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Am 28. Juli präsentieren euch die Kazé Anime Nights den Surfer-Anime "Ride your Wave", welcher mit großen Emotionen gespickt ist. Wir durften uns den Film bereits vorab anschauen und geben euch hier einen kleinen Einblick...!

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Fate/Zero Lancer: Die Legende von Diarmuid ua Duibhne Teil 2

 

Schlaf ein wenig, nur ein wenig, denn es liegt keine Gefahr in ein wenig Schlaf,
Jüngling, dem ich meine Liebe geschenkt habe, Diarmuid, Sohn des Duibhne.
Schlaf ruhig hier, edler Diarmuid ua Duibhne;
ich werde über dich wachen, schöner Sohn des Duibhne. 


Grainnes Schlaflied bei Diarmuids Totenwache

Legende von Diarmuid ua Duibhne Teil 1

Tóraigheacht Dhiarmada agus Ghráinne / Die Verfolgung von Diarmuid und Grainne
Auch hier besteht eine Spoiler-Warnung. Wer nichts zu Fate/Zero lesen will, sondern nur zur Legende, der kann ab "die Hochzeit" weiterlesen.
 


Wie bereits eingangs erwähnt, träumte Kayneth in Folge 9 von Fate/Zero einen Ausschnitt aus Diarmuids Leben: Diarmuid erblickte bei

einer Hochzeitsfeier eine schöne Frau, verriet seinen Anführer und flüchtete mit dieser Frau. Später schloss sein ehemalige Anführer mit ihm Frieden, doch dieser Frieden war vergiftet - Diarmuid wurde selbst von ihm verraten und starb schließlich.

Dieser sehr kurze Ausschnitt ist leider alles, was man über Diarmuids Legende in Fate/Zero erfährt. Sie beruht vollständig auf „Die Verfolgung von Diarmuid und Grainne“, eine der Liebesgeschichten in der irischen Sagenwelt, obwohl sie wohl erst im 10. Jahrhundert entstand, also weit nach den ersten Legenden der Fianna. 

In Folge 16 schrie Kayneth Diarmuid voller Wut an, dass die Geschehnisse in Fate/Zero wie in seiner Legende wären: Er fühlte sich von Diarmuid betrogen, weil es ihm nach der Frau seines Herren gelüstete und er versucht hatte, diese zu verführen. Diese Worte trafen Diarmuid tief, einerseits weil diese Behauptung im doppelten Sinne falsch war (Diarmuid hat weder Grainne noch Sola-Ui versucht zu verführen), andererseits weil es seine Ritterehre tief verletzte. Doch fangen wir von vorne an...

 

Die Hochzeit

Fionn war bereits einige Male verheiratet, doch nachdem seine letzte Frau gestorben war, drängte sein Sohn Oisin ihn dazu, erneut zu heiraten, da er so allein und traurig war. Ein weiterer Ritter seine Fianna schlug daraufhin Grainne, die Tochter des Hochkönigs Cormac McCumhill, vor, die als eine der schönsten (wenn nicht die schönste) Frau des Landes galt.
Oisin und der andere Ritter machten sich auf den Weg zur Cormac, um herauszufinden, ob er die Verbindung gutheißen würde. Cormac freute sich über diesen Antrag, zögerte jedoch die Einwilligung zu geben, ohne vorher seine Tochter zu fragen. Als er mit Grainne darüber sprach, dachte sie jedoch fälschlicherweise, es ginge um Fionns Sohn Oisin – Fionn selbst war schließlich mehr als doppelt so alt wie sie. Beim Festschmaus erfuhr sie von einem Druiden die Wahrheit, der ihr auch die einzelnen Ritter vorstellte. Nachdem sie jedoch Diarmuid erblickt hatte, waren alle anderen für sie allerdings nicht mehr existent.

