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Am 28. Juli präsentieren euch die Kazé Anime Nights den Surfer-Anime "Ride your Wave", welcher mit großen Emotionen gespickt ist. Wir durften uns den Film bereits vorab anschauen und geben euch hier einen kleinen Einblick...!

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Fate/Zero Lancer: Die Legende von Diarmuid ua Duibhne Teil 1

 

"Stolz ruht auf der Klinge der Ritterlichkeit!
Ich bin der erste Ritter der Fianna, Diarmuid ua Duibhne!"

 

Lancer, Episode 16

Von den Charakteren und Figuren in Fate/Zero gehört die Geschichte von Lancer wohl mit zu den tragischsten. Die Figur des Lancers basiert auf der irischen Sagengestalt Diarmuid ua Duibhne, was auch Diarmaid/Diarmait ui Duibhne/O'Dyna/ O'Duibhne geschrieben werden kann – nebst ungefähr einem Dutzend weiterer Schreibweisen. Ich halte mich daher an die Schreibweise von peppermint anime. Er ist übrigens nicht der einzige Ire im Fate-Universum, sein Nachfolger als Lancer im fünften Krieg um den Heiligen Gral (in Fate/stay night, im folgenden FSN) ist ebenfalls ein Held aus einer irischen Legende, Cú Chulainn.

Zwar wird es hier vorrangig um die Legende von Diarmuid ua Duibhne gehen, jedoch wird Bezug auf die Geschehnisse in Fate/Zero genommen, daher gibt es eine Spoiler-Warnung für diejenigen, die den Anime nicht gesehen haben (einschließlich bis Folge 16).


Allgemeines
 
Die Legenden von Diarmuid ua Duibhne sind eng mit einer anderen irischen Heldengestalt verknüpft: Fionn (oder Finn) Mac Cumhaill/Mac Cumhall, auch Finn Mac Cool genannt. Dieser war einer der großen Helden in der alten irischen Mythologie, Sohn eines Königs und Anführer der Fianna, die vom Hochkönig Cormac mac Airt geschaffen wurde, um das Reich zu beschützen (wenngleich er sich mit diesem nicht sonderlich versteht). Seine Abenteuer werden im Fionn-Zyklus beschrieben, einem der vier großen Zyklen der irischen Mythologie. Unser FSN Lancer stammt übrigens aus dem Ulster-Zyklus, der rund zweihundert Jahre vor dem Fionn-Zyklus angesiedelt ist. Der Fionn-Zyklus spielt zu Beginn des dritten Jahrhunderts nach Christus, erste Textbeispiele sind seit dem siebten Jahrhundert erhalten. Wie es mit vielen Sagen ist, wurde auch diese mit der Zeit immer wieder erweitert und um Erzählungen ergänzt, viele Originaltexte sind mit der Zeit verloren gegangen und konnten nur über die Rezeption wiederhergestellt werden.

Diarmuid ua Duibhne war in diesen Erzählungen einer der Ritter der Fianna, in manchen Texten wird der Jüngling sogar als der stärkste und mutigste Ritter beschrieben, der Fionn mehr als nur bei einer Gelegenheit das Leben rettete. Die bekannteste Legende von ihm ist allerdings „Tóraigheacht Dhiarmada agus Ghráinne“ „Die Verfolgung von Diarmuid und Grainne“. Es ist diese Legende, auf der Lancer in Fate/Zero aufgebaut ist. In Episode 9 erhält man einen sehr kleinen Einblick in diese Legende, als der Master von Lancer, Kayneth El-Melloi Archibal, von Lancers Vergangenheit träumte.  
Doch es gibt durchaus mehr über Diarmuid zu erfahren und so will ich einen kleinen Überblick über die Heldengestalt Diarmuid ua Duibhine geben. Wie bei allen Legenden gibt es auch hier diverse Versionsunterschiede, je nachdem welches Buch man in der Hand hält, welche Quellen für Übersetzungen herbeigezogen wurden und welcher Interpretation man folgt. Zwar bleiben bestimmte Dinge immer gleich, doch kann sich je nach Version die Interpretation bestimmter Taten unterscheiden oder sogar ganz verschiedene Enden bestimmen. Ich werde einen Überblick über seine Legenden geben und auf reichhaltige Unterschiede eingehen, allerdings erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 
Diarmuids Herkunft

