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Am 10. September ist "Welttag der Suizid-Prävention". Aus diesem Anlass veröffentlichte Egmont Manga jüngst den Einzelband "My broken Mariko" von Waka Hirako. Wir möchten euch dieses besondere Werk nicht vorenthalten und stellen es hiermit vor...!

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Taiji - The Voiceless Truth oder "Wenn Tote nicht mehr sprechen können, müssen es andere für sie tun."

 
Im Juli 2011 starb Bassist Taiji Sawada. Die genauen Umstände sind jedoch noch immer ungeklärt, denn es gibt mehr Widersprüche als Anhaltspunkte. Seine Verlobte Tomomi Akatsuka hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, die Wahrheit seines Todes ans Licht zu tragen.
Es war Selbstmord, sagten sie. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben, sagten sie. Aber wer sind „sie“ überhaupt? Vornehmlich die Presse auf Saipan und darauf basierend auch die übrige Presse, die über den Tod Taiji Sawadas berichtet hat. (Mich anfänglich mit einbezogen, muss ich gestehen.)

Für jene, die nicht mehr alle Stichpunkte der Geschichte im Kopf haben sowie für diejenigen, die gerade kopfkratzend vor diesem Artikel sitzen und sich fragen, was sie hier überhaupt lesen: Taiji Sawada, zuletzt aktiv als Mitglied der Bands Taiji with Heavens sowie TSP, den meisten wohl aber als ehemaliger Bassist von X Japan bekannt, wurde am 11. Juli 2011 auf dem internationalen Flughafen von Saipan (Marianen, USA) festgenommen. Zuvor befand er sich in einem Flugzeug, wo er mit einer weiblichen Person in Streit geraten und anschließend randaliert haben soll. Am 15. hätte eine gerichtliche Anhörung zu dem Vorfall stattfinden sollen, jedoch wurde Taiji bereits am 14. mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, nachdem er in seiner Zelle versucht haben soll, sich mit einem Bettlaken zu erhängen (sagt die Tageszeitung „Saipan Tribune“). Zu diesem Zeitpunkt galt Taiji bereits als hirntoter Komapatient. Am 17. stimmten seine Mutter und seine Verlobte dem Rat der Ärzte zu, die lebenserhaltenden Maschinen abstellen zu lassen.

Als ich das erste Mal von der ganzen Sache hörte, es müsste der 15. Juli 2011 gewesen sein, war ich zunächst mächtig irritiert; weniger über den Gefängnisaufenthalt als vielmehr über den Selbstmordversuch. Als ich dann zwei Tage später von seinem Tod erfuhr, war ich geschockt. Es war nicht das erste Mal gewesen, dass sich Taiji in einer heiklen Situation befunden hatte, auch aus gesundheitlicher Sicht. Ich war wirklich davon ausgegangen, er kriege auch diesmal wieder die Kurve, er packe es. Doch das tat er wohl nicht.
Trotz der Trauer empfand ich aber eine Sache von Anfang an als seltsam: Die Behauptung, er solle Selbstmord begangen haben. Nun bin ich kein hysterischer Fan, der sein Idol hoch in den Himmel huldigt und nur das glaubt, was ihm gerade am angenehmsten erscheint. Mir ist auch bewusst, dass ein Außenstehender grundsätzlich in gewisser Distanz zu den Geschehnissen steht. Und dennoch: Die Selbstmord-Sache machte für mich wenig Sinn.

Die Meinungen unter den Fans schien geteilt zu sein: Die einen weinten ihrem Idol nach und betrachteten die ganze Geschichte als Tragödie. Die anderen gaben Taijis Alkohol- und Drogenkonsum die Schuld für die ausgeartete Situation. (Hierbei sei jedoch zu erwähnen, dass diese Spekulation wahrscheinlich auf einem früheren Konsum Taijis basierten, zu Zeiten als er mit Depressionen zu kämpfen hatte und zeitweilig obdachlos war. Das spielte sich jedoch vorrangig in der zweiten Hälfte der Neunziger ab.)
Und dann gab es da noch die Zweifler, welche der offiziellen Berichterstattung einfach nicht so recht über den Weg trauten, da es zu viele Ungereimtheiten und offene Fragen gab.

Wie bereits erwähnt, zähle ich mich zu den Zweiflern. Ich hatte mich von dem Schock seines Todes zwar binnen kürzester Zeit wieder erholt, doch bewegten sich meine Gedanken in der darauffolgenden Zeit immer mal wieder zu dieser Geschichte zurück. Mit jedem Mal wurden meine Zweifel an der Selbstmordbehauptung größer, teilweise ohne sie konkretisieren zu können.
Zuletzt tauchte Taijis Tod in meinen Gedanken vermehrt im Frühjahr 2013 auf und beschäftigte mich wochenlang. Bei erneuten Nachforschungen stieß ich auf die englische Übersetzung eines Artikels, der in der „Weekly Bunshun“ 2012 erschienen war. Dieser behandelte die Recherchen eines Journalisten, der sich, gemeinsam mit Taijis Verlobter Tomomi Akatsuka, um die Aufklärung des Falls „Taiji“ bemühte, jedoch zu keinem befriedigenden Ergebnis gelangt war.

