Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Am 10. September ist "Welttag der Suizid-Prävention". Aus diesem Anlass veröffentlichte Egmont Manga jüngst den Einzelband "My broken Mariko" von Waka Hirako. Wir möchten euch dieses besondere Werk nicht vorenthalten und stellen es hiermit vor...!

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Die Wildgans
 

Jeden Tag nimmt Medizinstudent Okada dieselbe Route auf seinem abendlichen Spaziergang durch Tokyo. Als der gutaussehende junge Mann dabei einmal die Aufmerksamkeit einer jungen Frau, die als Konkubine eines Geldleihers einsam in einem Haus auf seinem Weg wohnt, auf sich zieht, entspinnt sich zwischen den beiden bald eine wortlose Beziehung, die zunächst auf nichts als dem täglichen Blickkontakt beruht.
Inhalt Tôkyô 1880, im dreizehnten Jahr nach der Meiji Restauration: Suezô hat es vom Aufwärter für Botengänge für Studenten zu einem wohlhabenden Geldleiher gebracht. Obwohl dies ein Beruf von geringer gesellschaftlicher Achtung ist, führt der scharfsinnige, aber geizige Mann, mit einer Vorliebe für teure Kleidung, ein sehr angenehmes Leben, in dem es ihm eigentlich an nichts mangelt.
Unglücklicherweise jedoch ist seine Frau ein plumper, wenig begehrenswerter Mensch und so entsteht in ihm mit zunehmendem Wohlstand bald der Wunsch, sich eine Zweitfrau, eine Konkubine, zuzulegen. Otama, das Mädchen, das er sich als diese wünscht, lebt allein mit ihrem Vater in ärmlichen Verhältnissen. Doch als Suezô über eine Kupplerin an sie herantritt, ist Otamas Vater zunächst wenig von der Vorstellung begeistert, seine einzige Tochter einem fremden Mann als Nebenfrau zu überlassen.
Zu seinem Glück ist die junge Frau, die bald Suezôs ganzes Denken bestimmt, jedoch nicht nur ungewöhnlich gut aussehend, sondern auch von sehr selbstlosem Charakter. Und so überredet sie ihren Vater, obgleich sie eigentlich selbst gegen den Antrag Suezôs ist, darauf einzugehen, um so ihrem geliebten Vater ein sorgenfreieres Leben ermöglichen zu können. Da Suezô zudem behauptet, seine eigentliche Ehefrau wäre bereits verstorben und auch seinen wahren Beruf als „Wucherer“ verschweigt, wird die Verbindung schließlich geschlossen.
Otama wird in eigenen Haushalt einquartiert und auch ihr Vater erhält ein eigenes Grundstück.
Tatsächlich entwickeln sich die Dinge zunächst unerwartet gut für Otama, denn Suezô, der sich zu Hause als herrischer Tyrann gibt, ist seiner Geliebten gegenüber überaus freundlich, sanft und großzügig und seine Besuche entwickeln sich zu dem einzigen Tageshöhepunkt in Otamas ihrem neuen Leben.
Doch die dreiste Lüge über den wahren Beruf und Ehestand Suezôs kommt bald heraus und Otama muss auf bittere Weise die Ächtung erfahren, die sie als Nebenfrau eines stadtbekannten Wucherers von da an von der Gesellschaft erfährt. Völlig außer sich will sie sich zunächst ihrem Vater anvertrauen, vor dem sie ihr ganzes Leben nie Geheimnisse hatte. Doch als sie diesen in seinem schönen neuen Haus aufsucht und das angenehme Leben sieht, dass er nun dank ihrem Opfer führen kann, entscheidet sie sich anders. Um ihrem Vater keine Sorgen zu bereiten, schweigt Otama über ihren Kummer und beschließt stark zu sein. Dadurch jedoch zerstört sie das einst so enge Band der Vertrautheit zwischen den beiden und verliert den einzigen Menschen, zu dem sie eine wirkliche Bindung hatte. Und während Otama jeden Tag aufs Neue allein mit ihren Sorgen den Tag überstehen muss, breiten sich die die Gerüchte von der schönen Konkubine in der Stadt immer weiter aus und erreichen schließlich auch Suezôs Frau.

Gerade jedoch, als Otama immer mehr unter dem seelischen Druck der gesellschaftlichen Ausgrenzung, Isolation und Langeweile zu leiden beginnt, und ihr die eigene Situation schon völlig ausweglos erscheint, lässt eine zunächst sehr unspektakuläre und scheinbar ganz alltägliche Begegnung neue Hoffnungen in ihr aufkeimen.
Zwar kennt sie weder den Namen des jungen Mannes, den sie jeden Tag von ihrem Platz am Fenster ihres Hauses aus beobachtet, noch weiß sie sonst irgendetwas über ihn, doch hat sie aus irgendeinem Grund das Gefühl einen Seelenverwandten in dem Fremden gefunden zu haben. Und als ihr dann auch noch der Zufall zu Hilfe kommt, sieht es einen kurzen Moment so aus, als könne sich ihre eigentlich unmögliche Hoffnung tatsächlich erfüllen.
Die Wildgans
 
Autor:Ogai Mori
Seiten:240
Verlag:Manesse
Erschienen:13.02.2012
ISBN:9783717522782
Preis:17,95 €
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Genre:Belletristik, Historischer Roman, Klassiker, Japan
Ursprungsland:Japan
Originaltitel:Gan
Originalverlag:Subaru

Fazit Obwohl „Die Wildgans“ kaum direkte Handlung beinhaltet, hat es keine Längen. Mori Ôgai schafft es, mit wenigen Worten starke Bilder und intensive Stimmungen heraufzubeschwören und erzählt poetisch und geschickt eine interessante und spannende Geschichte mit sehr glaubhaften Charakteren.
Das Werk gilt nicht ohne Grund als Ôgais Meisterstück und bedeutender Teil der Weltliteratur.
 
Autor: /  Kaychi
Lektor: Regina Liebersbach /  Chimi-mimi
Grafiker: Kay Kraus /  Kaychi
Datum d. Artikels: 22.10.2012
Bildcopyright: Manesse Verlag, Mori Ôgai


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