Mittels eines Schlaftrunks legte sie das gesamte Bankett lahm – bis auf Oisin und Diarmuid. Zuerst bat sie Oisin um eine Vermählung, dieser konnte jedoch die Treue zu seinem Vater nicht brechen, woraufhin sie sich an Diarmuid wandte, der sie ebenfalls an seinen Treueschwur erinnerte. Daraufhin belegte sie ihn mit einer Geas, dass Diarmuid nur noch

Schrecken und Vernichtung erfahren solle, wenn er Grainne nicht sofort entführen würde. Auf die Frage, warum sie ihn dazu verdammt hatte, viele Menschen zu töten, antwortete sie ihm, dass es Liebe auf den ersten Blick war – da war es für Diarmuid klar, dass es keine andere Möglichkeit mehr gab, außer ihren Wunsch zu erfüllen. So verabschiedete er sich von Oisin und trat mit Grainne die Flucht an. 
 


Die Flucht

Nach geraumer Zeit erfuhr Fionn, was passiert war und setzte sofort zur Verfolgung an, doch in Oisin hatte Diarmuid einen treuen Freund, der ihn einige Male warnte, dass sie ihnen dicht auf den Fersen waren.
Es folgten zahlreiche Abenteuer auf der Verfolgungsjagd, bei der Diarmuid ua Duibhne beweisen musste, dass er nicht umsonst ein Hauptmann der Fianna war: Mit Witz und Verstand befreite er sich so manches Mal aus gefährlichen Situationen, allerdings tötete er auch einige seiner Verfolger (je nach Legende sogar recht grausam, als er drei Könige verdursten ließ). Auf der Flucht erhielt das Paar einige Male Hilfe von den Sidhe und Diarmuids Ziehvater Aengus Óg.

Während der Flucht verging einige Zeit und Fionns Söhne und Enkel sowie zahlreiche andere Männer der Fianna wurden der Verfolgung langsam müde. Nach wie vor in enger Freundschaft mit Diarmuid verbunden, waren sie der Meinung, dass Diarmuid nach all der Zeit und den überstandenen Gefahren Grainne als Ehefrau vollkommen verdient hätte.
Fionn wollte davon allerdings nichts hören und erst die Intervention von Aengus Óg beendete die Verfolgung, als er zwischen den beiden Parteien zu vermitteln suchte.


Diarmuids Ende

Cormac (Grainnes Vater) erklärt sich einverstanden, dass Grainne Diarmuid heiratete und gab Fionn zum Ausgleich seine nächstjüngere Tochter zur Frau. 


Mittlerweile hatten Diarmuid und Grainne fünf Kinder miteinander – vier

Söhne und eine Tochter –  als plötzlich Fionn auftauchte und die Geschichte von dem Eber erzählte, der Diarmuid einmal töten würde. Dieser wurde wütend und machte sich daran, den Eber zuerst zu töten, doch hier zeigte die Geas Wirkung. Im Todeskampf bat Diarmuid (und die dazukommenden Oisin und Osgar, Sohn von Oisin), dass Fionn ihm Wasser bringen möge, denn Fionn hatte die Gabe, dass in seinen Händen Wasser alle Wunden heilen kann und erinnerte ihn daran, wie oft er ihm das Leben gerettet hatte. Zunächst weigerte er sich, gab auf Drängen seiner Familie jedoch nach. Er ließ das Wasser auf dem Weg zweimal durch seine Finger rinnen. Beim dritten Versuch war Diarmuid bereits gestorben. 
 



Anschließend holte Aengus Óg Diarmuid in sein Reich (und gab ihm seine alte Schönheit wieder, nachdem Fionn ihn verspottete, dass die Frauen ihn jetzt sehen sollten, hässlich wie er im Tode ist), während Grainne die Waffen Diarmuids an ihre Söhne verteilte und zur Blutrache aufrief.
 

