Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Gigantische Wale am Nachthimmel, Clans, die um die Vorherrschaft kämpfen - all das sind Elemente des Fantasy-Romans "Die Clans von Tokito" von Caroline Brinkmann. Im Interview sprechen wir mit der Autorin über Freund und Feind und welchem Clan sie sich anschließen wollen würde.

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Die Ermordung des Commendatore Band II
 

Eine Metapher wandelt sich – die Magie verfliegt.
Inhalt In Japan erschien Haruki Murakamis Roman „Die Ermordung des Commendatore“ in einem Band. Der Dumont Verlag hat sich dazu entschieden, zwei Bände daraus zu machen. Auf eine Wiederholung des Inhalts des ersten Bandes soll an dieser Stelle verzichtet werden, denn Repetition wird Murakamis zweitem Teil zum Verhängnis. Wer sich den Inhalt noch einmal ins Gedächtnis rufen möchte, findet die Kritik des Vorgängers hier.

Es fällt schwer, etwas über die Fortsetzung zu schreiben, ohne zu viel zu verraten. Denn über weite Strecken geschieht kaum etwas Nennenswertes. Der namenlose Protagonist und Maler führt seine Arbeit an Marie Akikawas Portrait fort, sein geheimnisvoller Nachbar Menshiki, der von der Unsicherheit, ob Marie seine leibliche Tochter ist, zehrt, taucht hin und wieder auf, ebenso der Schwesternkomplex des Malers sowie häufige Bemerkungen über Marie Akikawas kleine Brüste. Der Roman plätschert vor sich hin, ohne es zu wagen, tiefer in seine eigene Geschichte einzutauchen. Spannend wird es erst dann, als Marie spurlos verschwindet und sich eine Falltür im Pflegeheim, das Tomohiko Amada bewohnt, öffnet. Mehr Figuren aus seinem unveröffentlichten Bild „Die Ermordung des Commendatore“ bekommen ihren Auftritt – das allerdings eher lieblos. So schnell, wie sie auftauchen, sind sie auch wieder verschwunden. Genauso schnell ist der Höhepunkt, den der Roman gegen Ende erreicht, wieder vorbei, und Murakamis Magie, die so vielversprechend aus seinem Vorgänger hervorlugte, wie Langgesicht aus Amadas Bild, ist unauffindbar. Die besondere Stimmung, die von einer Verbindung zweier Welten, dem Natürlichen und dem Übernatürlichen – wie Murakami es so gerne konstruiert (man denke an den Schafsmann) –, getragen wird, will gar nicht erst aufkommen, ganz im Gegensatz zum ersten Band. Immer wieder darf der Leser sich durch Wiederholungen quälen und wird dann mit losen Enden belohnt. Allerdings sind diese nichts Ungewöhnliches für einen Murakami.

Versucht man sich an einer psychologischen Lesart des Romans, gibt es einiges, was für eine Interpretation nahrhaften Boden bietet. Unterbewusstsein und Wiedergeburt sind nur zwei Stichwörter, deren Herleitung sich aus Sinnbildern ergibt und einen neuen Blick auf das Gesamtbild ermöglichen. Auch das Doppelgängermotiv wird – wie schon E. T. A. Hoffmann oder Robert Louis Stevenson es so meisterhaft aufgegriffen haben – verwendet, doch die Wirkung ist gering, zünden will es nicht so ganz. Das Problem scheint in den – ich wiederhole mich – endlosen Wiederholungen zu liegen, die Informationen zäh wiederkäuen, die sich der Leser spätestens bei der zweiten Erwähnung gemerkt haben sollte, und die das Lesen zu einer ermüdenden Angelegenheit machen. Irgendwie fühlt man sich ja unterhalten – auch wenn einige Kapitel einer Durststrecke gleichen – aber eben nur irgendwie. Das mag vielleicht ebenfalls eine Kunst sein, die nur Haruki Murakami beherrscht. Doch wenn erst eine tiefergreifende Interpretation nötig ist, um die durchaus intelligenten Verknüpfungen Murakamis herauszufiltern und einen Mehrwert aus dem Lesen des Romans zu ziehen, ist das ein Ungleichgewicht zu Ungunsten des Lesevergnügens. Es mangelt an der Murakami-Magie, die es so oft schafft, eine besondere Stimmung zu generieren, und die sonst so geschickt in die Geschichte rund um ihre Protagonisten gewebt wird, dass man in ihr verweilen mag. In diesem Roman ist ein unfertiges Portrait vollständig – vielleicht hätte die „Ermordung des Commendatore“ unfertig bleiben sollen.
Die Ermordung des Commendatore Band 2: Eine Metapher wandelt sich
 
Autor:Haruki Murakami
Seiten:500
Verlag:Dumont Buchverlag
Erschienen:11.05.2018
ISBN:9783832198923
Preis:26,00 €
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Ursprungsland:Japan
Originaltitel:Kishidancho Goroshi. Killing Commendatore
Originalverlag:Shinchosha
Erstveröffentlichung:2017

Fazit Murakami-Fans, die mit seinen Romanen vertraut sind, werden dem Autor sicherlich viel verzeihen und ihr Augenmerk auf die positiven Aspekte des Romans lenken. Man muss die Fortsetzung nicht gelesen haben, doch man darf natürlich einen Blick riskieren. Immerhin ist Kunst subjektiv.
Autor: /  -Yue
Lektor: Anja Degenhardt
Datum d. Artikels: 25.06.2018
Bildcopyright: DuMont Buchverlag


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