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Aktuell in Japan:
15.09.: Tag der Verehrung der Ahnen (keiro no hi) (gesetzlich) | 14.09. - 15.09.: ôsaka – Danjiri Matsuri (regional) | 14.09. - 17.09.: Kamakura - Hachiman Matsuri (regional) | 22.09. - 23.09.: Tagundnachtgleiche (o-higan) (landesweit) | 07.10. - 09.10.: Nagasaki – Okunchi Matsuri (regional)

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Schule in Japan Teil I

 
Wer kennt das nicht: Quietschende Kreide, unangekündigte Tests und eine Menge Langeweile? Die gemeinsten Lehrer geben die schwierigsten Hausaufgaben auf und fiese Stundenpläne ermöglichen dem nach Freizeit gierendem Schüler kaum eine Verschnaufpause, die man dazu braucht, um seine Freunde zu treffen und die neuesten Anime-Serien zu gucken.
Und wenn man dann solch witzige Serien wie „School Rumble“, „Ouran High Host Club“ oder „Azumanga Daioh“ ansieht, möchte man nichts sehnlicher, als auch ein japanischer Schüler zu sein.

Doch die Realität sieht anders aus. Japanische Schüler müssen oftmals lange Pendelfahrten zu ihrer Schule machen und zusätzlichen Unterricht in so genannten Paukschulen besuchen, denn sie stehen unter enormen Leistungsdruck. Dieser Druck geht nicht selten von den Eltern aus, aber auch von den Lehrern, die möglichst viele Schüler der eigenen Schule in eine Eliteuniversität bringen wollen.
Schon allein deswegen haben japanische Schüler eine ganz andere Einstellung zum Lernen als deutsche.

Ist das Leben gleich Schule?
Fragt man deutsche Schüler, ob sie gern zur Schule gehen, wird man wohl höchstens von Grundschülern freudige Zustimmung bekommen. Sicher gibt es auch einige ältere Schüler, die die Schulzeit genießen, aber für die meisten ist Freizeit ein Begriff von Freiheit. Allerdings gibt es davon in Deutschland im Gegensatz zu Japan genügend. Da wären zum Beispiel ungefähr 80 Ferientage im Jahr, dazu die freien Wochenenden, die freien Nachmittage und Feiertage.
Japanische Schüler hingegen haben nur drei Mal im Jahr Ferien: 2 Wochen zu Neujahr, 2 Wochen im März bzw. April und 6 Wochen im Juli und August. Anders als hier beginnt ein neues Schuljahr immer am ersten April. Somit finden die Sommerferien sozusagen mitten im Schuljahr statt, weswegen japanische Lehrer den Schülern für diese Zeit gerne viele Hausaufgaben aufgeben.
In einigen Privatschulen Japans gibt es noch die Sechs-Tage-Woche. Allerdings dauert der Unterricht am Samstag dann nur bis ungefähr 12.30 Uhr und nicht, wie an normalen Wochentagen von halb neun bis 15 Uhr.

Nach dem Unterricht säubern japanische Schüler ihre Klassenräume selbst und besuchen bis 17 Uhr einen der von der Schule angebotenen Clubs („kurābu“). Diese sind sehr vielfältig. Es gibt z.B. Sport-, Kunst-, Musik- und naturwissenschaftliche Clubs oder Literaturzirkel, wodurch Interessengruppen entstehen und das partnerschaftliche Verhalten gefördert wird.
Ohnehin ist Teamwork eines der Erziehungsziele japanischer Lehrkräfte, was durch z.B. das gemeinsame Saubermachen oder andere Aufgaben, wie Essensdienst, die Pflege der Schultiere oder der Pflanzen geübt wird. Durch solche Aufgaben entstehen ganz andere Bindungen zur Schule als man es aus Deutschland kennt. Es gibt sozusagen einen emotionalen Stellenwert, der durch das Tragen der Schuluniformen, die Verehrung des Schulgründers, die Schulflagge, Schulhymnen und schuleigenen Erziehungsgrundsätzen, die in jedem Klassenraum an der Wand hängen, zum Ausdruck gebracht wird.
Die Schule mischt sich in Japan also, anders als in Deutschland, sehr stark in die eigentliche Erziehung ein und macht deutlich, inwieweit die Grenzen zwischen Schule und Leben ineinander verflochten sind.
Für die japanischen Schüler ist die Schule das Leben, denn durch diese werden sie schon von Kindesbeinen an geformt und zu Harmonie und Teambereitschaft erzogen.

