Animexx - Verein der Anime- und Mangafreunde e.V.

Nicolas Chauvat hat uns zum Erscheinen seines Ratgebers "Genki: Die 10 goldene Regeln aus Japan" Rede und Antwort gestanden. Erfahrt in unserem Interview, warum er sich entschieden hat, dieses Buch zu schreiben und woher seine Leidenschaft für das Land der aufgehenden Sonne rührt!

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Japanische Jahrenzeiten - Tanku und Haiku aus dreizehn Jahrhunderten
 


Über tausend japanische Kurzgedichte fangen die Stimmungen aller Jahreszeiten ein.
Inhalt Jahreszeiten faszinieren die Menschheit schon seit Jahrtausenden in ihrer facettenreichen Vielfalt und Schönheit. Das Buch „Japanische Jahreszeiten“ ist eine Sammlung von über tausend Gedichten, die die jeweiligen Stimmungen der fünf japanischen Jahreszeiten einfangen und unterschiedlich darstellen. In Japan ist Neujahr eine eigene Jahreszeit und hat deshalb seinen eigenen Platz in dieser Sammlung – es steht ganz zu Anfang.
Ein Beispiel von Seite fünfzehn:

„Erster Tag im Jahr.
Nichts ist böse, nichts ist gut,
sondern alles – lebt!“ - Shinki

Die Gedichte sind schlicht, auf das Wesentliche reduziert und nicht immer sofort zugänglich. Sie bündeln nicht nur ästhetische Momente, wie zum Beispiel das Symbol des blühenden Kirschbaums oder den Berg Fujiyama, sondern sprechen ebenfalls von Gefühlen, wie Sehnsucht, Liebesschmerz, Hoffnung und Trauer. Die jeweiligen Stimmungen werden durch traditionell wirkende Illustrationen unterstrichen und setzen Akzente. Das älteste Gedicht stammt aus dem siebten, das jüngste aus dem zwanzigsten Jahrhundert.
Die Gedichte haben entweder die Form eines Tanka oder Haiku. Tanka ist dabei die ältere, literarischere Form der Gedichtkunst in Japan. Es ist schon 712 auf alten japanischen Schriftdenkmälern zu finden. Tanka ist ein Fünfzeiler mit einunddreißig Silben. Haiku hat dagegen nur drei Zeilen, das heißt, der „Unterstollen (die beiden letzten siebensilbigen Zeilen) werden weggelassen und nur der „Oberstollen“ bleibt übrig. Das Gedicht soll damit noch kürzer und noch prägnanter gemacht werden. Seit dem fünfzehnten Jahrhundert lebt Haiku unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus und strebt eine ganz bestimmte künstlerische Wirkung an: Die des Unvollendeten, des nicht Abgegrenzten, Unausgesprochenen, Ausgesparten und Angedeuteten. Heute sind Haiku im eigentlichen Sinne nur noch siebensilbige Gedichte , die eine Naturstimmung oder -impression zum Thema haben. Dafür gibt es feststehende Regeln.
Das Buch, eine Neuauflage der 1963 erschienenen Ausgabe, hat um die vierhundert Seiten mit fast über tausend Kurzgedichte. Es besitzt einen Hardcovereinband. Der weiße Umschlag besteht aus geriffeltem Papier. Es gibt keine bunten Seiten, alles ist in Schwarzweiß gehalten und das Papier fühlt sich dünn und edel an, sodass man es bloß nicht zerknicken möchte.
Auf der Vorderseite befindet sich mittig ein großer roter Punkt – das Cover steht also ganz im Zeichen der japanischen Flagge. In diesem Punkt steht der Buchtitel geschrieben. Drum herum fliegen ein paar Kraniche, die ebenfalls ein Symbol des Landes der aufgehenden Sonne sind. Auf der Rückseite liest man ein Beispielgedicht:

„Blütenblätterfall-
In des Reisfeld Wasser glänzt
Mond- und Sternenschein.“ - Buson

Warum die Schaffer ausgerechnet dieses Gedicht ausgesucht haben, kann ich gut nachvollziehen: Es ist wunderschön. Sofort hat man dieses Bild des Blütenblätterfalls vor Augen. Es strahlt Ruhe und Geborgenheit aus und repräsentiert das Gefühl, das man hat, wenn man die Seiten durchblättert und tief in die einzelnen Jahreszeiten eintaucht.  
Japanische Jahreszeiten: Tanka und Haiku aus dreizehn Jahrhunderten
 
Autor: Gerolf Coudenhove
Seiten:408
Verlag:Manesse
Erschienen:09.03.2015
ISBN:9783717540885
Preis:24,95 €
Bestellen: Bei Amazon...
 
Genre:Gedichte, Japan

Fazit Eine wunderschöne Sammlung von Erinnerungen aus dreizehn Jahrhunderten. Angeordnet nach dem faszinierenden Thema Jahreszeiten. Hier taucht man in die alte japanische Lyrikkunst ein und nimmt sehr viele Eindrücke daraus mit. Die Gedichte eignen sich auch gut für Grußkarten oder Briefe. Das Buch an sich wirkt edel und ist ein Schatz in jeder Gedichtsammlung.
Autor: /  Inori90
Lektor: Anja Degenhardt
Datum d. Artikels: 28.08.2015
Bildcopyright: Manesse


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