Diarmuids Vater war Donn, ein Ritter der Fianna, der wiederum der Sohn von Duibhne war. Donn allerdings verwarf sich mit der Fianna und wurde aus dieser entlassen. In dieser Zeit zeugte er einen Sohn, dem er aber Aengus Óg (auch Oengus Óg), dem Gott der Liebe und Jugend, brachte, damit dieser Diarmuid als Pflegesohn aufzog. Kurze Zeit später nahm Aengus Óg auch den Sohn seines Dieners Roc Diocain als Pflegesohn auf, da dieser und Diarmuid dieselbe Mutter hatten - und somit Halbbrüder waren. Er erzog beide in großer Liebe. Später wurde Donn allerdings wieder in die Fianna aufgenommen. Als Fionn MacCumhail in der Gegend war, lud Donn ihn zu Aengus ein, da Fionn nicht zehn Tage hintereinander in der Umgebung von Almhuin nächtigen durfte. 
Zunächst feierte die Gesellschaft ausgelassen, bis Fionns Hunde plötzlich anfingen, sich über Fleisch zu bekriegen, sodass Panik unter den Gästen und Bediensteten entstand. Rocs Sohn flüchtete zwischen die Beine von Donn, der aus Eifersucht darüber, wie zärtlich Aengus Óg den anderen Jungen neben seinem Kind behandelte, den Schädel des kleinen Jungen zerquetschte.
Völlig erbost und in Schmerz verlangte Roc einen Ausgleich für den Tod seines Sohnes: den Tod des Sohnes von Donn, Diarmuid. Aengus war vollkommen entsetzt, während Donn schon drauf und dran war, Roc für diese unverschämte Forderung selbst zu töten. Als er sah, dass er keinen Ausgleich für seinen Verlust erhalten sollte, nahm Roc die Rute eines Druiden und verwandelte seinen toten Sohn in einen wilden Eber (ohne Schwanz und Ohren) und bestimmte, dass er den Tod des Diarmuid bringen wird, sein Leben aber nicht länger andauern soll, als Diarmuids. Diarmuids Ziehvater Aengus belegte Diarmuid daraufhin mit einer Geas, dass er niemals Eber jagen sollte, da er sonst von diesen getötet wird.

Nach dieser Episode wuchs Diarmuid zu einem starken und wunderschönen Jüngling heran und trat alsbald der Fianna bei, wo er schnell einer der Hauptmänner wurde. 

Bereits hier gibt es einige Unterschiede: Je nach Legende verwandelte Roc seinen Sohn in einen Eber, um Diarmuids Tod zu bringen oder aber Aengus verwandelte Rocs Sohn in einen Eber, um ihn wieder zum Leben zu erwecken, woraufhin Roc ihn dann mit einer Geas belegte. 
 

Eine Geas (auch „Geis“) ist ein Zauber, der oftmals mit „Tabu“ übersetzt wird. Es ist demjenigen, dem eine Geas auferlegt wird, verboten, etwas zu tun, ein Bruch der Geas hat oftmals schlimme Folgen, meistens den Tod. Je nach Geas kann man es mit einem Bann oder Fluch vergleichen. In Fate/Zero kommt die Geas ebenfalls vor: In Episode 16 handelte Kiritsugu Emiya mit Kayneth einen Vertrag aus und belegte sich dabei selbst mit einer Geas. Wenn Kayneth seinen Bedingungen zustimmte, konnte Kiritsugu Kayneth oder dessen Verlobte nicht mehr töten oder schädigen.
 In den irischen Legenden ist die Geas allerdings selten so formell. In der Regel verhängt eine Person über einen anderen (meistens den Helden) eine Geas, mit dem dieser fertig werden muss. Manche Geas erscheinen auf den ersten Blick sogar äußerst befremdlich bis nutzlos (FSN Lancer, Cú Chulainn, durfte zum Beispiel an keinem Herd vorbeigehen, ohne von diesem zu kosten), werden dem Helden dabei oftmals zum Verhängnis. Viele Helden haben sogar mehrere Geas auf sich gezogen, die sich mitunter widersprechen können und somit zum Tod des Helden führen – ein Schicksal, das Cú Chulainn erlitt.