Generell ist der japanische Unterricht sehr routiniert. Die Schüler verlassen den Raum während der 50minütigen Schulstunden nicht und sollte ein Lehrer verhindert sein, führen die Schüler im Unterrichtsraum selbst geleitete Studien („jishū“) durch.
Ist der Unterricht vorbei, verlassen die Japaner ihre Schule nicht, sondern säubern gemeinschaftlich ihren Klassenraum und bereiten sich auf ihre Clubaktivitäten vor.

Nach diesen Aktivitäten gehen die Schüler jedoch nicht nach Hause, sondern besuchen eine der vielen Nachhilfestätten, die es in Japan en masse gibt.

Es gibt zum Beispiel Paukschulen („juku“ oder „gakushū juku“), welche Grund- und Mittelschülern teuren Zusatzunterricht, Nachhilfeunterricht und Hilfe bei den Examensvorbereitungen bieten.
Einige Schüler, die Mittel- und Oberschulen oder Universitäten der Elite besuchen wollen, bekommen auch sehr teuren, aber intensiven Einzelunterricht von Hauslehrern („kateikyōshi“).
Eine weitere Form, die besonders in der so genannten
„Aufnahmeprüfungsvorbereitungsindustrie“ Japans eine Rolle spielt sind die Vorbereitungsschulen („yōbiko“), die im Wesentlichen auf „rōnin“ (wörtlich: herrenlose Samurai) ausgerichtet sind. Das sind Schulabsolventen, die ein Jahr bis zur nächsten Aufnahmeprüfung für die Universität abwarten müssen, da sie entweder die Aufnahmeprüfung nicht bestanden oder keine Zulassung für ihre Wunschuniversität bekommen haben.
Zusätzlich besuchen manche Schüler auch außerschulische Unterrichtsstunden („keikogoto“), die mit traditionellen Fähigkeiten wie das Rechnen mit dem Abakus („soroban“) oder das Erlernen von traditionellen japanischen Instrumenten, wie zum Beispiel der Koto, einer Art Wölbbrettzither, ausgelegt sind.
Anders als hierzulande, bereiten sich die Schüler sehr intensiv auf den Unterricht vor. Allerdings sind die Unterrichtsmethodiken etwas anders, als man es hierzulande gewohnt ist.

Unterrichtsmethodiken
Projektarbeit, Interpretationen, Analysen und Vergleiche sind Beispiele der deutschen Unterrichtsmethodik. Das gezielte Auswendiglernen nimmt im Vergleich zu Japan einen geringen Anteil der Unterrichtsanforderungen ein. Nur das Vorgehen in den Grundschulen ist in beiden Ländern ähnlich. Die Lernatmosphäre ist frei und ungezwungen. Die Schüler arbeiten viel in kleineren Gruppen, basteln oder lösen zusammen Rechenaufgaben. Das erste Jahr der Mittelstufe (7. Klasse) ist in Japan noch dem Grundschulunterricht ähnlich, doch ab der 8. Klasse erfolgt ein radikaler Umbruch zur Methodik des Lehrervortrages. Der Unterricht dient nur noch der bloßen Wissensvermittlung für die nächste Aufnahmeprüfung. Immerhin sollen möglichst viele Schüler der eigenen Schule auf die beste Oberschule („kōtōgakkō“ oder „kōkō“) oder Universität („daigaku“) gehen.
Oberschulen ahmen sogar den Vorlesungsstil der Universitäten nach. Einige Schüler schlafen im Unterricht, da sie den Stoff in den Nachhilfeschulen noch einmal erklärt bekommen. Den Lehrern macht das nichts aus. Sie übersehen das einfach. Außerdem motivieren sie ihre Schüler auch nicht, da die Klassen mit 40 bis 45 Schülern einfach zu groß dafür sind.
Was dieses Schulsystem bringt, erfahrt ihr in Teil zwei von Schule in Japan, also bleibt dran!
Autor: Anne Ballhaus
Lektor: Mirjam Maier /  Yanis
Grafiker: Nathalie Schöps /  unbekannt
Datum d. Artikels: 05.02.2011
Bildcopyright: www.piqs.de: François Rejeté, Hayat Dobashi


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