Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Am 10. September ist "Welttag der Suizid-Prävention". Aus diesem Anlass veröffentlichte Egmont Manga jüngst den Einzelband "My broken Mariko" von Waka Hirako. Wir möchten euch dieses besondere Werk nicht vorenthalten und stellen es hiermit vor...!

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Grotesk
 

Übertriebene Schönheit und krasse Hässlichkeit – in diesem Roman stoßen diese Gegensätze brutal zusammen und erzeugen so viel übersprudelnden, zerstörerischen Hass, dass es vor allem eins ist: grotesk.
Inhalt Im Mittelpunkt des Romans: Vier Frauen. Vier Frauen, von denen die jede für sich so extrem ist, so grotesk, dass man sie als Monster bezeichnen kann.
Vier Frauen, die sich nicht nach den strengen Regeln der japanischen Gesellschaft richten wollen und damit unvermeidlich in ihr Verderben rennen. Zwei von ihnen sind gerade kurz hintereinander ermordet worden. Die in ihrer Jugend abartig schöne Yuriko und die krankhaft ehrgeizige Kazue.

Als die Ich-Erzählerin von dem Mord an ihrer jüngeren Schwester erfährt, ist sie nicht sonderlich geschockt. Sie empfindet nicht einmal Trauer, im Gegenteil, sie ist erleichtert, dass das verhasste Wesen endlich aus ihrer Welt verschwunden ist. Der Tod ihrer ehemaligen Klassenkameradin Kazue nimmt sie dagegen schon eher mit. Denn dass die ehrgeizige Büroangestellte bei Nacht wie ihre Schwester der Prostitution nachging, hatte sie nicht geahnt. Niemand hatte das geahnt, aber es ist ein gefundenes Fressen für die Medien, ebenso wie die Tatsache, dass beide Frauen wahrscheinlich demselben Mörder zum Opfer gefallen sind.
Doch das Werk ist kein Krimi, die Aufklärung der beiden Morde steht nicht im Mittelpunkt des Romans, sondern das Leben der vier Frauen. Geschildert wird es sehr subjektiv von der Ich-Erzählerin und aus den Tagebüchern und Briefen, in die diese dem Leser Einblick gewährt, obgleich sie ihren eigenen Erzählungen teilweise widersprechen.

Die Ich-Erzählerin und ihre kleine Schwester Yuriko sind die Kinder einer Japanerin und eines Schweizers, der die Familie regiert wie ein König und oft sogar handgreiflich wird. Doch das ist nicht das Einzige, was das Familienleben und besonders die Erzählerin belastet. Yuriko, die keinerlei äußere Ähnlichkeit zu ihren Eltern oder ihrer Schwester aufweist, ist schon als Kind von nahezu unmenschlicher Schönheit. Jeder, der sie sieht, ist sofort bezaubert und entsprechend enttäuscht vom Anblick der restlichen Familienmitglieder. Yurikos große Schwester entwickelt deswegen einen extremen Minderwertigkeitskomplex, der ihr ganzes Leben zu bestimmen scheint. Ihre einzige Waffe gegen die monströse Schönheit ihrer Schwester ist die Boshaftigkeit, in der sie ihr einziges Talent zu erkennen glaubt und die sie forciert, so gut sie kann. Besessen von äußerlichen Merkmalen und der Vererbung dieser, schildert sie das bedrückende Familienleben aus ihrer eigenen, eifersüchtigen Perspektive.

Als ihre Familie zurück in die Schweiz geht, sieht sie endlich ihre Chance gekommen, um von ihrer Schwester loszukommen, indem sie alleine in Japan in der Sozialwohnung ihres von Bonsais besessenen Großvaters bleibt und sich einen Platz auf der angesehenen Q-Oberschule für junge Frauen erkämpft. Dort herrscht ein knallharter Konkurrenzkampf, doch es sind nicht die schulischen Leistungen, die zählen, sondern Beziehungen. Wer nicht genug Geld hat oder nicht hübsch genug ist, hat keine Chance, in den Inn-Zirkel aufgenommen zu werden.
Auf dieser Schule kreuzen sich die Wege der vier Frauen, denn nach dem tragischen Tod ihrer Mutter, beschließt Yuriko nach Japan zurückzukehren.
Jede der Mädchen entwickelt ihre eigene Strategie, um mit dem enormen Druck der Gemeinschaft zurechtzukommen. Während Yuriko wegen ihrer äußeren Erscheinung mühelos in den Inn-Zirkel aufgenommen wird und es auch der fleißigen Mitsuru durch harte Arbeit gelingt als Klassenbeste dazuzugehören, kann sich Kazue noch so sehr bemühen, ohne die geringste Chance zu bekommen. Die Ich-Erzählerin wappnet sich daher mit ihrer Bösartigkeit gegen den harten Klassenkampf.

Schon bald jedoch trennen sich die Wege der Mädchen wieder. Es ist der Anfang vom Ende. Als die Ich-Erzählerin und Mitsuru sich nach den Morden erneut treffen, hat jede von ihnen einen erschreckenden persönlichen Niedergang hinter sich.
Grotesk
 
Autor:Natsuo Kirino
Seiten:640
Verlag:Lit Verlag
Erschienen:03.05.2010
ISBN:9783442301300
Preis:22,95 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Krimi/Thriller
Ursprungsland:Japan
Originaltitel:Gurotesuku
Originalverlag:Bunshun

Fazit Natsuo Kirino schafft ein sehr finsteres Werk, das schonungslos eine sehr extreme und unschöne Seite der japanischen Gesellschaft zeigt.
Besonders das Tagebuch der ehrgeizigen Kazue geht unter die Haut. Die Unfähigkeit der Frauen sich selbst zu reflektieren und die Trugbilder, in die sie sich flüchten, um die Wahrheit zu verdrängen und ihr Leben zu ertragen, wirkt abstoßend und verstörend.
So schnell sich der Roman trotz seiner beachtlichen Seitenzahl liest, es ist kein Buch, das man so schnell vergiss. Dafür ist die Welt, in die Kirino dem Leser Einblick verschafft, zu grotesk.
Autor: /  Kaychi
Lektor: Jennifer Brox
Grafiker: Kay Kraus /  Kaychi
Datum d. Artikels: 15.05.2011
Bildcopyright: Natsuo Kirino, Goldmann Verlag, Random House UK


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