Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Wir haben uns Halloween zum Anlass genommen, euch auf ein paar dämonische Wesen, die in Japan ihr Unwesen treiben, aufmerksam zu machen. Wie ihr ein Aufeinandertreffen vermeidet und was ihr im Fall der Fälle tun könnt, erfahrt ihr in unserem Special!

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Aktuell in Japan:
15.11.: Sieben-Fünf-Drei (shichi go san) (landesweit) | 23.11.: Arbeits- und Erntedank-Tag (kinro kansha no hi) (gesetzlich) | 15.12. - 18.12.: Nara – Kasuga-Fest (regional) | 23.12.: Geburt des Kaisers (gesetzlich) | 15.11.: Sieben-Fünf-Drei (shichi go san) (landesweit)
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Die Ladenhüterin
 

Ein Handbuch fürs Leben fehlt Keiko Furukura gänzlich, darum schätzt sie die Arbeit in einem Konbini – ihr Umfeld nicht so sehr.
Inhalt
Für viele Japanreisende sind Konbini ein Traum: Freundliches Personal wärmt geschwind das leckere Essen aus den stets gut gefüllten Theken auf, während im Hintergrund japanische Musik dudelt. Für Keiko Furukura ist ihr Convenience Store Smilemart die Möglichkeit, ein scheinbar angepasstes, ruhiges Leben zu führen. Sie hat kein Interesse daran, sich den gesellschaftlichen Vorgaben, speziell an den weiblichen Teil der Bevölkerung, zu fügen. Überhaupt versteht sie viele Gedankengänge ihrer Mitmenschen kein bisschen. Sie existiert für den Konbini!
 
Sayaka Murata schöpfte für die detailreichen Abläufe von Keikos Tätigkeit aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz – sie arbeitet selbst immer noch als Aushilfskraft, trotz ihrer zahlreichen Literaturpreise. In der Ich-Form erzählt Keiko von ihrer sonderbaren, unangepassten Kindheit. Sie merkt zunächst, dass Schüchternheit sie vor Ärger bewahrt, und später, dass es hilfreich ist, ihre Kolleginnen zum Vorbild zu nehmen und zu kopieren. Mit den Lästereien im Mitarbeiterbereich kommt sie aber gar nicht zurecht. Seit dem ersten Tag ist die inzwischen 36jährige nun Ladenangestellte – als die merkwürdige Aushilfe Shiraha seinen ersten Tag antritt, gerät ihr Leben vollends aus den Fugen.
 
Auch Shiraha kämpft mit den Geschlechterstereotypen und fühlt sich dennoch besser als Keiko. Nichtsdestotrotz nimmt sie ihn mit nach Hause. Der „Pretend to be dating“-Trope in einer Form, in der man ihn so noch nicht gesehen hat! Die Übersetzung von „Die Ladenhüterin“ übernahm Ursula Gräfe, die unter anderem schon Haruki Murakamis Werke ins Deutsche übersetzt hat.
 
Die Ladenhüterin
 
Autor:Sayaka Murata
Seiten:145
Verlag:aufbau
Erschienen:09.03.2018
ISBN:978-3351037031
Preis:18,00 €
 
Genre:Belletristik
Ursprungsland:Japan
Originaltitel:Konbini Ningen

Fazit
Die Erzählungen aus dem Laden wirken auf den Leser so beruhigend wie auf Keiko selbst. Zum ersten Mal weiß sie, wie sie sich zu verhalten hat, und kann dies gleichzeitig so gutheißen. Wann immer sie menschliche Gefühle – wie Trauer – nicht versteht, kommt es zu witzigen Beobachtungen, bei denen man selbst in Frage stellt, ob die entsprechende Emotion wirklich für alle zu gelten hat. Gleiches gilt natürlich für die starren, unsinnigen Geschlechterrollen, die ihr von Freundinnen und ihrer Schwester vorgelebt werden. „Die Ladenhüterin“ ist ein kurzweiliges Lesevergnügen. Man wünscht sich zum Schluss einige Seiten mehr, um zu wissen, wie es weitergeht. Für uns vielleicht logische Problemlösungen bedenkt Keiko leider gar nicht – oder möchte dies schlicht nicht.
Autor:
Lektor: Anja Degenhardt
Datum d. Artikels: 07.09.2018
Bildcopyright: aufbau


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