Nun wurde ich erst recht hellhörig. Wenn die Übersetzung dieses Artikels korrekt war, bedeutete dies, dass es berechtigten Grund zum Zweifeln gab und man den Zweiflern nicht einfach blinden Fanatismus vorwerfen konnte. Inmitten meiner Recherche zur „Weekly Bunshun“ schickte mir eine Freundin plötzlich den Link zu einer Seite, die unter dem Titel „TAIJI – The Voiceless Truth“ betrieben wurde. Diese war am 17.05.2013 online gegangen. Den Link erhielt ich am 19.05.2013.

TAIJI – The Voiceless Truth“ wurde von Taijis Verlobten Tomomi Akatsuka ins Leben gerufen. Nach eigener Aussage weiß sie auch rund zwei Jahre nach seinem Tod noch immer nicht, was sie über die in der Presse berichteten Geschehnisse denken soll. Zudem sah sie sich mit noch mehr Unstimmigkeiten konfrontiert als jene, die manchen Fans bei der Berichterstattung der Zeitungen aufgefallen waren. So hatte sie die Möglichkeit, Taiji im Krankenhaus zu besuchen, stellte dort jedoch keinerlei sichtbaren Male einer Strangulierung fest - obwohl er sich erhängt haben soll. Stattdessen erkannte sie jedoch rote Blutergüsse auf seiner Brust sowie Spuren von schwarzem Klebeband um seinen Mund herum. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Taiji, laut offizieller Angaben, bereits seit zwei Tagen als Komapatient im Krankenhaus.

Nachdem am darauffolgenden Tag, mit Einwilligung von Tomomi sowie Taijis Mutter, die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet wurden und Taiji offiziell starb, durfte Tomomi seinen Körper nicht mehr sehen und wurde stattdessen zurück ins Hotel geschickt. Auch am nächsten Tag wurde ihre Bitte, Taijis Körper zu sichtigen, abgelehnt. Diese beiden Abweisungen stammten jedoch nicht etwa vom behandelnden Arzt, sondern von einer auf Saipan ansässigen Gruppierung namens „You Production“, für die Taiji zuvor gearbeitet hatte, das Arbeitsverhältnis jedoch nach dieser Reise beenden wollte.

Später teilte man Tomomi mit, dass der Körper Taijis bei der Überführung nach Japan durch die veränderten Luftverhältnisse soweit „beschädigt“ worden war, dass eine nachträgliche Obduktion nicht mehr möglich sei. Normalerweise werden Leichen bei Überführungen speziell gelagert, damit eben solche „Beschädigungen“ jeglicher Art nicht passieren können.

Ebenfalls auffällig sind mehrere E-Mails, die zwischen dem 11. und 15. Juli bei Tomomi eingegangen waren und – laut Absender – von Taiji stammten, in denen er sie bat, Geld an seine damalige Managerin zu überweisen. Allerdings befand sich Taiji zu diesem Zeitpunkt schon in Untersuchungshaft beziehungsweise später dann im Koma (sagt die Tageszeitung „Saipan Tribune“). Ebenso fand Tomomi kurz nach Taijis Tod eine Nachricht seiner Mutter auf der offiziellen Homepage Taijis. Es stellte sich jedoch heraus, dass seine Mutter diese Nachricht nie geschrieben hatte. Wegen diesen Vorkommnissen laufen bereits Verfahren bezüglich Identitätsdiebstahls. Hauptverdächtige hierbei ist Taijis ehemalige Managerin.

Das sind nur ein paar der seltsamen Begebenheiten und Unstimmigkeiten im Fall „Taiji“. Tomomi hat alle ihr verdächtig vorkommenden Punkte sowie Widersprüche datiert und übersichtlich auf der Homepage gelistet. Neue Erkenntnisse ihrer Nachforschungen vermerkt sie dort ebenfalls. Auch wird sie von Taijis Fans unterstützt, welche die Ergebnisse ihrer Bemühungen verbreiten und teilweise sogar selbst Nachforschungen anstellen, wie zum Beispiel auf dem Gebiet der Rechtslage. Dies alles demonstriert anschaulich, wie groß das Verlangen nach der Wahrheit ist.

Taiji hatte in einem Interview einmal erklärt, dass er nach seinem Unfall 2004, bei welchem er sich sein linkes Bein schwer verletzt hatte, diagnostiziert bekam, dass er nie wieder auf beiden Beinen laufen können würde. Nach mehreren Operationen und mit einer enormen Portion Lebenswillen gelang ihm genau das jedoch wieder. Seither war „Never say can't!“ sein Leitspruch gewesen. Und diesen hat er zweifelsohne an seine Fans vererbt.


Aufmacher: Julia Kefenhörster
Autor:
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 29.06.2013
Bildcopyright: Taiji Sawada, WeROCK


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