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Tokio Total: Mein Leben als Langnase
 

Büstenhalter für Männer und Heirat mit Comicfiguren: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind nicht die USA, sondern Japan. In seinem Buch „Tokio Total“ nimmt Finn Mayer-Kuckuk den Leser mit auf eine Safari durch den Tokioter Großstadtdschungel und entdeckt dabei mehr als nur eine Kuriosität.

Inhalt

Japan ist das Land der Widersprüche, das Land der Zen- und Elektrotempel und die vorübergehende Wahlheimat des Autoren Finn Mayer-Kuckuk. 2006 verschlug es den Journalisten, der japanische Kultur und Literatur studiert hat, beruflich nach Tokio, wo er die nächsten Jahre verbrachte. In seinem Buch teilt er auf 218 Seiten und in Form kleiner Anekdoten seine Erlebnisse im Land des Lächelns mit der Öffentlichkeit. Dabei beginnt sein Bericht noch vor seiner Versetzung nach Tokio, nämlich bei seinem ersten Besuch in Japan; zu einer Zeit, in der er noch sehr wenig Japanisch verstand und mit dem Rucksack durch das Land tingelte. Aber bereits diese erste Begegnung mit den höflichen Nipponesen – wie sie Mayer-Kuckuk gerne nennt – ist ausreichend, um ein halbes Kapitel zu füllen. So erfährt der Leser, dass man in Japan seine Trauben vor dem Verzehr schält oder dass man als Westler auch in ehrerbietige Starre beim Anblick eines perfekten Reiskorns verfallen kann.

Weiter geht die Safari an die japanische Uni, an der Mayer-Kuckuk ein Auslandsjahr im Zuge seines Japanologie-Studiums verbrachte. Besonderes Highlight dieser Station ist zweifelsohne die Angelpartie, die der Autor mit seinen Studienkollegen am nahegelegenen Atommeiler unternahm. In Zeiten von Fukushima mit Sicherheit ein Bild, das unangenehme Assoziationen hervorruft, gleichzeitig jedoch so charmant geschrieben ist, dass der Leser nicht anders kann, als über das japanische Vertrauen in die Obrigkeit und die deutsche Übervorsichtigkeit zu schmunzeln.

Im Folgenden führt Finn Mayer-Kuckuk seine Leser an den eigentlichen Ort des Geschehens: Nach Tokio. Seine Arbeit als Journalist eröffnet ihm natürlich die Möglichkeit, an viele verschiedene Orte zu gelangen und auch einige neue Produkte im Vorfeld zu erleben. Ein Beispiel dafür ist der Büstenhalter für Männer, der von der männlichen Bevölkerung Japans durchaus positiv angenommen wurde – nach Aussagen des Autors. Aber es sind nicht nur die Glanzseiten wie die ausgefallen Gourmet-Tempel oder Vergnügungsparks, an die der Leser geführt wird. Auch Themen wie Obdachlosigkeit und Missbrauch staatlicher Gewalt werden angesprochen – diese aber natürlich aus rein subjektiver Sicht. Zum Schluss hat der Leser das Gefühl, einen kleinen Teil der Reise mit dem Autor gegangen zu sein und schließt das Buch nicht unbedingt schlauer, dafür aber um ein paar Erfahrungen reicher.

Tokio Total: Mein Leben als Langnase
 
Autor:Finn Mayer-Kuckuk
Seiten:224
Verlag:Sonstige
Erschienen:19.04.2010
ISBN:9783442312115
Preis:14,95 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Erzähltes Leben, Reiseführer/Reisebericht, Japan
Ursprungsland:Deutschland
Originalverlag:Goldmann Verlag
Erstveröffentlichung:2010

Fazit

„Tokio Total“ ist ein sympathischer Japan-Bericht, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, dafür aber authentisch wirkt. Auf amüsante Weise und in leichter Schreibweise vermittelt der Autor dem Leser seine Erfahrungen und geizt auch nicht mit Selbstreflektion. Besonders angenehm dabei ist, dass bei allem Witz stets der tiefe Respekt zu spüren ist, den Mayer-Kuckuk für Japan empfindet. Auf diese Weise teilt man als Leser schnell die Begeisterung des Autors und lässt sich auch die eine oder andere unschöne Wahrheit erzählen. Mittlerweile lebt Finn Mayer-Kuckuk in Peking; seine dortigen Erlebnisse kann man auf seinem Blog „Peking Total“ mitverfolgen.

Autor:
Lektor: Aylin Hoffmann /  Tuulikki
Grafiker: Jennifer Brox
Datum d. Artikels: 09.10.2011
Bildcopyright: Goldmann Verlag


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