Den Umgang mit Waffen wurde ihm von dem Gottheit Manannan beigebracht, der im Übrigen auch unserem Fate/stay night Lancer den Umgang mit dessen Gae Bolg beibrachte. Er bekam im Zuge dessen gleich mehrere Waffen: die beiden Schwerter Mor-alltach („das große Wilde [Schwert]“) und Beag-alltach („das kleine Wilde [Schwert]“ erhielt er von seinem Ziehvater Aengus Og - wobei Mor-alltach wohl ursprünglich ein Geschenk dessen Schwagers Manannan an ihn war - und die beiden Speere Gáe Buidhe und Gáe Dearg von Manannan. Das Schwert Mor-allatach besaß die Fähigkeit, beim ersten Schlag immer zu treffen – in der Hand eines so erfahrenen und starken Kämpfers wie Diarmuid also eine äußerst tödliche Waffe. Hätte Kayneth Diarmuid nicht als Lancer, sondern als Saber beschworen, hätte er diese beiden Schwerter anstatt seiner zwei Speere als Waffen gehabt. In Fate/Zero verwendet er als Lancer lediglich seine beiden berühmten Speere Gáe Buidhe und Gáe Dearg, die übersetzt nichts anderes als „gelber Speer“ und „roter Speer“ bedeuten und offenbar einen Hinweis auf die Farbe des Holzes geben (rot für Eibenholz und gelb für Eschenholz). In der Serie besaß nur der Gáe Buidhe die Fähigkeit Wunden zu schlagen, die niemals heilen werden, während Gáe Dearg durch jegliche Magie dringen konnte. In den Legenden jedoch haben beide Speere die Fähigkeit niemals heilende Wunden zu verursachen. Obwohl es in den Legenden Passagen gibt, in denen er beide Speere gleichzeitig verwendete, kombinierte Diarmuid eher die Schwerter mit den Speeren: Mor-alltach und Gáe Daerg wurden für große Taten und schwierige Aufgaben verwendet, Beag-alltach und Gáe Buidhe für kleinere Aufgaben und die Jagd.

Schon bald galt Diarmuid als einer der stärksten und tapfersten Kämpfer der Fianna, dem keine Aufgabe zu groß war. Teilweise äußerte sich das in für die Legenden typisch übertriebenen Darstellungen, in denen er zum Beispiel ganz allein stundenlang eine Burg vor angreifenden Truppen beschützte, weil er seinen schlafenden Kumpanen nicht wecken wollte. Kaum erwacht sein Freund, schlugen die beiden die Angreifer vernichtend; am Ende köpfte Diarmuid noch eigenhändig drei Königssöhne.

So stark er auch war, so ein weiches Herz hatte er auch. In einer Legende wurde ihm von einem roten Mann geholfen, da Diarmuids Herz zu leidenschaftlich war und er gern anderen zur Hilfe eilte – mitunter zum eigenen Schaden. Dabei war es Diarmuid gleich, ob jung oder alt, männlich oder weiblich, er war ein hilfsbereiter junger Mann, der für die Schwachen da war. Wobei er in den Legenden natürlich eine besondere Schwäche für Frauen hatte.

 
Diarmuid und die Frauen


Diarmuid wird häufig als ein Liebhaber der Frauen beschrieben, der seine Liebe großzügig an die Frauen verteilte und ihnen nur allzu gern schmeichelte. Das führte zu netten Situationen, in denen sich seine Kumpanen bei den Fianna darüber beschwerten, dass Diarmuid ihnen eher zuhören würde, wenn sie Frauen wären. 

