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Tokio Vice: Eine gefährliche Reise durch die japanische Unterwelt
 

Japans Mafia, die Yakuza, kennt man vor allem aus Filmen als brutale, tätowierte Männer mit strengem Ehrenkodex. Was sich wirklich hinter diesem Mythos versteckt und wie tief die Yakuza in der japanischen Gesellschaft verwurzelt und in die Politik des Landes verstrickt sind, darüber berichtet Jake Adelstein in „Tokyo Vice".
Inhalt Als gaijin (Ausländer) einen Job als Reporter bei der Yumiuri Shimbun - der führenden japanischen Tageszeitung - zu bekommen, ist quasi unmöglich. Und so ist es fast ein keiner Skandal, als genau das Jake Adelstein, einem etwas „verrückten“ und darum häufig unterschätzten Juden aus Kanada, gelingt.

Dass er Jahre später einmal beschließen wird, diese Karriere aufzugeben, weil er und seine Familie wegen seiner Recherche für einen Artikel plötzlich im Visier der Handlanger von Japans größtem und wahrscheinlich gefährlichstem Yakuzaboss stehen, hätte er sich zu diesem Zeitpunkt bestimmt nicht vorstellen können.

Nach diesem Vorgriff beginnt das Buch locker und lustig von Anfang an zu berichten. Adelstein erzählt in amüsanter Weise von seinem Reporteralltag zwischen Polizeirevieren und Tatorten, offener Diskriminierung, tyrannischen älteren Kollegen, jeder Menge Fettnäpfchen und wie es ihm trotz allem gelingt, langsam Fuß zu fassen in der komplizierten Welt der Polizeireporter.

Das ihm dabei wortwörtlich oft die eigene Nase im Weg steht, ist unvermeidlich. Doch Adelstein weiß sie auch geschickt einzusetzen und spielt mit einer gehörigen Portion Dreistigkeit den gaijin-Bonus sehr unterhaltsam aus und kokettiert gerne mit den eigenen Unzulänglichkeiten. So gelingt es ihm mit der Zeit, sich sein eigenes Netzwerk aus zuverlässigen Informanten und Freunden aufzubauen, die unerlässlich für einen guten Polizeijournalisten sind.

Doch umso weiter das Buch voranschreitet, umso bedrückender wird es. Themen wie Mord, Erpressung, Prostitution und Menschenhandel rücken in den Vordergrund, als Adelstein sich im Laufe seiner Karriere zunehmend auf das Gebiet des organisierten Verbrechens spezialisiert. Der leichte Humor wird von einer düsteren Spannung abgelöst und auch wenn Adelstein den Leser weiterhin immer wieder zum Schmunzeln bringt, ändert sich der Grundton des Buches völlig.
Was am Ende bleibt, ist ein sehr bitterer Nachgeschmack. Denn Adelstein deckt nicht nur schockierende Machenschaften der Yakuza auf und klagt die Untätigkeit der Polizei an, er geht vor allem auch mit sich selbst und seinen Fehlern hart ins Gericht.
Tokio Vice: Eine gefährliche Reise durch die japanische Unterwelt
 
Autor:Jake Adelstein
Seiten:384
Verlag:Riva Verlag
Erschienen:01.10.2010
ISBN:9783868830835
Preis:19,95 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Erzähltes Leben, Japan
Ursprungsland:USA
Originaltitel:Tokyo Vice: An American Reporter on the Police Beat in Japan
Originalverlag:Pantheon
Erstveröffentlichung:2009

Fazit Einmal angefangen zu lesen, kann man dieses Buch nur noch schwer aus der Hand legen. Zu Beginn weil es so unterhaltsam, informativ und einfach sympathisch ist, später weil man sich dem dunklen Sog und der Spannung kaum mehr zu entziehen vermag.
Nicht nur über die Yakuza und deren Geschäfte, Organisation und Methoden erfährt man eine Menge, sondern auch über die japanische Medienlandschaft und den Arbeitsalltag eines Journalisten.
Etwa in der Mitte seines Buches erläutert Adelstein zwei japanische Begriffe für Traurigkeit. Einer davon ist „yarusenai“, was in etwa „nicht verzeihen, nicht loslassen können“ bedeutet. Ein Schmerz, der immer bleibt. Am Ende dieser Lektüre ist dies wohl das Wort, das sich einem am meisten eingeprägt hat.
Autor: /  Kaychi
Lektor: Jennifer Brox
Datum d. Artikels: 07.04.2012
Bildcopyright: Jake Adelstein, Riva, Pantheon


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