisch zu brechen und ihn von sich abhängig zu machen, indem er abwechselnd grausam und nett zu ihm ist. Der Ton des Manga und die Atmosphäre sind düster, bisweilen trist und schwer.
 
Abgesehen vom Inhalt ist der Manga auch sonst sehr untypisch für den durchschnittlichen BL: Die Männer sind nicht nur erwachsen, sie sehen auch so aus. Klare Linien und Zeichnungen, fernab von abstrakten Blümchen und Bishiklischees, wenngleich man Asano als attraktiv bezeichnen kann. Keine großen Äuglein oder feminine Körper, die Protagonisten sind Männer. Der Stil geht in Richtung Realismus, wenn man ihn doch noch nicht dort einordnen würde. Ein Stil, dem sich auch viele Seinen-Mangaka bedienen. Weiße Hintergründe halten sich ebenfalls stärker in Grenzen als beim Durchschnitt, auch wenn die Umgebung nicht gerade detailgetreu ist: Sie ist einfach. Asano ist in einer spartanischen Polizeiwohnung eingesperrt, die für die Übernachtung bei Übungseinsätzen genutzt wird. Die einfachen (aber vorhandenen) Hintergründe verstärken nur die düstere Atmosphäre. Alles an Hintergründen ist einfach, der Inhalt ist es nicht. 
 
 
Untypisch ist ebenso, dass der Manga mit einer Novel beginnt. Die Anfangsgeschichte gibt es nur in Textform mit zwei Bildern, wie man sie aus Light-Novels kennt, bevor der eigentliche Manga startet; beides steht aber in einem Zusammenhang. Außerdem wartet der Manga gleich mit sechs doppelseitigen Farbbildern auf, die Asano und Shinohara zeigen.
 
Bisher ist der Manga nur auf Englisch erhältlich, dennoch ist er für alle BL-Fans, die Tiefgang und Niveau erleben wollen, genau richtig.
 
 
 
Guilt|Pleasure entstand 2010 aus einem Projekt von TogaQ und Kichiku Neko, das in zwei Jahren zu einem großen Doujinshi-Zirkel herangewachsen ist. Dieser veröffentlicht in unterschiedlichen Konstellationen Gemeinschaftsarbeiten, so findet man auch teilweise die Angabe, dass „In These Words“ ein Doujinshi ist.

Dadurch, dass die Manga nur nebenbei produziert werden und die beteiligten Damen hauptberuflich alle etwas Anderes machen, geht es mit der Veröffentlichung ihrer Werke leider etwas langsam voran. Nebenbei arbeiten sie bereits an einer Serie namens „New York Minute“, welche die Vorgeschichte von Asano erzählt.
Autor: /  TonaradossTharayn
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 13.11.2012
Bildcopyright: Guilt|Pleasure, Wikimedia Commons


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