Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Vom 6. bis 8. September fand im Kongress Palais Kassel die größte ehrenamtlich organisierte Convention im deutschsprachigen Raum statt: Die Connichi ist ein jährliches Highlight für alle Freunde japanischer Popkultur.

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Aktuell in Japan:
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Ôe, Kenzaburô

Ôe Kenzaburô gilt als "Das Gewissen seines Landes", da er die Japaner mit seinen Werken dazu animiert über ihr Leben und ihre Kultur nachzudenken. Ebenfalls verarbeitet er aktuelle Themen der Weltgeschichte.
Profil
Infobox

Geburtstag
31.01.1935

Geburtsort
Uchiko

1935 wurde Ôe als fünftes von sieben Kindern in Ôse (heute Uchiko) geboren. Dort besuchte er auch die Grund- und Oberschule, wechselte letztere aber 1951 aufgrund von Mobbing. Dieses Erlebnis wird später in seinem Werk "Me mushiri kōuchi" (jap. 芽むしり仔撃ち, Deutscher Titel: Reißt die Knospen ab) verarbeitet. 1953 unternahm er schließlich seine erste Reise nach Tôkyô und begann dort an der Universität Tôkyô ein Studium der französischen Literatur. Während dieses Studiums beschäftigte er sich besonders mit den Werken Sartres, über welchen er schließlich auch seine Abschlussarbeit verfasste.
1957 gab Ôe sein literarisches Debüt mit dem Werk "Shisha no ogori" (jap. 死者の奢り, Deutscher Titel: Stolz der Toten). Mit diesem Werk war er in der engeren Auswahl Preisträger für den renommierten Akutagawa-Preis zu werden, allerdings erhielt er diesen erst 1958 für den Roman "Shiiku" (jap. 飼育, Deutscher Titel: Der Fang). Zu diesem Zeitpunkt war Ôe 23 und damit der bis dahin jüngste Preisträger. 1960 heiratete er seine Frau Yukari Itami und 1961 kam sein Sohn Hikari zur Welt. Da dieser wegen einer Deformation seines Schädelknochens geistig behindert ist, verfasste Ôe den autobiographischen Roman "Kojinteki na taiken" (jap. 個人的な体験, Deutscher Titel: Eine persönliche Erfahrung) in dem er über das Erlebnis schrieb, in der japanischen Nachkriegsgesellschaft ein geistig behindertes Kind großziehen zu müssen.
1990 war Ôe zu Gast bei der Frankfurter Buchmesse und führte dort ein öffentliches Gespräch mit Günther Grass. 1994 erhielt Ôe als zweiter Japaner nach Kawabata Yasunari den Nobelpreis für Literatur und unternahm von 1999-2000 auch eine Gastprofessur an der Freien Universität Berlin. 2006 wurde der Ôe-Kenzaburô-Preis für Nachwuchsliteratur ins Leben gerufen.

Da sich Ôe in seinen Werken kritisch mit der japanischen Politik und Gesellschaft auseinandersetzt, wurde er zum "Gewissen seines Landes".
Zu Ôes Stil ist zu sagen, dass dieser sehr sozio-politisch geprägt ist. Die Werke sind meist düster gehalten und besitzen zudem einen guten Schuss schwarzen Humors und ein gewisses Maß an Sarkasmus. Die in seinen Werken vorkommenden Charaktere befinden sich meist in einem Schwellenzustand, was bedeutet, dass sie weder Eigenschaften von ihrem vorhergehenden Zustand besitzen, noch welche ihres zukünftigen Ichs. Zwar benutzt er viele Metaphern, beispielsweise in der Schilderung von Krankheiten, dafür allerdings beschreibt er Szenen oft mit kühler Genauigkeit. So passiert es zum Beispiel, dass sich der Geschlechtsakt wie die Beschreibung eines Symptoms anhören kann.
Werke Deutsche Veröffentlichungen
"Stolz der Toten" (Kurzprosa). Fischer Verlag, 1994.
"Der Fang" (Kurzprosa). Suhrkamp Verlag, 1994.
"Reißt die Knospen ab" (Roman). Fischer Verlag, 1997.
"Eine persönliche Erfahrung" (Roman). Suhrkamp Verlag, 1994.
"Der stumme Schrei"(auch "Die Brüder Nedokoro") (Roman). Fischer TaB Verlag, 1994.
"Therapiestation" (Roman). Fischer Verlag, 1995.
"Stille Tage" (Roman). Insel Verlag, 1994.
"Grüner Baum in Flammen" (Trilogie) (Roman). Fischer Verlag, 1995.
"Gestern, vor 50 Jahren. Ein deutsch-japanischer Briefwechsel" (Briefsammlung). Steidl Verlag, 1995.
"Tagame. Berlin-Tokyo" (Roman). Fischer Taschenbuch Verlag, 2007.
"Sayonara, meine Bücher" (Roman). Fischer Taschenbuch Verlag, 2005.
Auszeichnungen
Auszeichnungen
Akutagawa-Preis 1958
Shinchō-Literaturpreis 1964
Tanizaki-Jun’ichirō-Preis 1967
Noma-Literaturpreis 1973
Yomiuri-Literaturpreis 1982
Osaragi-Jirō-Preis 1983
Kawabata-Yasunari-Literaturpreis 1984
Itō-Sei-Literaturpreis 1990
Nobelpreis für Literatur 1994
Kulturorden (abgelehnt) 1994
Asahi-Preis 1994
Weishanhu-Preis 2008
Autor: Jennifer Kinkel /  Juka
Lektor: Anja Kaiser
Grafiker: Julia Kefenhörster
Datum d. Artikels: 09.12.2013
Bildcopyright: Ôe Kenzaburô


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