In einer Legende tauchte eine absolut hässliche, wilde Frau bei der Fianna auf und bat um ihren Schutz. Sowohl Fionn als auch dessen Sohn Oisin verwehrten ihr dies, während Diarmuid ihr nicht nur Schutz gab, sondern sie auf ihren Wunsch hin ans Feuer brauchte und letztlich mit ihr sein Bett teilte – auch wenn er eine Decke zwischen sie packte. In der Nacht verwandelte sie sich in die schönste Frau, die die Fianna jemals gesehen haben. Als sie ihn fragte, ob er hier gerne eine Haus haben würde, bekam er dies prompt am nächsten Tage. Es gehöre ihm, versprach sie, wenn er sie nicht dreimal dran erinnerte, wie sie zu ihm gekommen war.
Wie es mit solchen Legenden nun mal ist, folgte eine Provokation auf die nächste. Diarmuid züchtete Hunde und liebte seine Welpen, die er ausbilden und selbst für die Jagd benutzen wollte. Seine Gefährtin verschenkte diese jedoch großzügig und unterließ es selbst dann nicht, als Diarmuid sie nach dem ersten Mal böse ermahnte. So schaffte es Diarmuid nicht, sein Versprechen zu halten, da er sie nach jeder Ermahnung stets daran erinnerte, dass er ihr Gutes getan hatte, als sie noch alt und hässlich war. Haus und Frau verschwunden, machte er sich auf die Suche nach ihr. Schließlich fand er heraus, dass es sich bei ihr um die Tochter des Königs des Landes „Under-Wave“ handelte, die von einer Krankheit befallen war. Natürlich schaffte Diarmuid es, die Bedingungen für ihre Heilung zu erfüllen. Der Preis dafür war aber seine Liebe zu ihr, die damit verging. Als Wunsch für seine Tat forderte er nur ein Schiff, das er auch bekam (es war übrigens ein Tipp des roten Mannes) und so kehrte er schließlich zu der Fianna zurück.


In einer anderen Legende zeigte Diarmuid erneut, dass er Frauen selten etwas abschlagen kann – egal wie hässlich oder alt sie sein mögen. An einem Fluss bat eine alte Frau darum, auf die andere Seite getragen zu werden. Diarmuids Kumpanen verweigerten sich, da sie sich nicht schmutzig machen wollten, während Diarmuid ohne zu zögern der Bitte Folge leistete. Auf der anderen Seite angekommen, verwandelte sie sich in Morrigan, eine Sidhe der Tuatha de Danann (Bewohner des legendären Tír na nÓg). Aus Dank für seine Großzügigkeit und sein gutes Herz, versprach sie ihm, dass keine Frau ihm widerstehen oder ablehnen könnte. FSN Lancer begegnete ihr in seinen Legenden ebenfalls mehrere Male – jedes Mal hatte sie eine andere Gestalt. 

Etwas ähnliches geschah, als er sein Muttermal bekam. Als Diamuid mit drei anderen Freunden jagen war, vergaßen sie die Zeit und schafften es nicht rechtzeitig nach Hause. Nach einer mühevollen Wanderung durch die Nacht entdeckten sie ein Haus mit einem alten Mann und einer jungen Frau. In der Nacht gingen alle einzeln zu ihr hin und baten sie, bei ihr zu liegen, doch sie lehnte jeden ab. Diarmuid allerdings war der einzige, den sie näher herantreten ließ und seine Stirn küsste, um ihm das Muttermal zu geben – jede Frau, die ihn erblickte, würde ihm von nun an ihre Liebe schenken. In Fate/Zero wanderte sein Muttermal allerdings von der Stirn unters Auge, was in unserer heutigen Gesellschaft wohl deutlich sexier wirken dürfte. 
Hier gibt es ebenso mehrere Versionen und Interpretationen. So bekommt je nach Legende Diarmuid das Muttermal entweder als Dankeschön, weil er mit der jungen Dame geschlafen hatte oder aber als Fluch, weil er sich ihr verweigerte. 

        

In Teil 2 geht es weiter mit der Legende Tóraigheacht Dhiarmada agus Ghráinne / Die Verfolgung von Diarmuid und Grainne.

Autor: /  TonaradossTharayn
Lektor: Anja Degenhardt
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 06.07.2015
Bildcopyright: Typ-Moon, ufotable, peppermint anime


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