Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Gigantische Wale am Nachthimmel, Clans, die um die Vorherrschaft kämpfen - all das sind Elemente des Fantasy-Romans "Die Clans von Tokito" von Caroline Brinkmann. Im Interview sprechen wir mit der Autorin über Freund und Feind und welchem Clan sie sich anschließen wollen würde.

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Der Sympathisant
 

„Das war nicht meine Meinung, aber die meiner Rolle als guter Hauptmann, und als Schauspieler musste ich Verständnis haben für den Mann, den ich mimte.“ „Es kann also nicht überraschen, dass ich manchmal davon träumte, mir die Maske herunterzureißen, nur um dann festzustellen, dass sie zu meinem Gesicht geworden war.“
 
Inhalt

Der Vietnamkrieg ist vorüber und eine Flucht nach Amerika bereits gelungen. Trotzdem fällt es dem Protagonisten schwer, sich von Krieg und Rolle zu lösen und zu einem echten Leben zurück zu kehren. Umstände und Menschen zwingen ihn dazu, weiter hinter seiner Maske verborgen zu bleiben und im Untergrund weiter an zum Scheitern verurteilten Kriegsbemühungen zu arbeiten.

Als Kind eines französischen Pfarrers und einer vietnamesischen Frau ist der Ich-Erzähler schon sein ganzes Leben lang gespalten zwischen den Lagern. Kinder wie Erwachsene bezeichnen ihn als Bastard und erdrückt vom Selbsthass und von der Ohnmacht über die Geschehnisse in seinem Land, sieht er sich oft selbst so.

Seine Arbeit macht es nicht leichter: Als Maulwurf lebt er getarnt unter Fremden, die er als Freunde und Feinde gleichermaßen sieht und obwohl er viele Werte der amerikanischen Ideologie teilt, schreibt er trotz allem seine Berichte an die Untergrundbewegung des Kommunismus.

Traumatisiert und heimgesucht von den Toten begegnet er schließlich einem bekannten Filmemacher, der den Krieg gern detailgetreu nachspielen lassen will – so wie Amerikaner ihn erlebt haben. Für die Seite des Feindes, den Vietcong, und der Zivilbevölkerung möchte er Eindrücke und Tipps zur Darstellung vom Protagonisten. Außerdem soll er sich unter seinen eigenen Landsleuten, denen die Flucht ebenfalls gelungen ist, nach fähigen Schauspielern umsehen. Dass viele ihn dabei als Landesverräter ansehen, erscheint dem Doppelspion als grausame Ironie. Dem Regisseur ist das hingegen einerlei; er will lediglich einen authentischen Film drehen, der die Kinokassen füllt.

Verzehrt von Albträumen, dem dauerhaften Druck seiner Umgebung unterworfen und gefangen in einem nie endenden Teufelskreis der Machtspiele muss sich ein Flüchtling erneut seinen Dämonen stellen.

Der Sympathisant
 
Autor:Viet Thanh Nguyen
Seiten:528
Verlag:Heyne
Erschienen:08.10.2018
ISBN:9783453439603
Preis:11,99 €
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Genre:Krimi/Thriller, Geschichte
Ursprungsland:USA
Originaltitel:The Sympathizer
Originalverlag:Atlantic Monthly Press
Erstveröffentlichung:2015

Fazit

Von Viet Thanh Nguyen geschrieben - der selbst aus dem Vietnam nach Amerika floh - und in Deutschland vom Heyne Verlag veröffentlicht, beschreibt „ Der Sympathisant“ in Ich-Perspektive den Werdegang eines Protagonisten, der, den Fängen des Krieges gerade entronnen, versuchen muss, sich zurecht zu finden.

Seinem Beruf stets getreu wird dabei sein eigener Name nie genannt und der anderer Personen lediglich als Spitzname oder in Form ihrer Berufsbezeichnung wie General, Major oder Kommandant. Und diese wiederum hält er durch Adjektive auseinander, was manchmal zu ein wenig Verwirrung führen kann und die Charaktere gegenüber dem des Ich-Erzähler insgesamt recht oberflächlich gestaltet.

Abgesehen von fehlenden Charakterbeschreibungen schreibt Viet Thanh Nguyen jedoch großartig, mit einem Spannungsbogen, der seine Höhen und Tiefen aufweist und teilweise echt genialen Metaphern. Er fördert Wendungen zutage, die über etwas langatmige Monologe hinwegtrösten – im gesamten Werk sucht der Leser nämlich wörtliche Rede vergebens.

Das Resultat ist eine unbedingt lesenswerte Geschichte mit neuen Ansichten und Überlegungen weit über den Vietnamkrieg hinaus, die einen noch lange nach dem Lesen beschäftigen.

Autor:
Lektor: Anja Matter / Cami
Grafiker: Anja Degenhardt
Datum d. Artikels: 21.02.2019
Bildcopyright: Heyne, Viet Thanh Nguyen, Atlantic Monthly Press


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