Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Nicolas Chauvat hat uns zum Erscheinen seines Ratgebers "Genki: Die 10 goldene Regeln aus Japan" Rede und Antwort gestanden. Erfahrt in unserem Interview, warum er sich entschieden hat, dieses Buch zu schreiben und woher seine Leidenschaft für das Land der aufgehenden Sonne rührt!

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Aktuell in Japan:
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Reise nach Japan: Kulturkompass fürs Handgepäck
 

Fettnäpfchenalarm! Eine „Reise nach Japan“ birgt ihre eigenen, ganz spezifischen Gefahren. Bevor man jedoch als Vorbereitung ins nächste buddhistische Kloster eintritt, tonnenweise Sushi isst oder den nächsten Manga als Sozialstudie verwendet, sollte man einen Blick in den vorliegenden Reiseführer werfen, es lohnt sich.

Inhalt

„When in Rome, do as the Romans do!“ Auf jeder Reise sollte man nach diesem Sprichwort verfahren, das uns daran erinnert, dass wir uns als Gast in jedem fremden Land an die jeweiligen Sitten und Gepflogenheiten anpassen müssen. In kaum einem anderen Land erscheint es uns aber so wichtig wie in Japan, dessen Benimm-Katalog gut und gerne dem Brockhaus Konkurrenz machen könnte. Nicht einmal die Japaner selbst kennen alle Regeln auswendig, wie uns das vorliegende Buch erklärt. Da ist ein kleiner kultureller Reiseführer sicher nicht die schlechteste Wahl für das Handgepäck. „Reise nach Japan“ will dem Leser jedoch nicht etwa japanische Etikette antrainieren, sondern vielmehr den westlichen Verstand für japanische Denkweisen schulen.

So lernen wir zum Beispiel, dass Japan lange Zeit ein Land von Kriegern war, was sich, angeblich, auch heute noch in den hierarchischen Strukturen der Konzerne widerspiegelt. Oder aber, dass die Religion eine untergeordnete Rolle spielt, da Scham und nicht Schuld das Alltagsdenken prägt; die Strafe für nonkonformes Verhalten erfolgt gleich hier und jetzt auf sozialer Ebene und bedarf keiner göttlichen Intervention.

In einem anderen Text schildert uns Andreas Stuhlmann die vielseitige Kundschaft eines Love Hotels und zeichnet die Geschichte dieser sehr speziellen Herbergen zwischen Prostitution und Freizeitpark nach. Über einen kleinen Abstecher in ein Onsen geht es schließlich zu den „Frauen der Meere“, den Taucherinnen, die ohne Atemgeräte auf ihrer Suche nach Meeresfrüchten bis zu dreißig Meter tief tauchen.

Auch der hiesigen Küche, dem Tätowieren, dem Futon sowie der Kalligraphie und dem Manga werden jeweils ein Kapitel gewidmet; und damit ist noch längst nicht Schluss. Insgesamt sind es 21 Texte auf 207 Seiten, jeder von einem anderen Autor verfasst und von unterschiedlicher Länge.

Der Stil der einzelnen Artikel variiert dabei deutlich. Einige von ihnen sind wie ein wissenschaftlicher Essay aufgebaut, andere präsentieren sich als amüsante Anekdote, wie zum Beispiel das ausgekoppelte Kapitel aus Christoph Neumanns Buch „Darum nerven Japaner“. Auch dürfte der Gebrauch von Fachausdrücken einige Texte zäher zu lesen machen als andere. Nicht jeder weiß schließlich auf Anhieb, was eine „extratemporale finite Form“ ist. Dennoch ist die Mischung ausgewogen und es ist ein besonderer Vorteil des Buches, dass man es an einer beliebigen Stelle aufschlagen und einfach drauflos lesen kann.

Reise nach Japan: Kulturkompass fürs Handgepäck
 
Autor:Françoise Hauser
Seiten:218
Verlag:Unionsverlag
Erschienen:01.09.2009
ISBN:9783293204690
Preis:10,90 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Geschichte, Reiseführer/Reisebericht, Japan

Fazit

Die Herausgeberin Françoise Hauser, die in Erlangen, Tainan (Taiwan) und Nanjing (China) Sinologie studierte, hat mit diesem Reiseführer der etwas anderen Art eine Reihe interessanter Texte zusammengetragen, die dem Westler die teilweise schwer durchschaubare Kultur Japans näher bringt. Fernab von gängigen Tipps wie „ziehen Sie Ihre Schuhe im Eingang aus“ oder „putzen Sie nie in der Öffentlichkeit die Nase“ erlaubt „Reise nach Japan“ einen Blick hinter die lächelnde Fassade unserer Gastgeber und versucht uns mit dem nötigen Verständnis auszustatten, um auch den Sinn hinter all diesen Handlungen zu erkennen.

Autor:
Lektor: Christine Schäffer
Grafiker: Jennifer Brox
Datum d. Artikels: 18.03.2012
Bildcopyright: Unionsverlag


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