Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Und auch dieses Jahr hat unsere Redaktion keine Mühen gescheut, euch ihre Highlights des ausklingenden Jahres 2018 zu präsentieren und damit dem einen oder anderen vielleicht einen Denkanstoß zu geben, was er seinen Liebsten zu Weihnachten unter den Baum legen könnte...!

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Lauf, Vater, lauf
 

Familien, die irgendwie zerbrochen sind. Kinder, die für ihre Eltern lügen. Erwachsene, die vor ihrer Verantwortung davonlaufen oder selbst noch Kind geblieben sind; das alles und noch mehr steckt in Ae-ran Kims Werk „Lauf, Vater, lauf“.
Inhalt
In neun Geschichten schlüpft der Leser in eine ganz bestimmte Person. Das kann die Tochter sein, die vom Vater verlassen wurde und sich ihn anhand Erzählungen der Mutter vorstellt. Oder man ist der jüngste Sohn, dessen Bruder um seine Aufmerksamkeit buhlt und herauszufinden versucht, wo er hingehört. Vielleicht doch lieber eine der anonymen Personen, die sich gleichzeitig nach Nähe und Abgeschiedenheit sehnen, die alte Schulfreunde treffen und nicht wiedererkennen… Menschen, die sich selbst nicht einordnen können; auf engen Wohnverhältnissen in Seoul leben und trotz der Überbevölkerung völlig einsam sind.
 
Einige Geschichten wirken fast traurig, jedoch nicht dramatisch. Während des Lesens macht man sich eigene Gedanken, wie es zu diesem Verlauf gekommen ist oder was wirklich dahintersteckt. Viele Ereignisse rollen sich von hinten auf und geben erst kurz vor Ende ein Bild aufs Ganze, wie zum Beispiel in der Geschichte „Der wahre Grund für ihre Schlaflosigkeit“. Auch reflektieren diese verlorenen Seelen lange über ihr Denken und Handeln. Dabei wirken die Geschehnisse nie langatmig und ausufernd, der Faden wird nicht verloren. 
 
Besonders hervorzuheben ist der Schreibstil, der nie langweilig wird: Es wechseln die Perspektiven, trotzdem wird der Erzählstil vom Ich-Erzähler bestimmt - mit wenigen Ausflüchten ins personale Erzählen. Mit vielen, scheinbar wie nebenbei eingestreuten Metaphern, Fragen und Rückblicken in die Vergangenheit kann der Leser die kleinen und großen Geheimnisse erahnen. Auch gehen die Geschichten unterschiedlich auf ihr Ende zu. Bekommt eine Erzählung gegen Schluss einen beinahe bedrohlichen Ton, hinterlassen andere fast ein Gefühl von Harmonie zurück – und man entsinnt sich seiner eigenen Familienharmonie.
 
Lauf, Vater, lauf: Erzählungen
 
Autor:Ae-ran Kim
Seiten:224
Verlag:Cass
Erschienen:01.09.2014
ISBN:9783944751023
Preis:16,00 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Belletristik, Erzähltes Leben, Korea
Ursprungsland:Korea-Süd
Originaltitel:달려라, 아비
Originalverlag:Changbi Publishers Inc.
Erstveröffentlichung:2005

Fazit
Ae-ran Kim schreibt mit verdeckten Karten und lässt den Leser nur selten ihr ganzes Blatt sehen. Dadurch fragt man sich am Ende jeder Geschichte oftmals, wie es mit der Person weitergeht oder mittendrin, warum diese Person so oder so gehandelt hat. Deshalb wird empfohlen, jede einzelne Erzählung für sich zu lesen und dazwischen Pausen zu machen, um jeden Schluss entsprechend auf sich wirken zu lassen. 
Der deutsche Verlag hat den Einband ansprechend und zur Stimmung der meisten Eindrücke im Buch ein wenig düsterer gestaltet; hier sind der Vater aus der ersten Geschichte und der Sohn aus „Feuerwerksspiele am Strand“ zu sehen. Der koreanische Originalverlag hatte stattdessen den rennenden Vater aus der Titelstory in Bunt abgebildet.
 
Die Autorin ist Absolventin der Korean National University of Art und erhielt für die Titelgeschichte den Hanguk Ilbo-Literaturpreis. Neben „Lauf, Vater, lauf“ gibt es in Deutschland noch „Goliath im Wasser“ und „Mein pochendes Leben“ von der Autorin zu lesen.
Autor:
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Anja Degenhardt
Datum d. Artikels: 13.10.2018
Bildcopyright: Changbi Publishers Inc., Cass Verlag


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