Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Am 10. September ist "Welttag der Suizid-Prävention". Aus diesem Anlass veröffentlichte Egmont Manga jüngst den Einzelband "My broken Mariko" von Waka Hirako. Wir möchten euch dieses besondere Werk nicht vorenthalten und stellen es hiermit vor...!

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Die Umarmung des Todes
 

Dass sie einmal einen Mord begehen und anschließend die Leiche zerlegen würden, hätte sich keiner der vier Frauen, die sich Nacht für Nacht zusammen in einer Lunchpaketfabrik abarbeiten, je vorstellen können. Und ebenso wenig, dass sie von da an nicht nur von der Polizei verfolgt werden würden.
Inhalt Nacht für Nacht plagen sich die abgeklärte Masako, die schöne Yoyoi, die dicke Kuniko und die fleißige Yoshie bei der Nachtschicht in einer Lunchpaketfabrik am Standrand. Die Arbeit ist hart, doch die vier Frauen brauchen diesen Job nicht nur, weil er besser bezahlt ist, als die Arbeit am Tag. Die Nachtschicht bietet ihnen zusätzlich die Möglichkeit, aus ihren kaputten Familien zu flüchten, die, außer der gemeinsamen Wohnung, nichts mehr eint.
Doch plötzlich verbindet die Vier noch etwas ganz anderes: ein Mord und die Beseitigung der Leiche.
Als Yoyois Ehemann eines Abends nicht nur gewalttätig gegen sie wird, sondern ihr auch noch gesteht, ihre gesamten Ersparnisse beim Glückspiel verloren zu haben, bringt sie ihn im Affekt um. Verzweifelt wendet sie sich an ihre Kollegin Masako, auf deren kühl berechnendes Wesen stets Verlass ist, und bittet sie um Hilfe. Aus Gründen, die sie zunächst selbst nicht nachvollziehen kann, erklärt sich Masako ohne zu zögern bereit, Yayoi die Beseitigung der Leiche abzunehmen und zwingt ihre Arbeitskolleginnen Yoshie und Kuniko, ihr dabei zu helfen.
Doch letztere zur Komplizin zu machen erweist sich schnell als verhängnisvoller Fehler, denn die charakterschwache, wenig intelligente Kuniko nimmt die Entsorgung der Leiche auf die leichte Schulter und der akkurat zerstückelte Körper des Toten wird bald gefunden. Zum Glück für die vier Frauen verdächtigt die Polizei jedoch zunächst nicht die schuldige Yoyoi, sondern den Besitzer des Casinos, in dem der Ermordete das Geld der Familie verspielt hatte und mit dem er am Mordabend in Streit geraten war. Was zunächst wie ein unverhoffter Glücksfall erscheint, stellt sich bald als furchtbare Wende heraus. Denn als man ihn aus Mangel an Beweisen aus der Untersuchungshaft entlässt, sinnt der Mann mit der grauenvollen Vergangenheit auf Rache. „Sieht ganz so aus, als hätten wir ein schreckliches Ungeheuer geweckt“, sagt Masako einmal und ahnt doch noch nicht annähernd, wie Recht sie damit behalten soll.

Vor allem, weil das Verhalten der gierigen, egoistischen Kuniko stets unberechenbar ist, leben die vier Frauen in der Folgezeit unter der ständigen Anspannung und Angst, etwas könne herauskommen, sie könnten etwas übersehen haben, oder jemand könne sie verraten. Auch ihre Freundschaft zerbricht langsam unter den schwierigen Umständen und das Vertrauen ineinander schwindet rasch. Vor allem Masako ist ihnen mit ihrer kaltblütigen Art bald unheimlich, doch gleichzeitig scheint sie auch die einzige, die in der Lage ist, die Frauen und sei es durch Einschüchterung, zusammenzuhalten und ein Herauskommen der Sache zu verhindern.

