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Andreas Neuenkirchen ist bekannt für seine Japanbücher, sowohl in Romanform wie auch als Reiseliteratur. Mit „Kawaii Mania“ hat er ganz frisch einen neuen Titel auf den Markt gebracht – und uns Rede und Antwort gestanden!

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Kobayashi, Takiji

Er war Sozialist, dem kein langes Leben beschert war. Takiji Kobayashi machte sich mit seinen Texten und seinem politischen Engagement zu Lebzeiten nicht nur Freunde, sondern auch gefährliche Feinde.
Profil
Infobox

Geburtstag
13.10.1903

Geburtsort
Shimokawazoi (heute Odate)

Geboren wurde Kobayashi am 13. Oktober 1903 in Shimokawazoi, dem heutigen Odate. Im Alter von vier Jahren zog er mit seiner Familie nach Otaru auf Hokkaido und besuchte im späteren Verlauf die Hokkaido Otaru Commercial High School sowie die Otaru Commercial School of Higher Learning – die Kosten hierfür übernahm sein Onkel. Während dieser Zeit entdeckte er seine Leidenschaft zum Schreiben und verfasste mehrere Essays, welche in verschiedenen Magazinen veröffentlicht wurden. In Zeiten eigener finanzieller Schwierigkeiten und allgemeiner Konjunkturflaute schloss er sich der Arbeiterbewegung an.

Nach Beendigung seiner Schulzeit nahm er eine Stelle in der Hokkaido Takushoku Bank an. Während der Parlamentswahl 1928 unterstützte er den Wahlkandidaten Kenzo Yamamoto. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit verarbeitete er in seinem Buch „Higashikutchanko“. Im selben Jahr wurde auch seine Geschichte „March 15, 1928“ im japanischen Literaturmagazin „Senki“ veröffentlicht. Sie beschreibt das Vorgehen der polizeilichen Spezialeinheit Tokko (Tokubetsu Koto Keisatsu), welche für die Kontrolle politischer Gruppen aufgestellt wurde.

1929 wurde Kobayashis Text zu „Kanikosen“ ebenfalls im Magazin „Senki“ abgedruckt und kurz darauf sogar als Theaterstück im Imperial Garden Theater aufgeführt. Das vollständige Werk war in Japan jedoch nicht vor 1948 erhältlich. Es behandelt die Geschichte einer Krabbenkutter-Crew, die unter katastrophalen Umständen und einem brutalen Vorgesetzten zu leiden hat, bis sie sich schließlich zur Wehr setzt. Bei uns erschien „Kanikosen“ 2012 unter dem Titel „Das Fabrikschiff“.
Noch im selben Jahr veröffentlichte Kobayashi das Essay „Absentee Landlord“, was zu seiner Kündigung bei der Bank führte. Inzwischen stand er auch schon unter der Beobachtung der Tokko.

Im Frühjahr 1930 zog Kobayashi nach Tokyo und wurde Generalsekretär der Autorengilde des japanischen Proletariats. Am 23. Mai wurde er unter dem Verdacht der Mitfinanzierung der Kommunistischen Partei Japan verhaftet und am 7. Juni vorerst wieder freigelassen. Doch schon kurz darauf folgte eine weitere Verhaftung wegen Verdachts der Staatsbeleidigung, was im August zu einer Freiheitsstrafe im Toyotama-Gefängnis führte. Am 22. Januar 1931 wurde er auf Kaution entlassen. Im Oktober desselben Jahres trat er offiziell der damals geächteten Kommunistischen Partei Japan bei, bevor er im Frühjahr 1932 abtauchte.

Am 20. Februar 1933 begab sich Kobayashi nach Asakasa in Tokyo, um sich mit einem vermeintlichen Mitglied der Kommunistischen Partei Japan zu treffen. Dieses entpuppte sich jedoch als Mitglied der Tokko-Einheit und als Kobayashi zu fliehen versuchte, waren bereits weitere Tokko-Mitglieder zugegen, welche ihn festnahmen. Er wurde von den Beamten im Freien vollständig entkleidet und mit dicken Stöcken geschlagen, bevor sie ihn ins Krankenhaus einliefern ließen. Dort verstarb Kobayashi um 19:45 Uhr Ortszeit.

Am folgenden Tag ließ die Polizei öffentlich verlauten, dass Takiji Kobayahi an einem Herzinfarkt gestorben sei. Als seine Familienangehörigen den Leichnam zu Gesicht bekamen, präsentierte sich ihnen jedoch ein übelst zugerichteter Körper mit zahlreichen Schwellungen sowie einem auffallend dunkel verfärbten Unterkörper, der innere Blutungen vermuten ließ. Jedoch war kein Krankenhaus dazu bereit, eine Autopsie an dem Leichnam Kobayashis vorzunehmen – aus Angst vor der Tokko.
Werke Deutsche Veröffentlichungen
Der 15. März 1928: Eine japanische Arbeiter-Erzählung (Berlin, 1932)
Krabbenfischer (Verlag Volk und Welt, 1958)
Das Fabrikschiff (Cass, 2012)
Autor: Kathia Krüss
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Kathia Krüss
Datum d. Artikels: 08.03.2014
Bildcopyright: Wikipedia


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