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Japan: Abstieg in Würde
 

„Allenthalben sah ich hoch betagte Menschen, die arbeiteten, oft noch spät abends. […] Was mich indes fast noch mehr berührte: Auch viele Junge sahen alt und müde aus. Sie lebten offensichtlich im Wohlstand, aber ihnen fehlte, was ich in China und in Indien selbst bei den Ärmsten der Armen oft noch beobachtet hatte – Lebensfreude und Hoffnung.“
Inhalt Ähnlich wie Deutschland hat auch Japan mit einem ganz bestimmten gesellschaftlichen Problem zu kämpfen: der Überalterung. Die Jahre, in denen die Bevölkerung sich „verlässlich“ vermehrt hat, sind vorbei, es kommen immer weniger Kinder auf die Welt und die Anzahl der Alten wächst stetig. Die damit einhergehenden Probleme kennen wir aus den eigenen Nachrichten zu genüge: Altersarmut, Pflegenotstand und wirtschaftlicher Abstieg. Mit dem Unterschied, dass die sogenannte „Vergreisung“ Japans noch um Einiges schneller vonstattengeht, als in Deutschland!

In dem Buch „Japan: Abstieg in Würde“ beschreibt der Korrespondent Wieland Wagner, der seit den '90er Jahren aus und über Japan berichtet, wie die einst so bewunderte japanische Wirtschaft unaufhaltsam den Boden unter den Füßen verliert. Dabei hebt er jedoch nicht den pädagogischen Zeigefinger oder richtet selbigen auf vermeintliche Schuldträger. Statt dessen beleuchtet der den Alltag verschiedenster Menschen im heutigen Japan und zieht gerne auch Vergleiche zu einem früheren Zeitpunkt ihres Lebens: Sei es der mitdreißigjährige Supermarktangestellte Yuma, der noch immer in seinem Elternhaus wohnt, Tadashi Yanai, der Gründer der heute sehr beliebten Bekleidungskette Uniqlo, Joe, der die Aufnahmeprüfung an der Uni verweigerte und sich mehr und mehr von der Gesellschaft abkapselte, oder Atsuhiko Kurokawa, ein kämpferischer Optimist, der sich für ein besseres Leben seiner Heimatstadt Imabari auf Shikoku einsetzt.

Parallel zu Einzelschicksalen werden aber auch die gesellschaftlichen Strukturen erläutert, deren Ursprünge meist weit zurückliegen; ein Kapitel wurde sogar ausschließlich dem geschichtlichen Verlauf gewidmet. Auch auf das Nukleardesaster von Fukushima und der Atompolitik Japan versus Deutschland wird detailliert eingegangen. Und man erfährt, warum in einem riesigen Gebäudekomplex, der früher zur Herstellung von Computerchips diente, heute Salatköpfe gezüchtet werden.
 
Japan - Abstieg in Würde: Wie ein alterndes Land um seine Zukunft ringt
 
Autor:Wieland Wagner
Seiten:256
Verlag:DVA
Erschienen:03.09.2018
ISBN:9783421047946
Preis:20,00 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Erzähltes Leben, Geschichte, Japan

Fazit „Japan: Abstieg in Würde“ ist eine sehr politik- und wirtschaftslastige Lektüre, die dem Laien vielleicht nicht immer ganz leicht verdaulich erscheint. Dennoch sollte man sich davon nicht abschrecken lassen, denn auch – oder gerade – für Leute mit wenig Hintergrundwissen erläutert der Autor Details und Zusammenhänge entsprechend verständlich. Der Fokus wurde besonders auf die vergangenen dreißig Jahre gelegt, seit die „Bubble Economy“ Ende der Achtziger Jahre geplatzt ist.
Autor:
Lektor: Saskia Haber
Datum d. Artikels: 04.03.2020
Bildcopyright: ©DVA


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