Verschiedene Versionen der Legende

Natürlich gibt es von der Legende sehr viele Abweichungen und Versionen, je nachdem welche Quelle man bemüht:

Hübscher Diarmuid

In manchen Versionen zwang Grainnes Vater sie einfach zur Heirat mit Fionn, egal was sich seine Tochter wünschte.
Wie Grainne von Diarmuid erfuhr, ist ebenso sehr verschieden: Es gibt die Variante, dass die Hunde beim Festmahl anfingen, sich über die Reste zu bekriegen und Diarmuid versuchte, sie auseinanderzutreiben. Dabei fiel seine Kapuze, die er allzeit über das Muttermal auf seiner Stirn trug, herunter, sodass Grainne einen schönen Blick auf Diarmuid und sein Muttermal erhaschte und sich natürlich sofort in ihn verliebte. In einer anderen Version wiederum saß Grainne neben Fionn und erblickte dabei Diarmuid – diese Variante wurde wohl für Fate/Zero benutzt, da in dem Traum von Kayneth Grainne recht unglücklich neben ihrem Bräutigam saß, während Diarmuid dem Brautpaar zujubelte. 

   
 

Die Flucht

Als sie um ihre Entführung bat, waren je nach Legende noch Oisins Sohn Osgar (oder Oscar) sowie andere Fianna-Angehörige von dem Schlaftrunk verschont geblieben. Nachdem sie Diarmuid mit einer Geas belegt hatte, fragte Diarmuid jeden einzelnen verzweifelt, was er tun sollte. Die Antwort war von jedem die gleiche: Diarmuid bliebe wohl keine andere Wahl, als Grainne zu entführen, auch wenn das seinen Tod zur Folge haben würde, da sie gezwungen sein werden, ihn zu jagen. Weniger populär scheint dagegen die Version zu sein, in der Grainne Diarmuid schon eine ganze Weile liebt, da sie ihn ernst auf einem Fest bei einem Hurlingspiel sah.

Bereits am ersten Tag wurde Diarmuid von Fionn eingeholt und von dessen Sohn und Enkel gewarnt. Er stellte sich jedoch Fionn, nur um daraufhin erneut die Flucht zu ergreifen. In manchen Versionen küsste er an dieser Stelle in aller Öffentlichkeit Grainne, was Fionns Eifersucht nur noch mehr anfachte und nun Diarmuids Kopf verlangte, anstatt bloße Kompensation. Dies wiederholte Diarmuid einige Jahre später, als er Fionn erneut gegenüberstand und Grainne bereits schwanger von ihm war.
Während in manchen Versionen es mehr oder minder eindeutig ist, dass Diarmuid auch mit Grainne schlief, gibt es auch die Versionen, in denen Diarmuid Grainne aus Loyalität zu Fionn nach langer Zeit noch nicht angerührt hatte und sogar Hinweise für Fionn hinterließ, dass er es noch nicht getan hatte. Als sie darauf einmal ins Wasser trat und das Wasser an ihr Bein spritzte, verhöhnte sie Diarmuid, dass sogar das Wasser mutiger wäre als er. In seiner Männlichkeit verletzt, schlief Diarmuid daraufhin endlich mit ihr. 
 

Zeit ist relativ

Während der gesamten Verfolgung verging je nach Version unterschiedlich viel Zeit, manches Mal gab es keine Zeitangabe, sodass der Eindruck entstand, dass nur ein paar Wochen vergangen waren. Es gibt Versionen, da waren Diarmuid und Grainne gerade einmal zwei Jahre auf der Flucht, in anderen vergingen bis zu sieben oder gar sechzehn Jahre. Bei diesen Versionen ist es allerdings umso erstaunlicher, dass Aengus Óg Diarmuid auf seiner Flucht zwar mehr als einmal geholfen hat, aber eben erst nach sechzehn Jahren auf die Idee kam, als Vermittler einzutreten. Je nach Legende bekamen nach der Vermittlung von Aengus Óg Diarmuid und Grainne von Fionn sogar ein Fleckchen Land zugestanden oder aber Diarmuid forderte die Ländereien explizit in den Friedensverhandlungen ein.
 

