Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Gigantische Wale am Nachthimmel, Clans, die um die Vorherrschaft kämpfen - all das sind Elemente des Fantasy-Romans "Die Clans von Tokito" von Caroline Brinkmann. Im Interview sprechen wir mit der Autorin über Freund und Feind und welchem Clan sie sich anschließen wollen würde.

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Die Kiefernsinseln
 

Mit Bashôs Fußspuren auf dem Weg der Selbstfindung – oder: Kein Ort ist ein Ort für Selbstmörder.
Inhalt Durch einen Albtraum nach Japan geführt – so geht es Gilbert Silvester, Protagonist und mittelmäßig erfolgreicher Akademiker in Marion Poschmanns Roman „Die Kieferninseln“. In seinem Traum betrügt ihn seine Frau mit einem anderen Mann. Für ihn Grund genug, in das nächste Flugzeug zu steigen und nach Tokyo aufzubrechen – am besten so weit weg als nur irgend möglich. Nicht lange nach seiner Ankunft trifft er auf den jungen Japaner Yosa Tamagotchi, dessen Nachname Programm werden soll, als Gilbert ihn einfach von seinem Selbstmordversuch an einer ausgesuchten Stelle am Bahnsteig abhält: Er zwangsadoptiert ihn (ob zu Yosas Leidwesen, ist nicht immer klar ersichtlich), kümmert sich um Yosa und erklärt ihn gleichzeitig zu seinem persönlichen Guide. Zusammen mit dem Japaner macht er sich auf den Weg zu den Kieferninseln – den Weg, den schon Japans großer Dichter Bashô gegangen ist. Dabei lässt er sich zunächst auf einen Umweg ein, um für seinen Begleiter einen angemessenen Platz zum Sterben zu finden.

Gilberts Ansichten über Japan und seine Einwohner sind manchmal verquer, oft intelligent und noch öfter arrogant. Doch Gilberts Blasiertheit macht den Großteil der Komik dieses Romans aus. Es ist die Prise schwarzer Humor, die in Gilberts Sichtweise steckt und die zuweilen ernste Thematik auflockert. Traumsequenzen, Nachrichten von Gilbert an seine Frau, seine Gedanken und Wahrnehmungen sowie Poesie in Form von Haikus gepaart mit Marion Poschmanns wortgewandter Sprache nehmen den Leser mit auf Gilberts Reise zu sich selbst. Ein unsichtbarer roter Faden zieht sich durch die Geschichte und wickelt den Leser um den Finger, verbirgt den Kern, der ab und an durchscheint als eine Mischung aus Selbstfindungsgeschichte, Kapitalismuskritik oder, in bester Woody-Allen-Manier, als ein Seitenhieb auf das Milieu der Intellektuellen.
Die Kieferninseln
 
Autor:Marion Poschmann
Seiten:168
Verlag:Suhrkamp
Erschienen:11.09.2017
ISBN:9783518427606
Preis:20,00 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Belletristik

Fazit Der hanebüchene Grund Gilberts, nach Japan aufzubrechen, dient zu Beginn des Romans vielleicht nur als Platzhalter, der die Reise als das Resultat lang aufgestauter Frustration verbirgt. Immerhin bemerkt Gilbert selbst, dass die Kraft, die ihn zu Leistung antreibt, zu einem Zwang geworden sei. Man muss also etwas genauer hinhorchen in Marion Poschmanns Roman. Dass der Bogen gegen Ende der Geschichte nur lasch zurück zum Anfang gespannt wird, trübt den Lesegenuss zwar, aber die Sprachgewalt, die in „Die Kieferninseln“ steckt, macht den Roman besonders lesenswert und tröstet über den zum Ende hin verborgenen oder gar verlorenen Faden hinweg.
Autor: /  -Yue
Lektor: Roberto Czumbil /  RobbPlus
Datum d. Artikels: 05.03.2018
Bildcopyright: Suhrkamp


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