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Gigantische Wale am Nachthimmel, Clans, die um die Vorherrschaft kämpfen - all das sind Elemente des Fantasy-Romans "Die Clans von Tokito" von Caroline Brinkmann. Im Interview sprechen wir mit der Autorin über Freund und Feind und welchem Clan sie sich anschließen wollen würde.

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Das Fabrikschiff
 

„Das Fabrikschiff“ ist ein Klassiker der japanischen Arbeiterliteratur, der die grausamen Bedingungen japanischer Seeleute auf einem Krabbenschiff unter ihrem tyrannischen Vorgesetzten schildert, bis diese schließlich aufbegehren.
Inhalt „Das Fabrikschiff“ spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan.
Die meisten der Krabbenfischer und Saisonarbeiter, die zu Beginn der Geschichte auf der „Hakkomaru“ anheuern, haben zuvor bereits in vielen anderen Betrieben zu grausamen Bedingungen Arbeit genommen, sei es im Bergwerk, beim Eisenbahnbau oder bei Siedlungsprojekten. Um ihre Familien versorgen zu können, bleibt ihnen keine andere Wahl, als jede noch so harte Arbeit auf sich zu nehmen.
Doch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen, denen sich die Fischer und Saisonarbeiter nach dem Auslaufen auf diesem Krabbenfangschiff ausgesetzt sehen, übersteigen bald alle Vorstellungskraft.
Die 400 Mann starke Besatzung lebt nach dem Auslaufen zusammengepfercht auf engstem Raum in dem „Jauchefass“ genannten Schlafraum. Neben der Kälte und der harten Arbeit sehen sie sich täglich dem Terror des Aufsehers Asagawa ausgesetzt, gegen den sich selbst der Kapitän des Schiffes nicht aufzulehnen traut. Diesem geht es bei ihrer Mission nicht nur um Krabben, sondern vor allem darum, den Feind, die Russen, zu übertrumpfen und alles für das japanische Kaiserreich zu geben. Vor allem jedoch, geht es ihm um den Profit des Unternehmens, ein Menschleben dagegen zählt für ihn nichts. Billige Arbeitskräfte sind genug vorhanden.
Eingeschüchtert durch grausam statuierte Exempel, arbeiten die Krabbenfischer täglich bis zur völligen Erschöpfung. Nebenbei leiden sie unter mangelnder Nahrung und katastrophalen Hygienebedingungen. Es dauert nicht lange, bis in Folge von Vitaminmangel die Beriberi-Krankheit zu grassieren beginnt und sich schrecklicher Ungezieferbefall unter den Seeleuten verbreitet.
Doch die Männer, die der Krabbenfirma nicht mehr wert sind als ein Papiertaschentuch, werden unerbittlich zur Arbeit gezwungen. Immer drakonischer werden die Strafen für die „Drückeberger“, nicht selten überleben die Opfer nur knapp.
Der erste Wendepunkt im Denken der Arbeiter ergibt sich jedoch, nachdem einige von ihnen in Folge eines Sturms an der russischen Küste stranden. Als sie zum Mutterschiff zurückkehren, bringen sie kommunistische Ideen und Berichte über Arbeitskämpfe vom russischen Festland mit.
Als schließlich der erste Arbeiter unter menschenunwürdigsten Bedingungen an Beriberi stirbt und die Antreiber den geschockten Fischern nicht einmal eine Totenwache oder anständige Bestattung zugestehen, wird den Männern endgültig klar, dass sie nicht weitermachen können wie bisher. Denn sie erkennen schließlich, dass der Tod ihres Kameraden nicht einfach nur ein tragischer Zufall war, sondern kaltblütiger Mord.
Um der Seele des Verstorbenen Frieden zu verschaffen, und um sich selbst vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren, beschließen sie, endlich gegen ihre Peiniger aufzubegehren.
Das Fabrikschiff
 
Autor:Takiji Kobayashi
Seiten:112
Verlag:Cass
Erschienen:29.05.2012
ISBN:9783980902281
Preis:9,80 €
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Genre:Geschichte, Japan
Ursprungsland:Japan
Originaltitel:Kanikôsen
Originalverlag:Kikanshi
Erstveröffentlichung:1958

Fazit Was Kabayashi in seiner kurzen Erzählung beschreibt, ist keine leichte Lektüre. Eindringlich und schonungslos erzählt er von der Not und dem Elend der Fischer und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Als „Das Fabrikschiff“ (im Original „Kanikōsen") 1929 erstmals in Japan erschien, wurde es umgehend verboten und Takiji Kobayashi zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt. Wenige Jahre später wurde der Autor in Polizeigewahrsam zu Tode gefoltert.
Im Zusammenhang mit dem starken wirtschaftlichen Druck auf japanische Arbeiter in Folge der Finanzkrise, erfuhr das Werk in Japan zuletzt große Aufmerksamkeit. Nachdem eine populäre Ikone einer jungen Arbeiterbewegung die Lebensverhältnisse von sogenannten Freetern (jap. Kunstwort aus eng. „free“ und dt. „Arbeitern“) öffentlich mit denen, der im Buch geschilderten Krabbenfischer verglich, schossen die Verkaufszahlen des Buches in die Höhe und löste den sogenannten "Kanikōsen boom" aus.
„Das Fabrikschiff“ wurde bereits 1958 in Deutschland veröffentlicht – damals jedoch unter dem Titel „Krabbenfischer“. Das Werk wurde auch mehrfach verfilmt und 2006 als Manga adaptiert.
Autor: /  Kaychi
Lektor: Elsa Philipp
Grafiker: Kay Kraus /  Kaychi
Datum d. Artikels: 03.01.2013
Bildcopyright: Takiji Kobayashi, Cass Verlag


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