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Engrish - Japaner und die englische Sprache

 
Treffen zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, ist die erste zu überwindende Hürde stets die der Kommunikation. So auch bei Japan und den englischsprachigen Ländern. Dass selbst der einzigartige Perfektionismus der Japaner seine Grenzen hat, zeigt sich bei dem Versuch, dem eigenen Land Englisch näher zu bringen. Das Resultat: Engrish. Eine Sprache, die auf halbem Weg ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hat.

Treffen zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, ist die erste zu überwindende Hürde stets die der Kommunikation. So auch bei Japan und den englischsprachigen Ländern. Dass selbst der einzigartige Perfektionismus der Japaner seine Grenzen hat, zeigt sich bei dem Versuch, dem eigenen Land Englisch näher zu bringen. Das Resultat: Engrish. Eine Sprache, die auf halbem Weg ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hat.

Japaner sind ein wissbegieriges Volk. Das zeigt sich bereits dadurch, dass die japanischen Fernsehshows – die in unseren Augen einfach nur laute, bunte Reizüberflutung darstellen – immer das Ziel anstreben, dem japanischen Zuschauer zusätzliches Wissen zu vermitteln – ganz gleich, welcher Art.
Und wissbegierige Japaner wollen Englisch lernen. Eigentlich.

Nach der Beendigung der japanischen Isolationspolitik, Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch auf sprachlicher Ebene eine gemeinsame Grundlage mit dem Westen geschaffen werden musste.
Doch so wie die japanische Sprache nicht leicht zu erlernen ist, bietet Englisch umgekehrt den Japanern eine besondere Herausforderung. Es geht einher mit einem neuen Alphabet und der Aneinanderreihung von, für japanische Ohren, unvertrauten Lauten.
Aber Englisch ist eine Weltsprache und demnach Pflicht für ein Volk mit weltoffener Politik. Darüber hinaus hebt es sich, innerhalb der japanischen Grenzen, immer von der Masse ab:
Es schmückt T-Shirts und lässt den Träger weltgewandt aussehen, es weckt auf der Rückseite von Lebensmitteln den Eindruck, die Hersteller hätten besonderes Fachwissen und wären vertrauenswürdig. Außerdem hilft es ahnungslosen Touristen, sich im fremden Japan zu Recht zu finden.

Das Wort Engrish spielt darauf an, dass viele Asiaten Probleme mit den Lauten R und L in unseren Sprachen haben.
Denn in den meisten asiatischen Sprachen gibt es diese speziellen Laute nicht (noch viel weniger „alleinstehend“), lediglich ähnlich scheinende!
So klingt das japanische R (aus der Silbenreihe ra, ri, ru, re, ro) für deutsche Ohren vielmehr wie ein gerolltes L.
Daher entstehen Probleme beim Erlernen westlicher Sprachen, die eine genaue Unterscheidung von R und L nach unserem Verständnis voraussetzen!
Nun bezeichnet Engrish aber nicht die Verwechslung von R und L; es verweist auf humoristische Weise auf Übersetzungspannen und Interpunktionsfehler im Alltagsleben.
Engrish bezieht sich außerdem nicht speziell auf Japan, sondern generell auf den Großraum Asien und die Schwierigkeiten mit englischer Grammatik und Aussprache.

Bisher wurde in Japan Englisch erst ab einem Alter von 12 Jahren in der Junior Highschool (Chûgakkô) unterrichtet. Aufgrund der schlechten Ergebnisse im internationalen Sprachtest TOEFL (Test of English as a Foreign Language), wurde im April 2011 das Unterrichten von Englisch als Fremdsprache „vorgeschoben“. Japanische Schüler erlernen es nun bereits mit dem zehnten Lebensjahr in der Grundschule (Shôgakkô).
Neben dem Pflichtunterricht an der Schule gibt es zudem Englischkonversationsschulen (Eikaiwa gakkô), die hauptsächlich deswegen von vielen Japanern besucht werden, weil das Schulenglisch sich hauptsächlich auf die Grammatik und kaum auf die Konversation konzentriert.
Es soll jedoch nicht behauptet werden, Japaner können kein Englisch. Oftmals sind sie einfach zu höflich und schüchtern, um es zu benutzen. Natürlich sind Japaner aber gleichzeitig auch ein außergewöhnlich hilfsbereites Volk. Und genau hier ergibt sich eine Möglichkeit, sie dazu zu bewegen, Englisch zu sprechen. Denn sehen sie einen Touristen, der versucht, eine japanische Karte zu entziffern, sprechen sie ihn meist von sich aus an – beinahe immer in korrektem, lediglich etwas ungeübt klingendem Englisch!