Neben der Vertuschung des Mordes haben die vier Frauen jedoch auch noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Die konsumsüchtige Kuniko ist hoch verschuldet und benötigt dringend Geld, um sich diverse Kredithaie vom Leib zu halten. Außerdem kämpft sie mit ihrem zwischen den Extremen schwankenden Selbstwertgefühl.
In einer ähnlich verzweifelten Situation befindet sich auch Yoshie als alleinerziehende Mutter einer egoistischen Tochter. Sie lebt mit dieser und der garstigen, bettlägerigen Schwiegermutter, um die sie sich Tag und Nacht wie um ein Baby kümmern muss, in einer ärmlichen Behausung. Auch sie benötigt daher so dringend Geld, sodass sie bald vor nichts mehr zurückschreckt. Masako dagegen ist die einzige der vier Frauen, die sich nicht von Geldsorgen überwältigt sieht. Sie lebt in einem kleinen Häuschen, seelisch isoliert, mit ihrem Mann, von dem sie sich bereits völlig entfremdet hat und ihrem schon fast erwachsenen Sohn, der seit einem Vorfall in der Schule kein Wort mehr spricht. Ihre totale Einsamkeit wird ihr jedoch erst durch ihre Beihilfe zur Mordvertuschung wirklich bewusst. Yayoi dagegen lebt, zum Missfallen der anderen Frauen, nach dem Mord an ihrem Mann schnell auf, leidet jedoch stark unter dem eingebildeten oder echten Misstrauen der Nachbarn gegen sie und der daraus resultierenden Isolation.
In ihren ausweglosen Situationen erpressen sich die vier Frauen häufig gegenseitig und schüren so Misstrauen und Hass gegeneinander, sodass ein Ausweg immer unwahrscheinlicher erscheint, während die gefährliche „unsichtbare dritte Partei“ ihnen stetig näher kommt und Zusammenhalt nötiger wäre denn je.
Die Umarmung des Todes
 
Autor:Natsuo Kirino
Seiten:608
Verlag:Sonstige
Erschienen:01.01.2005
ISBN:9783442458523
Preis:9,95 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Krimi/Thriller
Ursprungsland:Japan
Originaltitel:OUT
Originalverlag:Kôdansha
Erstveröffentlichung:1997

Fazit „Die Umarmung des Todes“ von Natsuo Kirino kennt keine schwarz-weiß Malerei und keine Helden. Jeder der Protagonisten lädt Schuld auf sich und wird kriminell tätig, sodass man häufig abgestoßen ist von den Gräueltaten der Charaktere. Gleichzeitig jedoch gelingt es Kirino auch Verständnis und stellenweise sogar Sympathie für die Täter zu wecken, während für die Opfer meist wenig Mitleid bleibt. Zum Verständnis der Figuren und ihrer Motive tragen vor allem die häufigen Perspektivwechsel bei, durch die der Leser einen guten Einblick in das Seelenleben aller wichtigen Charaktere bekommt. Dass sich dadurch öfter Wiederholungen ergeben, stört kaum, denn die Situationen werden von den Beteiligten meist so unterschiedlich wahrgenommen, dass dies der Spannung bis fast zur letzten Seite nicht schadet.
Unglücklich gewählt ist lediglich die Übertragung des Originaltitels „OUT“ in „Die Umarmung des Todes“, denn Kirinos Werk ist weit mehr als nur ein spannender Krimi. Es ist vor allem auch eine interessante Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der japanischen Gesellschaft: mit Außenseitern, die sich nicht in die klassischen Rollenbilder einfügen wollen, der gesellschaftlichen Isolierung, die sie dadurch erfahren, der Armut und den Folgen einer auf Konsum fixierte Gesellschaft, in der materielle Werte allen anderen übergeordnet scheinen.
Autor: /  Kaychi
Datum d. Artikels: 02.08.2012
Bildcopyright: Natsuo Kirino, Goldmann Verlag


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