Diarmuids Ende und Erbe

In anderen Versionen war es Diarmuid selbst, der Fionn nach einem Vorschlag von Grainne einlud, um mit ihm zu jagen. Fionn warnte ihn vor dem Eber, den er verboten war zu töten und Diarmuid hörte auf ihn – zumindest, bis er den Eber tatsächlich erblickte und guckte, ob er ihn nicht doch erledigen konnte. Fionn wollte ihm tatsächlich helfen, erinnerte sich jedoch daran, wie ihm Unrecht getan worden war. Erst die Erinnerung daran, wie ihm Diarmuid das Leben rettete, brachte ihn dazu, Diarmuid das Wasser zu bringen, doch da war es bereits zu spät. 

In manchen Versionen war Grainne zu dem Zeitpunkt schwanger (mit

einem oder gar mit drei Söhnen), erlitt aber eine Fehlgeburt aufgrund von Diarmuids Tod, in manchen gar war es ihre erste Schwangerschaft und sie bekam nur ein Kind von Diarmuid. Das gehört eher zu einer unpopuläre Version, da die fünf Kinder Diarmuids als ein fester Bestandteil seiner Legende angesehen werden.
Das im Teaser erwähnte Schlaflied stammt aus einer weiteren Version – in dieser kam Grainne hinzu, als Diarmuid gerade im Sterben lag und sang es ihm während sie auf die Rückkehr von Fionn mit dem Wasser warteten. 
Außerdem gibt es andere Legenden, in denen Grainne zwar zur Blutrache aufrief, sich Jahre später aber Fionn wieder annäherte und doch beschloss, seine Frau zu werden. Diarmuids Söhne wurden später sogar in die Fianna aufgenommen. Leider fanden die Fianna ein eher unrühmliches Ende und wurden zum größten Teil abgeschlachtet – darunter alle Söhne von Diarmuid. In anderen Versionen wiederum blieben Fionn und Grainne einige Zeit verheiratet, allerdings litt Grainne unter der Verbindung und bat ihren Vater schließlich um die Auflösung der Ehe. Fionn stimmte zu und erhielt als Ausgleich Grainnes Schwester – in dieser Legende spielte Diarmuid überhaupt keine Rolle. 

In einer weiteren Legende war Diarmuids Tochter Eachtach bei seinem Tod zugegen (in anderen war Grainne zu dem Zeitpunkt mit ihr schwanger oder sie war noch ein kleines Kind) und rief ihre Brüder zum Kampf gegen Fionn auf. Sie verfolgten ihn vier Jahre lang, bis Fionn das beständige Kämpfen langsam müde und zu schwach wurde. Dennoch schaffte sie es nicht, ihn am Ende zu töten.


Die Verfolung von Diarmuid und Grainne“ unterlief von ihrem Ursprung deutliche Änderungen. So waren Fionn und Grainne in den ersten Legenden bereits verheiratet, als sie Diarmuid bat, sie zu entführen. Fionn erkannte ihren Hass und trennte sich freiwillig von ihr und sie und Diarmuid zogen in den Süden Irlands – ganz ohne Verfolgung. Über die Zeit wurde die Legende ausgeschmückt und reihte sich in die Legenden über entführte Frauen ein (Diarmuids Legende ist eine der beliebtesten und bekanntesten, aber nicht die einzige), auch ihre Abenteuer auf der Flucht unterscheiden sich je nach Legende, nicht nur in verschiedenen Details, sondern gar in vielen Szenen, die entweder enthalten oder nicht enthalten sind. So entstand eine Vielzahl von Versionen, bei denen nur bestimmte Schlüsselpunkte immer die gleichen sind – wie Diarmuids Tod durch einen Eber.

In den meisten Büchern, die eine Zusammenstellung verschiedener irischer Legen und Sagen beinhalten, ist die Geschichte von Diarmuid und Grainne enthalten – wer also Lust hat, kann sich eines der Bücher einfach mal schnappen und stöbern.

Weiter geht's in Teil 3: Die Ritterehre von Lancer

Autor: /  TonaradossTharayn
Lektor: Anja Degenhardt
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 08.09.2015
Bildcopyright: ufotable, peppermint anime


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