Doch warum genau gibt es dann Engrish in Japan, wenn Japaner die englische Sprache eigentlich beherrschen? Es gibt mehrere Antworten: Viele Japaner lernen zwar Englisch in der Schule, verwenden es jedoch so gut wie nie und vergessen es größtenteils wieder.
Viele kleine Unternehmen versuchen, touristenfreundlich wie sie sind, englische Anleitungen zur Verfügung zu stellen, ohne sie jedoch von einem Muttersprachler oder einem Fachmann für Englisch kontrollieren zu lassen.
Und zu guter Letzt sieht Englisch einfach exotischer aus als Japanisch, wenn es Kleidung, Reklame oder Lebensmittel schmückt. Und kaum jemand achtet auf grammatikalische Fehler oder die genaue Bedeutung!

So begegnet man eben auf den Straßen Japans Jugendlichen, die ein Oberteil mit der Aufschrift Diarrhea (von Diarrhoe, medizinisch für Durchfall) tragen, nicht wissend, warum denn die anderen eigentlich einen großen Bogen um sie machen.
Lebensmittelverpackungen versichern dem Käufer, dass das beworbene Brot von ganzem Herzen verbrannt sei und es stört sich niemand daran, dass das Erfrischungsgetränk Pocari Sweat, seinem Namen entsprechend, möglicherweise Japanerschweiß enthalten könnte!
Und auch wenn es gut gemeint ist, hilft man Touristen nicht, wenn sie durch falsche Interpunktion nicht vom Rauchen abgehalten, sondern vielmehr dazu aufgefordert werden (dem korrekten No smoking ziehen die Japaner ein No, smoking vor)!
Oder wenn ein Warnschild, das ursprünglich auf die Ausführung von Reinigungsarbeiten hinweisen soll, tatsächlich eine stattfindende Hinrichtung ankündigt (Execution in process).

Aber die Japaner sind einfallsreich. Sie geben sich nicht so einfach geschlagen und versuchen auf ihre ganz eigene Weise, des Englischen mächtig zu werden: Beispielsweise durch eine schrille Fernsehsendung, die die breite Masse ansprechen soll.
Um sich die Aussage I have a bad case of diarrhea (zu Deutsch: Ich habe schlimmen Durchfall.) für den Notfall beim Arzt zu merken, tanzen drei kaum bekleidete japanische Schönheiten – mit der deutschen Aufschrift „Fräulein“ auf der Brust – zu eben jenem Satz eine Choreographie und wiederholen die Worte im Sprechgesang.
Man kann den Japanern also nicht vorwerfen, dass sie nicht unorthodoxe Wege beschreiten, auch wenn die Gefahr besteht, dass manche Bedeutung bei diesen zuckersüßen und bunten Methoden auf der Strecke bleibt.
Mit der Umstrukturierung des Unterrichts, hat die japanische Regierung gezeigt, dass Ihnen korrektes Englisch wichtig ist und dass sie solide Englischkenntnisse vermitteln wollen. Und solange die kleinen Fehler im japanischen Englisch heute lediglich zu amüsanten Situationen im Alltag führen, kann man Engrish mit einem Schmunzeln zur Kenntnis nehmen
Autor: Lisa Gengler /  MimiTachikawa
Lektor: Christine Schäffer
Grafiker: Rebecca Bertram /  Reh-Baecker
Datum d. Artikels: 25.06.2011
Bildcopyright: piqs.de, pixelio.de


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