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Nicolas Chauvat hat uns zum Erscheinen seines Ratgebers "Genki: Die 10 goldene Regeln aus Japan" Rede und Antwort gestanden. Erfahrt in unserem Interview, warum er sich entschieden hat, dieses Buch zu schreiben und woher seine Leidenschaft für das Land der aufgehenden Sonne rührt!

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Samurai oder Von der Würde des Scheiterns
 

Was macht einen japanischen Helden aus? Welche Tragik verbirgt sich hinter ihm und wie kommt es zur Legenbildung? Ivan Morris zeigt auf, wie speziell und emotional aufgeladen japanische Helden sind, die allesamt scheiterten – und das immer mit einer Würde, die einen in Staunen versetzt.
Inhalt Der Titel ist etwas irreführend, da nicht nur Samurai als Helden der Geschichte Japans aufgezeigt werden. Auch Prinzen wie Yamato Takeru - der allerdings kein Samurai war - Gelehrte wie Sugawara no Michizane oder auch die Kamikaze-Flieger im zweiten Weltkrieg werden beispielhaft als Typen des tragischen Helden, dem es bestimmt ist zu scheitern, herangezogen.

In zehn Kapitel, vom 4. bis zum 20. Jahrhundert, erklärt Ivan Morris an verschiedenen historischen Figuren das Phänomen des Helden in Japan und wie sehr es sich von dem westlich-europäischen Bild unterscheidet. Ein wahrer Held scheint den ausweglosen letzten Kampf zu suchen, den er nicht gewinnen wird, gar nicht gewinnen kann und trotzdem bestreitet er ihn. Er kämpft für die gerechte Sache, nicht selten für das Volk. Aber ein Held muss scheitern und letzten Endes sterben – ansonsten ist er kein Held. Erst der Tod scheint diese tragischen Helden endgültig zu mystifizieren. Vielfach wird in der Rezeption die Geschichte der Helden umgeschrieben, sodass sie oft bereits als Neugeborene oder Kinder den Weg, der zu gehen war, vor sich sahen oder sie eine Vision einer strahlenden Zukunft hatten, für die sie kämpfen mussten. Ivan Morris versucht, die Legendenbildung von den historischen Fakten zu trennen und sich vor allem auf letztere zu stützen und macht anhand derer auch klar, wenn die Legendenbildung nicht nur eine hoffnungsvolle Kindheit zeichnet, sondern auch vollkommen falsch liegt. Die Widersacher der tragischen Helden werden in der Rezeption nicht selten als bösartige, dumme, egoistische wie egozentrische Menschen dargestellt, die Japan das Blut aussagen und sich gegen die Bürger stellen. Tatsächlich waren viele von ihnen jedoch hochgebildet und kämpften auf anderem Wege für „das Gute“, lediglich mit anderen Methoden. Wenn man von Helden spricht, teilt man schnell in „Gut“ und Böse“ ein, doch Ivan Morris zeigt auf, dass die Trennung nicht immer so leicht fällt, wie man glauben mag – und das auch die Schwächen der Helden etwas ist, was sie so sympathisch macht.

Im Anhang befinden sich detaillierte Fußnoten, die noch weitere Informationen geben, sowie auch eine kritische Auseinandersetzung der Legenden und Quellenlage. Das einzige Manko ist, dass sie am Ende der Seite besser aufgehoben gewesen wären, sodass das lästige Hin- und Herblättern wegfällt.
Samurai oder Von der Würde des Scheiterns: Tragische Helden in der Geschichte Japans
 
Autor:Ivan Morris
Seiten:590
Erschienen:25.01.1999
ISBN:9783458342151
Preis:15,00 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Geschichte, Japan
Ursprungsland:USA
Originaltitel:The Nobility of Failure: Tragic Heroes in the History of Japan
Originalverlag:Holt, Rinehart and Winston
Erstveröffentlichung:1975

Fazit Ivan Morris wurde 1925 in London geboren und schloss ein Studium der Japanologie in Harvard, USA ab. Er veröffentlichte mehrere Werke zur Geschichte Japans und übersetzte einiges, wie „Life of an Amorous Woman“ von Ihara Sakaku, aus dem Japanischen ins Englische. „Samurai oder von der Würde des Scheiterns“, bzw. „The Nobility of Failure: Tragic Heroes in the History of Japan“ erschien 1975, ein Jahr vor seinem Tod.
Autor: /  TonaradossTharayn
Lektor: Jennifer Brox
Grafiker: Rebecca Bertram /  Reh-Baecker
Datum d. Artikels: 20.07.2011
Bildcopyright: Ivan Morris, Insel Taschenbuch, Holt, Rinehart and Winston


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