Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Wir haben uns Halloween zum Anlass genommen, euch auf ein paar dämonische Wesen, die in Japan ihr Unwesen treiben, aufmerksam zu machen. Wie ihr ein Aufeinandertreffen vermeidet und was ihr im Fall der Fälle tun könnt, erfahrt ihr in unserem Special!

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Der Bergmann
 

„Damals wollte ich einfach nur an irgendeinen dunklen Ort gelangen. Ich hatte das eine Ziel vor Augen: Du musst ins Dunkle.“
Inhalt In Natsume Sôsekis Roman „Der Bergmann“ flüchtet der 19-jährige, namenlose Ich-Erzähler aus seinem reichen Elternhaus, flüchtet vor den Urteilen anderer und vor zwei Frauen, zwischen denen er sich nicht entscheiden kann. Sein Gemütszustand ist wankelmütig, ergriffen von Gedanken an den Tod und durchzogen von Unsicherheit, ob das Leben nicht doch gute Seiten für ihn bereithält. Seine emotionale Zerrissenheit erinnert an die Romantiker des 19. Jahrhunderts – die gequälte Seele, der müßige Reisende auf der Flucht vor der Gesellschaft: All das verkörpert der naive Jüngling, der sich von einem Schlepper dazu verleiten lässt, in einem Bergwerk zu arbeiten. Er gibt die Verantwortung für sich ab, lässt seinen Schlepper die Entscheidungen treffen und fügt sich in sein neues Schicksal, das ihn in die Dunkelheit des Berges führt. Doch in eben dieser Dunkelheit erlebt er eine Reise zu sich selbst und kehrt als ein anderer ans Tageslicht zurück.

Der Roman, der sich als Tatsachenbericht tarnt, wird aus der Sicht des Protagonisten erzählt, der Jahre später analytisch auf die damaligen Ereignisse blickt. Dabei bedient er sich einer reichen Bildsprache, die sich in Vergleiche ergießt, wenn man sie sehen will. So tauchen alte, von Fliegen übersäte Manjû nur kurz nach dem Arbeitsangebot im Bergwerk auf, das der Schlepper dem Jungen schmackhaft machen will und die der Arbeitslose in einer Art Wettessen verdrückt, obwohl ihm eigentlich nicht danach ist. Immer wieder ist der Roman dabei von gesellschaftskritischen Gedanken bestimmt, die sich unaufdringlich in das Gesamtgeschehen einfügen. Die Schlussfolgerungen, die der Protagonist aus seiner Selbstbeobachtung zieht, überträgt er auf die Gesellschaft, enttarnt den Menschen als ein Opfer derselben, das seiner Selbstbestimmung beraubt ist. Eben diese holt er selbst sich am Ende des Romans zurück.
Der Bergmann: Roman (Taschenbücher)
 
Autor:Natsume Sōseki
Seiten:230
Verlag:Dumont Buchverlag
Erschienen:12.03.2018
ISBN:9783832164461
Preis:11,00 €
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Genre:Belletristik
Ursprungsland:Japan
Originaltitel:Kôfu
Originalverlag:Shunkyôdô
Erstveröffentlichung:1908

Fazit „Der Bergmann“ ist ein intelligenter Roman über festgesetzte Strukturen der Gesellschaft und zugleich eine psychologische Selbstanalyse eines unerfahrenen, jungen Mannes, einer Romanfigur, deren Selbstfindung im Mittelpunkt steht. Auch wenn „Der Bergmann“ bereits 1908 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, haben die Schilderungen und Beobachtungen nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Diese Zeitlosigkeit macht den Reiz des Romans aus und ihn heute noch genauso lesenswert wie damals.
Autor: /  Yanis
Lektor: Anja Degenhardt
Datum d. Artikels: 30.10.2018
Bildcopyright: Dumont Buchverlag


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